BÜCHERBÖRSE

Filmstart: Mad Max: Fury Road

Mad Max: Fury Road (c) Warner Bros. Ent.
Mad Max: Fury Road

Mad Max: Fury Road ist eine Wohltat. Inmitten von seelenlosen CGI-Schlachten, hirnlosen Actiongewittern und dem zehnten Aufguss eines vormals erfolgreichen Franchises ist dieses Werk von George Miller ein absolutes Highlight. Obwohl auch hier eine Filmreihe aus den Achtzigern reaktiviert wurde, bleibt mit Miller der originale Schöpfer derselbe und das tut dem Streifen wahnsinnig gut. Ganze fünfzehn Jahre schmorte Fury Road in der Produktionshölle und kommt erst jetzt in die Kinos, wenngleich die Dreharbeiten seit drei Jahren abgeschlossen waren. Hat sich das Warten gelohnt? AUF JEDEN FALL.

Doch alles auf Anfang: Tom Hardy ersetzt Mel Gibson als wortkargen Straßenkrieger Max Rockatansky, der in einem post-apokalyptischen Australien einsam die Wüste durchstreift, auf der Suche nach Wasser und Benzin. Zufällig gerät er mit Furiosa (großartig: Charlize Theron) zusammen, die versucht mehrere Frauen in Sicherheit zu bringen, die vormals Sklavinnen des brutalen Warlords Immortan Joe waren. Mit den verschiedensten Vehikeln und Waffen liefern sich die beiden Gruppen eine wilde Verfolgungsjagd durch das verwüstete Ödland des australischen Outbacks im Jahr 2060. Ein simpler Plot, der aber zu keinem Zeitpunkt vorgibt mehr zu sein als er ist: Die Schablone für eine atemlose Hetzjagd, angetrieben von rostigen Motoren, Blut und Schweiß.

Regisseur George Miller lässt dem Zuschauer im wahrsten Sinne keine Verschnaufpause. Die erste halbe Stunde des Films ist quasi eine einzige große Actionsequenz, vollgepackt mit verblüffenden Schauwerten und handgemachten Effekten, wie sie das Kino schon ewig nicht mehr gesehen hat. Knochenbleiche Mechaniker-Gnome schuften im Schatten einer riesigen, vergrabenen Autowerkstatt, degenerierte Soldaten mit Strahlungsbeulen und Pilotenbrillen durchpflügen im Volltempo die Sanddünen und ein staubtrocken cooler Max kaut auf einer zweiköpfigen Eidechse herum. Die von Miller geschaffen dystopische Welt ist in sich so schlüssig und detailreich, das der Film selbst ohne jede Actionszene das Risiko eines Blickes wert wäre. Aber kommen wir erstmal zur Action – die ist phänomenal. Ich war mir gar nicht bewusst, wie sehr ich mir diese Art von Actionfilm gewünscht habe. George Miller gibt an, dass etwa 90% der Effekte von Hand gemacht und nicht im Computer entstanden seien und das sieht man zu einhundert Prozent. Man spürt förmlich die Hitze der Motoren, die sengende Sonne Australiens, den Gestank einer untergegangenen Welt und wenn Autoteile, Menschen und Granaten herumfliegen, weiß der Zuschauer, dass dort tatsächlich etwas in die Luft gesprengt wurde. Dabei steigert sich der Film ständig und man möchte den Mund gar nicht mehr schließen, so oft droht er aufzuklappen.

Der Cast macht einen fabelhaften Job. Tom Hardy gibt einen erstklassigen Mad Max ab, der im gesamten Film vielleicht eine Handvoll Sätze von sich gibt und dabei mehr die Fäuste, Schießeisen oder Blicke sprechen lässt. Charlize Theron stiehlt ihm aber tatsächlich die Schau, ob nun der Film seinen Namen trägt oder nicht. Als einarmige Überlebenskünstlerin Furiosa ist sie derart überzeugend und schlagkräftig, sodass man sich gar nicht daran stört, dass sich der Film fast hauptsächlich mit ihr beschäftigt. Apropos schlagkräftig: Mad Max: Fury Road ist nichts für schwache Nerven. Hier rücken sich die verschiedensten skurrilen Figuren mit Schraubenschlüsseln, Flammenwerfern, Messern, Kettensägen und Pistolen zu Leibe, dabei wird auch nicht vor schwangeren oder alten Frauen Halt gemacht. Hinzu kommen die Schergen des Warlords Joe, die einfach hervorragend ekelhaft designt wurden.

Das Setting ist atemberaubend. Die krude Mischung aus technologischen Überresten der alten Welt und einer steinzeitlichen Kriegsmentalität sorgt dafür, dass zu Kampfmaschinen aufgemotzte Trucks mit Stacheln bewehrte Sandbuggys von der Straße bomben, während im Hintergrund ein Lenkrad-Anbeter aus einer kreischenden E-Gitarre Feuer speien lässt. Klingt seltsam, wenn man es aufschreibt, aber bitte, bitte – geht ins Kino und seht es euch an. Kompromisslosere und bessere Actionszenen werdet ihr diesen Sommer nicht auf der Leinwand sehen – mein Wort darauf. Wer sich darauf einlässt, erhält eine herrlich abgefahrene Zukunftsvision serviert - mit Sicherheit eine der Überraschungen des Kinojahres 2015.

Ein Film wie ein Adrenalinrausch: zwei Stunden Tour de Force Non-Stop.

Andreas Müllauer

Redakteur seit 2013

studiert  Theater-, Film- und Medienwissenschaften

liebt Filme, Hunde & macht "irgendwas mit Medien"

Mail an Andreas.Muellauer(ät)unimag.at

 

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