BÜCHERBÖRSE

Filmstart: Big Eyes

Chrstoph Waltz und Amy Adams als das Künstlereheppar Walter und Margaret Keane (c) The Weinstein Company
Chrstoph Waltz und Amy Adams als das Künstlereheppar Walter und Margaret Keane

Tim Burton, der für seine skurrilen und ungewöhnlichen Projekte bekannt ist, bringt eine für ihn fast zu normal wirkende Geschichte ins Kino. Eine wahre Geschichte, die uns zeigt, dass die Grenze zwischen Kunst und Kitsch sehr schmal und das Künstlerego sehr groß sein kann.

Künstlerin Margaret (Amy Adams) schaffte es nicht mit ihren Bildern in der San Franciscos Kunstszene der 1960er Jahre Fuß zu fassen. Erst als sie ihren zweiten Ehemann Walter Keane (Christoph Waltz) kennenlernt, werden ihre Bilder anerkannt und sogar berühmt. Das Problem: Walter gibt die Bilder als seine eigenen aus. Der Film portraitiert den Kampf einer Frau mit sich selbst, aus der konventionellen Frauenrolle auszubrechen und sich gegen den dominierenden Mann zu behaupten.

Christoph Waltz spielt ein Arschloch

Obwohl Walter Keane zu Beginn sehr charmant und einnehmend wirkt, weiß man sofort, dass das nicht gut enden wird. Das liegt wahrscheinlich an Christoph Waltz. Wenn man ihn in einem Film sieht, kann man davon ausgehen, dass er ein Arschloch spielt, was er auch in Big Eyes grandios macht. Amy Adams überrascht mit ihrer zerbrechlichen Darstellung Margarets. Sie bringt eine verstörte, unsichere Künstlerseele zum Vorschein, was Adams sowohl überzeugend als auch einfühlsam fertigbringt.

Kunstwerke auf der Leinwand

Die Kunst von der echten Margaret Keane bekommt wohl die größte Rolle im Film. Die Produzenten arbeiteten eng mit der Künstlerin (sie lebt 87-jährig in der Nähe von San Francisco) zusammen, um Kopien der Bilder und Nachdrucke zu bekommen. Für die unvollendeten Gemälde, die im Film gezeigt werden, war die Künstlerin Lisa Godwin zuständig Sie fertigte zahlreiche Bilder und Skizzen für den Dreh an.

Was ist Kunst?

"Ob etwas als Kitsch oder als Meisterwerk gilt, ist eine subjektive Entscheidung. Sobald ein Bild das Herz rührt, hat es auch verdient, als Kunst bezeichnet zu werden", sagt Produzentin Lynette Howell. Der Chefkritiker der "New York Times" John Canaday sieht das nicht so, er sieht die Bilder von Margaret Keane als groteske, kitschige Karikaturen. Aber welche Autorität hat ein Kritiker? Wer entscheidet, was Kunst ist und was nicht? Der Film zeigt, wie schwierig die Frage "Was ist Kunst?" zu beantworten ist, zeigt aber verschiedene Perspektiven auf.

Birgit Mühl

Birgit Mühl | Redakteurin Feuilleton & Studentenleben

studiert Vergleichende Literaturwissenschaft und Publizistik- und Kommunikationswissenschaft

ist heillose Optimistin

liebt Beistriche und hasst den Ausdruck "Grammar-Nazi"

birgit.muehl (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

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