BÜCHERBÖRSE

Filmstart: Unknown User

Angst davor, zu skypen. Nach diesem Film hast du sie wahrscheinlich. (c) Universal Pictures
Angst davor, zu skypen. Nach diesem Film hast du sie wahrscheinlich.

Was erhält man, wenn man Cybermobbying mit übernatürlichen Ereignissen kombiniert? - Unknown User, das Blair Witch Project der Generation Web 2.0. Wer sich von der innovativen Drehart dieses Horrorfilms erschrecken lassen will, hat ab 16. Juli im Kino die Möglichkeit.

Ein Jahr nachdem Laura Barns Selbstmord begangen hat, weil ein peinliches Video von Ihr im Netz gelandet ist, passieren unheimliche Dinge. Sechs ihrer Freunde führen einen Gruppenchat auf Skype, doch dann wählt sich eine siebte Person ein, die nicht zu entfernen ist. Ein tödliches Spiel beginnt: Wer lügt - stirbt. Wer sich weigert zu reden - stirbt. Wer den Chat verlässt - stirbt.

Lahme Story, spannende Umsetzung

Obwohl die Story nicht wirklich spannend und ein wenig vorhersehbar ist, hat der Film durchaus Potential. Man verfolgt das ganze Geschehen über den Computerbildschirm von Blaire (Shelley Henning), was eine große Identifizierung mit dem Charakter zulässt und besonders bei Horrorfilmen die Schreckmomente erhöht. Als Zuschauer ist man direkt im Geschehen, so als wäre man Teil des Gruppenchats. Das ständige Mitlesen ist zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, aber man findet sich sehr schnell mit der Situation zurecht, vor allem weil man das aus dem Alltag kennt. Skype Gruppenchat, im Hintergrund Facebook, Musik hören und nebenbei noch auf iMassage schreiben. Der Film wirkt sehr authentisch, nicht nur wegen der Nähe zur Thematik, sondern auch durch Effekte wie stockende Vieostreams oder verpixelte grüne Gesichter beim Skypen.

Schauspielerische Herausforderung

Die sieben Hauptdarsteller hatten keine leichte Aufgabe, denn ihr Improvisationstalent war sehr gefragt. Sie saßen jeweils alleine in ihren Zimmern und wurden aus der Laptop-Perspektive mit einer GoPro gefilmt. Die Situation war vergleichbar mit einem Theaterstück, bei dem auf jeden Schauspieler eine Kamera gerichtet ist, in die er hineinspricht und so tun muss, als wären seine Mitspieler auf der Bühne. Es gab keine klaren Takes, so dass manche Aufnahmen bis zu eineinhalb Stunden gingen. Jeder Schauspieler war mit einem Funk-Ohrknopf ausgestattet, über den einer der Drehbuchautoren, Nelson Greaves, und der Regisseur Levan Gabriadze jederzeit Textänderungen oder bestimmte Reaktionen in den Szenen vorschlagen konnten. Gabriadze und sein Team ließen sich während des Drehens von den unterschiedlichen Reaktionen der Darsteller inspirieren und änderten dann spontan die Szene oder die Richtung des Dialogs. Die Darsteller hatten nur über den Bildschirm und die Kopfhörer Kontakt zum Produktionsteam. Hier konnten wieder einmal junge, frische Gesichter zeigen, dass es nicht immer die Hollywood-A-Liste sein muss, um authentische Charaktere zu erschaffen.

Innovativ und Sehenswert

Trotz der wenig inspirierten Geschichte und einiger offensichtlicher Fehler ist Unknown User ein durchaus sehenswerter Film. Wer sich für innovative Filmtechnik interessiert, und eine andere Art der Filmproduktion sehen möchte, ist bei Unknown User genau richtig. Bei der Story gäbe es Verbesserungspotential, an der Umsetzung sowie an der schauspielerischen Leistung kann man aber nicht meckern.

Birgit Mühl

Birgit Mühl | Ressortleiterin Feuilleton

studiert Vergleichende Literaturwissenschaft und Publizistik- und Kommunikationswissenschaft

ist heillose Optimistin

liebt Beistriche und hasst den Ausdruck "Grammar-Nazi"

birgit.muehl (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

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