BÜCHERBÖRSE

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Die neue Zukunft (c) Disney
Die neue Zukunft

Geschrieben mit Benjamin Bäck

1955 war Tomorrowland Teil der von Disneyland und präsentierte eine verträumte Zukunftsvision. Mehr als 50 Jahre später beherrschen Kriege, Katastrophen und Krisen die Welt und trüben die Zukunftsaussichten. Doch die ideale Zukunft existiert – irgendwo in einer anderen Dimension, frei von Politik und Machthunger. Die junge Casey (Britt Roberson u.a. aus Under The Dome und Cake) erhält eine Einladung dorthin und obwohl sie zuerst daran glaubt den Verstand zu verlieren, setzt sie bald alles daran um den Ort wirklich zu finden. Sie begegnet bald der noch jüngeren Athena, die sie zu einem Einsiedler (George Clooney) führt. Gemeinsam beginnen sie die Idee um Tomorrowland zu verstehen und machen sich auf den Weg dorthin.

Das war herausragend

Benjamin: Tomorrowland schafft es gleich zu Beginn dich in diese phantastische Welt hineinzuziehen, die Disney mit ihrem klassisch phantasievollen Rezept erschaffen hat. Und das Beste, er läuft nicht in 3D. Die Effekte sehen ganz gut aus und gerade die ersten zwei Drittel des Films sind sehr dynamisch und lassen niemals Langeweile aufkommen. Toll fand ich auch, dass ein hoher Grad an Realismus verkörpert wurde. Wie schon im Trailer zu sehen, wird Casey Newton (Britt Robertson) ein paar Meter durch die Luft geschleudert. Als sie dann am Boden liegt, steht sie nicht einfach mit einem kleinen Ächzer wieder auf, sondern ihr fehlte richtig die Luft. Dieses Konzept wurde konsequent durchgezogen. Auch die hohe Anzahl an menschlichen Opfern hat mich überrascht. Vor allem weil der Film von Disney ist.

David: Der Film hat mich wirklich unvorbereitet erwischt. Der Trailer verspricht ein schönes, kleines Abenteuer mit bunten Farben, traumhaften Zukunftsideen und ganz viel Disney-Musik. Doch nach den ersten zwanzig Minuten werden die Schneewittchentöne sofort in die Schublade verbannt und machen tiefen Klängen platz, die der Geschichte richtig gerecht werden. Tomorrowland hat erstaunlich viel Tiefgang und Gesellschaftskritik. Der Film hat für mich nur sehr wenig mit dem Trailer zu tun. Was im Gegensatz zu Malificent in diesem Fall wirklich von Vorteil war.

Das war echt mies

Benjamin: Ich hasse nichts mehr, als wenn Kinder in Filmen Zitate bringen, die auf einem derart hohen philosophischen Level sind, dass selbst Aristoteles erblassen würde. Das passiert hauptsächlich zu Beginn des Films. Warum kann man Kinder nicht Sätze sagen lassen, die ihrem Alter entsprechen? Das letzte Drittel des Films ist etwas zäh und das Finale war irgendwie unlogisch. Es kam mir vor, als ob für ein vernünftiges Ende keine Zeit mehr war, oder zu wenig Geld zur Verfügung gestellt wurde. Ich war noch nie ein Hugh Laurie Fan und dieser Film hat meine Meinung keineswegs geändert. Vielleicht liegt es aber auch am Drehbuch. Die Rolle die er verkörpert ist ziemlich platt und man erfährt nicht viel über diese Person. Generell erklärt einem der Film nur sehr wenig darüber, wer dieses Tomorrowland nun erschaffen hat und warum es sich in einer anderen Dimension befindet.

David: Obwohl der Film streckenweise ziemlich authentisch und realistisch ist, konnte man es wohl nicht lassen, den Phantasmas in kindlichem Fanatismus zu zelebrieren. Tomorrowland ist eigentlich großteils sehr kurzweilig, kommt aber nur recht langsam in die Gänge. Man nimmt sich sehr viel Zeit für Charakterexpositionen und Beziehungen zwischen (eigentlich völlig irrelevanten) Nebenpersonen, so dass wohl eine halbe Stunde vergeht, bevor man die Weltverbesser-Schubladen und Keiner-versteht-mich-Klischees endlich hinter sich gelassen hat. Und trotzdem hat man dann nur die Zeit die Motive von zwei Charakteren zu erzählen, während jene der Antagonisten nur mau begründet bleiben.

Schauspielerische Leistung

Benjamin: George Clooney ist gewohnt souverän und verkörpert seine Rolle wirklich gut. Auch die junge Schauspielerin Britt Robertson kommt in ihrer Rolle ausgezeichnet rüber. Hugh Laurie hingegen fand ich nicht wirklich berauschend. Am meisten gefiel mir die Performance von Raffey Cassidy. Für ihr Alter ist ihre Schauspielkunst wirklich überzeugend.

David: Die bravouröse Darbietung der jungen Raffey Cassidy hat mich begeistert. Irgendwie seltsam, dass sie eine der drei Hauptrollen spielt und im Trailer vollkommen außen vor gelassen wird. Andererseits ist der Charakter so überraschend, dass jegliche Darstellung im Trailer das Erlebnis zerstört hätte. Bravo Disney. Hugh Laurie als Bösewicht konnte sich aber aufgrund fehlenden Tiefgangs jedoch nicht wirklich profilieren.

Die beste Szene

Benjamin: Am besten gefiel mir die Szene, als der junge Frank Walker (Thomas Robinson) sich nach Tomorrowland schleicht und versehentlich in die Tiefe fällt. Zuerst ist alles nebelig, aber plötzlich sieht man die atemberaubende Stadt und den Boden immer näher kommen. Im letzten Moment schafft es Frank, sein Jet Pack zu aktivieren und fliegt damit über Tomorrowland hinweg.

David: Es gibt da einige wirklich unterhaltsame Szenen, in denen die Dreiecksbeziehung der drei Charaktere wirklich zum Schmunzeln bringt.

Wer sich den Film anschauen soll

Benjamin: Der Film wendet sich an eine eher junge Zielgruppe, aber ich finde, dass sich so ziemlich jeder den Film ansehen kann. Ein typischer Film für die ganze Familie.

David: Über die Zielgruppe bin ich mir nicht ganz sicher. Augenscheinlich ist er für Kinder gedacht, doch das große Ganze berührt alle Weltverbesserer und trifft durch die vielen Effekte doch auch nachdenkliche, anspruchsvollere ZuseherInnen.

Ein wohlüberlegtes Fazit

Benjamin: Tomorrowland ist ein guter Film mit kleinen Schwächen. Er besticht gerade durch seine phantasievolle Inszenierung und die schauspielerische Leistung ist auch solide. Dem Ende des Films hätte noch etwas mehr Arbeit nicht geschadet, aber alles in allem ist es ein Film der zu unterhalten weiß.

David: Ein Feelgood-Movie mit Tiefgang ist eine Seltenheit. Verknüpft mit großangelegten Bildern lassen die überzeugenden Schauspieler über einige Logiklücken und das künstlich gedehnte Wir-brauchen-mehr-Action-Ende hinwegsehen. Am besten wirkt der Film sicher im Kino.

David Klotz

David Klotz | Redakteur und OCM

studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft 

sagt zu Kino niemals Nein und hasst Spoiler 

david.klotz (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2012

 

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