BÜCHERBÖRSE

Filmstart: Everest

Starbesetzter Streifen: "Everest", ab 17.9. nur im Kino (c) Universal Pictures
Starbesetzter Streifen: "Everest", ab 17.9. nur im Kino

Im Mai 1996 verunglückten am Mount Everest mehrere Menschen, die den Aufstieg gewagt hatten und dabei in einen Schneesturm gerieten. Der isländische Regisseur Baltasar Kormákur erzählt im 3D-Abenteuer-Spektakel Everest ihre Geschichte.

"Wir stehen nicht im Wettbewerb zueinander. Wir kämpfen nur gegen den Berg!"

Zur (wahren) Geschichte: Der höchste Berg der Welt ist zum Tourismusziel geworden. Hobby- und Amateurbergsteiger können sich von professionellen Guides bis zum Gipfel des 8.848 Meter hohen Kolosses führen lassen. Vom Schreiner bis zum Chirurg kann jeder mitmachen, sofern er das nötige Kleingeld besitzt. Rob Hall (Jason Clarke) ist einer der Anbieter dieser Touren. Er möchte vor der Geburt seines Kindes noch einmal eine Gruppe von Abenteuerlustigen auf den Gipfel der Welt geleiten, darunter den Briefträger Doug (John Hawkes) und denArzt Beck (Josh Brolin). Währenddessen wartet seine Frau Jan (Keira Knightley) im heimatlichen Neuseeland auf Robs Rückkehr. Doch Robs Team hat bei der Besteigung nicht nur mit den teilweise unerfahrenen Kletterern zu kämpfen, sondern auch mit den konkurrierenden Tour-Anbietern (u.a. Jake Gyllenhall), die alle zugleich ganz nach oben wollen. Außerdem braut sich im höchsten Gebirge des Planeten wortwörtlich ein Sturm zusammen.

Zähe Story und Hochglanzbilder

Oftmals sind die Geschichten, die das Leben schreibt, überhaupt nicht die schönsten. Im Falle von Everest ist die Geschichte eher tragisch und vor allem sehr linear. Eine Gruppe von Bergsteigern gerät am Mount Everest in einen Schneesturm und kämpft dort zwischen Frost und Wind ums Überleben. Einige sterben, einige leben. Fertig. Man kann dem Film hier keinen Vorwurf machen. Die Ereignisse der tatsächlichen Katastrophe sind dramatisch genug, ohne sie künstlich zu überhöhen, dennoch ist das Fehlen (fast) jedweden Hollywood-Kitsches augenfällig und ungewöhnlich. Soweit man das als Nicht-Bergsteiger beurteilen kann, wird der gesamte Aufstieg möglichst realitätsnah und unpathetisch wiedergegeben. Das ist zwar erfrischend, allerdings auch etwas ermüdend. Das liegt daran, dass die Story weitestgehend dadurch vorangetrieben wird, dass Menschen über Funk miteinander sprechen, während sie halb im Schnee vergraben liegen.

Die Atmosphäre und die Bilder des Gebirges sind hingegen atemberaubend. So wurde der Film teilweise vor Ort im Himalaya, sowie im Ötztal gedreht. Das merkt man. Man fühlt förmlich das Gewicht der Rucksäcke, die Kälte des Schnees und die dünne Luft ab 8.000 Metern. Menschen mit Höhenangst sollten eine Vorstellung des Films im IMAX-Kino meiden, denn wenn die Kletterer eine Schlucht nur per wackeliger Leiter überqueren, wird selbst dem größten Gebirgs-Enthusiasten flau im Magen werden.

Schauspieler in Schneeanzügen

Der Cast ist hochkarätig besetzt, neben den bereits genannten Mimen, geben sich außerdem noch Sam Worthington, Robin Penn und Emily Watson in teilweise sehr kleinen Rollen die Klinke in die Hand. Ein so exzellentes Ensemble ist zwar großartig, weniger großartig ist es aber, wenn man die Hälfte nicht erkennt. Gerade im zweiten Teil des Films, der inmitten eines Schneesturms spielt, sind die Bergsteiger kaum voneinander zu unterscheiden, da sie komplett in Schneeanzügen verpackt und mit Atemmasken vermummt sind. Wenn man sich also nicht gemerkt hat, welche Farbe der Schneeanzug von Jake Gyllenhalls Charakter hatte, weiß man minutenlang nicht, wo er sich gerade aufhält. In Todesgefahr oder bereits in Sicherheit?

Insgesamt kann Everest nur teilweise überzeugen. Die Story entwickelt sich etwas zäh, ist dafür aber "echt". Die Charaktere bleiben trotz ihrer hochwertigen Besetzung meistens recht eindimensional, was nicht dadurch gemindert wird, dass man sie streckenweise optisch kaum auseinanderhalten kann. Aufgewogen wird das jedoch durch eine grandiose Atmosphäre, monströs schöne Bilder des Berges aller Berge und exzellente On-Location Sets, die dem Film die notwendige Realitätsverankerung verleihen. Wenn hier im Studio gedreht wurde, dann sieht man es zumindest niemals.

Ein Film für Menschen ohne Höhenangst und für Menschen, die echte Geschichten gegenüber fiktiven Happy Endings bevorzugen.

Falls ihr das seid: Berg Heil und ab ins Kino!

Kinostart ist der 17. September

Andreas Müllauer

Redakteur seit 2013

studiert  Theater-, Film- und Medienwissenschaften

liebt Filme, Hunde & macht "irgendwas mit Medien"

Mail an Andreas.Muellauer(ät)unimag.at

 

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