BÜCHERBÖRSE

Filmstart: Every Thing Will Be Fine

James Franco und Wim Wenders (c) Bac Films
James Franco und Wim Wenders

Wim Wenders Film erzählt die Geschichte des Schriftstellers Thomas (James Franco), der an einem verschneiten Abend auf einer abgelegenen Straße fast einen kleinen Jungen überfährt. Er begleitet den Jungen nachhause und erklärt der Mutter, gespielt von Charlotte Gainsbourgh, den Vorfall. Diese ist etwas irritiert und fragt ihren Sohn, wo denn sein Bruder sei. Als dieser nicht antwortet, läuft sie sofort zum Auto und muss feststellen, dass ihr Sohn überfahren wurde.

Dieser unglückliche Vorfall, an dem niemand Schuld hat, stürzt Thomas in eine Krise aus Alkohol und Drogen und auch seine Beziehung mit Sara (Rachel McAdams) zerbricht daran. Ein gescheiterter Selbstmordversuch, der mehr ein Hilfeschrei zu sein scheint, bringt ihn wieder halbwegs auf Kurs. Er beginnt wieder zu schreiben und das Buch wird ein Bestseller. Langsam festigt sich sein Leben wieder, er verliebt sich sogar und versucht mit Ann (Marie-Josée Croze) und ihrer Tochter (Lilah Fitzgerald) eine Familie zu gründen.

Im weiteren Verlauf beginnt er seine Vergangenheit aufzuarbeiten und kehrt zum Ort des Unfalls zurück, wo er auf die Mutter des Jungen trifft, den er vor Jahren überfahren hat. Sie hegt keinen Groll gegen ihn, redet ihm sogar gut zu. Beide bleiben in Kontakt und eines Tages erhält er einen Brief ihres Sohns, der zu verstehen versucht, was damals in dieser schicksalshaften Nacht geschehen ist.

Kritik

Ich war schon irritiert als ich im Kinosaal saß und plötzlich der Filmvorführer meinte, dass man für den Film eine 3D-Brille braucht. Also gingen ich und ungefähr die Hälfte der Anwesenden nochmal raus und besorgten uns besagtes Utensil. Es gibt eine Menge Filme die in 3D gedreht wurden und es nicht wirklich brauchten. Dieser Film ist ein Paradebeispiel dafür. Während der Vorstellung nahm ich die Brille des Öfteren ab und war wenig überrascht darüber, als sich nicht wirklich etwas änderte. Der Regisseur wirbt zwar damit, 3D als Stilmittel zur besseren Bildsprache benutzt zu haben, das Geld dafür wäre meiner Meinung nach jedoch bestimmt besser angelegt gewesen, hätte man es für ein halbwegs brauchbares Drehbuch investiert.

Und hier kommt auch schon der zweite große Kritikpunkt. Ich liebe melancholische Filme die eine gute und spannende Geschichte zu erzählen wissen. Every Thing Will Be Fine ist aber derart dumm und weltfremd, dass es an manchen Stellen schon wieder komisch wird. Es gab wirklich Momente im Film bei denen ich schmunzeln musste, wohlwissend, dass die Szene eigentlich Tragik vermitteln sollte. Anderswo wurden zwischenmenschliche Konflikte simuliert, die im wahren Leben niemals so stattfinden würden. Wer auch immer dieses Drehbuch geschrieben hat, lebt entweder seit seiner Geburt auf einer einsamen Insel, oder hat einfach keine Ahnung davon, wie Menschen im alltäglichen Leben miteinander umgehen. Und natürlich darf auch der an Demenz leidende Vater nicht fehlen. Das scheint ein sehr beliebter Lückenfüller zu sein, wenn einem mal die Ideen ausgehen. Es wirkte schön aufgesetzt und war der Handlung in keinster Weise dienlich.

Als Sehenswert kann ich diesen Film nun wirklich nicht bezeichnen und das finde ich schade weil James Franco hier zeigt, dass er auch ernste Rollen zu spielen weiß. Die schauspielerische Leistung ist von allen Akteuren ziemlich gut, kann aber nicht über das miese Drehbuch hinweg täuschen. Wenn ihr dennoch interessiert seid, solltet ihr lieber warten bis der Film im Fernsehen ausgestrahlt wird. Das Geld für eine Kinokarte und den 3D-Zuschlag kann man für sinnvollere Dinge ausgeben. Für Seifenblasen zum Beispiel.

 

Log in or create an account

fb iconLog in with Facebook