BÜCHERBÖRSE

"Lampedusa im Winter": Behutsam & Aktuell

"Lampedusa im Winter": Behutsam & Aktuell (c) Finali Film & Wortschatz Produktion

Am Anfang steht ein Notruf: Flüchtlinge in Seenot. Trotz des dramatischen Beginns bleibt Lampedusa im Winter herrlich unplakativ. Regisseur Jakob Brossmann hat der italienischen Insel Lampedusa und ihren Einwohnern Zeit gegeben. Behutsam nähert er sich für seine Doku dem Eiland, dessen Namen für viele Menschen nur ein Synonym für das europäische Flüchtlingsproblem ist.

Ganze drei Winter nahmen Recherche und Dreh in Anspruch. Derart viel Zeit nehmen sich die wenigsten Kamerateams, die nach Flüchtlingstragödien wie ein Heuschreckenschwarm über Lampedusa herfallen, um das Leid der Flüchtlinge und das Entsetzen der traumatisierten Einwohner einzufangen. Brossmanns Film zeigt eine unbekannte Seite der Insel. So geraten auch ein Fischer-Streik, der Fußball-Klub, das Lokal-Radio ins Blickfeld der Kamera. Flüchtlinge sind ein Thema, klar.

Im Winter warten nur 25 Männer auf das Ende ihres ungewollt langen Aufenthalts auf der Insel, die eigentlich nur Zwischenstation auf ihrem Weg ins Herz von Europa sein sollte. Auch die Zeugen von Unglücken auf dem Meer kommen zu Wort und ärgern sich. Ärgern sich, dass die mediale Aufmerksamkeit immer erst dann erwacht, wenn Menschen zu Schaden gekommen sind.

Jakob Brossmann kam früher und blieb länger. Er zeigt: Das normale Leben existiert auf dieser Insel, abseits von den Flüchtlingen und gemeinsam mit ihnen. Gleichzeitig! "Lampedusa im Winter" als lebendiges Beispiel dafür, wie man parallel europäische und lokale Probleme angehen kann? Irgendwie schon. Denn was mit einem Notruf beginnt, endet hoffentlich immer mit einer Rettung. Das gilt besonders jetzt. Ö-Premiere feiert der Film auf der Viennale.

Film-Preview vor Kinostart hosted by this human world – Filmfestival der Menschenrechte am 05.11. im Wiener Votivkino. UNIMAG verlost 3x2 Tickets!

Andreas Müllauer

Redakteur seit 2013

studiert  Theater-, Film- und Medienwissenschaften

liebt Filme, Hunde & macht "irgendwas mit Medien"

Mail an Andreas.Muellauer(ät)unimag.at

 

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