BÜCHERBÖRSE

Filmstart: Jurassic World

Jurassic World (3D) (c) Universal Pictures
Jurassic World (3D)

Resolut bindet sich die gehetzte Park-Managerin Claire ihre Bluse zusammen, stemmt die Hände in die Hüften und wendet sich trotzig ihrem Macho-Kollegen Owen zu. Sie musste wirklich viel ertragen: Zunächst brach der neue sowie tödliche Designer-Dino aus seinem Gehege aus, dann gingen ihre beiden Neffen mitten im Dschungel verloren und nun muss sie sich auch noch auf Stöckelschuhen im Urwald gleichzeitig auf die Suche nach allen dreien machen. Und schon sind wir drin, im mittlerweile dritten Aufguss und vierten Teil der Jurassic Park-Reihe.                                                

Vorab: Jurassic World macht viele Dinge richtig. Nicht alle wohlgemerkt, aber angesichts der veröffentlichten Trailer und der mutmaßlichen Handlung hatten sich Fans des Originals schon vor einer stupiden Dinosaurier CGI-Schlacht gefürchtet. Dem ist nicht so, zumindest meistens nicht. Regisseur Colin Trevorrow ist sich der großen Fußstapfen bewusst, in die er treten muss – immerhin sind es die von Regie-Meister Steven Spielberg – und so denkt Trevorrow den Gedanken des ersten Jurassic Park konsequent zu Ende: Was wäre, wenn es diesen Dino-Park wirklich gäbe und er tatsächlich in Betrieb wäre?

So zeigt er uns den titelgebenden Erlebnispark erst in voller Pracht. Im wahrsten Sinne durch Kinderaugen, die von Gray (Ty Simpkins) und seinem Bruder Zach (Nick Robinson), erleben wir die perfekt durch organisierten Dino-Attraktionen. Reiten auf einem Baby-Triceratops? Kein Problem. Kanu-Fahren mit Brachiosaurieren? Sicher. Fütterung des aquatischen Mosasauriers mit einem ganzen (!) weißen Hai? Auf jeden Fall. In Kombination mit John Williams famosen Score treibt das sicher dem einen oder der anderen nostalgische Tränen in die Augenwinkel. Doch die Idylle trügt, denn anscheinend betrachten die meisten Besucher die Urzeitwesen wie Elefanten im Zoo – also mit interessierter Neugier, aber ohne das so sehr erhoffte "Wow". Dementsprechend muss ein neuer Saurier her – am besten ein großer, böser mit garstig vielen Zähnen. Dumm nur, dass sich dieser erst kürzlich erschaffene Super-Dino im Park auf die Jagd nach Menschen und Dinosauriern gleichermaßen macht. Der Indominus Rex, geklont aus T-Rex Genen und weiteren Fleischfressern, ist klüger, größer und gerissener als jedes andere Tier im Park und sorgt freilich für allerhand Geschrei, allerdings keines aus Begeisterung.

Dino-Action at its best

Nichtsdestotrotz ist Jurassic World ein Familienfilm. Egal wie viele namenlose Besucher oder Söldner von den gefräßigen Dinosauriern verspeist werden – letztendlich geht es um die Zusammenführung der getrennten Familienmitglieder. Natürlich auch um die Zusammenführung der beiden Filme: Jurassic Park & Jurassic World. So ist letzterer am besten, wenn er sich auf die Stärken seines Vorgängers besinnt und teilweise sogar alte Schauplätze aufsucht. Stehen die Protagonisten im Angesicht der verfallenen Überreste des ersten Parks, kriecht dem Kenner schon eine leichte Gänsehaut über den Rücken.

Was übrig bleibt, ist Dino-Action vom allerfeinsten. Hier werden zwar öfters die Regeln der Logik oder des Storytellings aus dem Fenster geworfen, aber wen schert das wenn man doch zusehen kann, wie sich Saurierhorden durch noch größere Menschenmassen pflügen? Im Adrenalinrausch des (recht unblutigen) Menschenbuffets verzeiht man dem Film dann auch Unzulänglichkeiten wie den B-Movie Plot eines geklonten Super-Dinos und die schwachsinnige Idee der Kontrolle der sonst so tödlichen Raptoren, durch einen menschlichen Anführer.

Der menschliche Cast macht seine Sache recht ordentlich. Bryce Dallas Howard gefällt als Geschäftsfrau Claire, die sich nun nicht mehr am Konferenztisch, sondern im Urwalddickicht durchsetzen muss. Guardians of the Galaxy-Star Chris Pratt umweht als rauer Haudegen Owen Grady stets ein Hauch von Indiana Jones und so fügt er sich gut ein, ins muntere Dino-Getümmel. Denn die Dinosaurier sind nach wie vor die Stars, umso bedauerlicher, dass man sich hier für einen fiktiven Gen-Dino als großen Antagonisten entschieden hat. Der ist zwar bis zur Perfektion animiert, dennoch fehlt ihm der Charme der animatronischen Puppen, die im ersten Teil der Reihe doch so oft für den Funken Realismus in all dem Chaos sorgten. Dennoch hat der eigentliche urzeitliche Dino-Star der Vorgängerfilme einen denkwürdigen Auftritt – mehr wird aber nicht verraten.

Zusammenfassend ist Jurassic World eine meist familienfreundliche Achterbahnfahrt im Kinosessel mit einigen OOHs und AHHs für die Neulinge und diversen nostalgischen Momenten für die Jurassic Park-Veteranen.

Andreas Müllauer

Redakteur seit 2013

studiert  Theater-, Film- und Medienwissenschaften

liebt Filme, Hunde & macht "irgendwas mit Medien"

Mail an Andreas.Muellauer(ät)unimag.at

 

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