BÜCHERBÖRSE

Filmstart: Der Marsianer - Rettet Mark Watney

Mark Watney ist allein auf dem Mars. (c) 2015 Twentieth Century Fox
Mark Watney ist allein auf dem Mars.

Nur, damit wir uns richtig verstehen: Dieser Film hat den deutschen Titel, den er trägt, nicht verdient. Wer auch immer auf die Idee gekommen ist, den Zusatz "Rettet Mark Watney" an die Übersetzung "Der Marsianer" des einfachen, englischen Titels „The Martian“, anzuhängen, hat nicht viel nachgedacht. Zur Zeit erleben wir im deutschsprachigen Raum etwas, das eigentlich seit den Anfängen des jetzigen Jahrhunderts langsam auszusterben schien. Noch ist es besser als in den 70ern des vorigen Jahrhunderts, als gefühlt jeder dritte Western den Namen Django beinhalten musste, damit er in Deutschland noch irgendwie auf der Erfolgswelle des Originals mitreiten konnte. Leider nimmt diese Tendenz gerade wieder zu. Ein markiger Spruch oder ein Wortspiel wie das unsägliche „Robowabohu“ bei „Baymax 6“, dann muss der Film gut laufen. Doch es sei nochmals gesagt: Liebe Filmverleihe, bitte unterlasst den unnötigen Zusatz von deutschen Filmtiteln. Wirklich. Das ist schrecklich.

Nun also zum Film. In naher Zukunft befindet sich eine bemannte Marsmission auf dem roten Planeten. Neben allerlei Forschungsarbeit flachsen sie ein wenig herum, als die Meldung eines nahenden Supersturms eintrifft. Ein Teil des Equipments lockert sich und Mark Watney (Matt Damon) wird weggeschleudert – unauffindbar und ohne ein Signal seines Anzugs. Schweren Herzens entscheidet sich Commander Lewis (Jessica Chastain), die Leiterin der Expedition, auf Raten ihrer Crewmitglieder ohne ihn in die Rakete zurückzukehren und sich selbst zu retten. Auf der Erde verbreitet die NASA nun die Nachricht des von allen geglaubte Ereignisses: Mark Watney ist auf dem Mars ums Leben gekommen. Doch da haben sie sich wohl ganz gewaltig geirrt...

Nach dem Erwachen Watneys nun fängt der Hauptteil des Films an. Der Astronaut hat nur ein Problem: Es gibt kein Wasser und es wächst nichts auf dem Planeten. Aber zum Glück ist er Botaniker: So schafft er es, aus seinen verbliebenen Nahrungsvorräten Kartoffeln anzubauen, auch wenn dieses Erfolgserlebnis von einigen Widrigkeiten begleitet ist. Da er nun sehr viel Zeit hat, fängt er an die Gegend zu erkunden. Und hierin liegen die Stärken des Films. Dank der 3D-Verfilmung wirkt die leere Ödnis unseres Nachbarplaneten überwältigend schön, man wird sich allerdings ebenso bewusst, dass es sich auf dem Mars um unwirtlichen Planeten handelt. Das realistisch gestaltete Setting vermag den Film blendend in Szene zu setzen, die Einsamkeit des Zurückgelassenen noch näher wirkend. Die Stärke des Films ist natürlich der fabelhafte Matt Damon, der alleine mehrere Millionen Kilometer von zuhause festsitzt.

Wer jetzt fürchtet, der Film könnte ob der erwähnten Einsamkeit langweilig werden, da sich hier ein zweites Cast Awayanbahnt, dem seien die Sorgen genommen. Einerseits führt Watney eine Art Videotagebuch, in dem er regelmäßig Erklärungen einbringt, gespickt mit viel Witz. Zum anderen findet ein beträchtlicher Teil des Films auf einem anderen Planeten statt – der Erde. Hier brilliert Dumm-und-Dümmer-Star Jeff Daniels als zwielichtiger NASA-Direktor, dem Watneys Leben eigentlich nicht so wichtig scheint, sorgt er sich doch mehr um das Image der amerikanischen Raumfahrtbehörde. Als weitere Mitarbeiter fungieren Kristen Wiig ("Das erstaunliche Leben des Walter Mitty"), Chiwetel Ejiofor ("12 Years a Slave"), Sean Bean ("Game Of Thrones"), Donald Glover ("The Lazarus Effect") und Mackenzie Davis ("What If"). Doch auch auf der Raumfähre, die sich auf dem Weg zurück zur Erde befindet, sind neben der wie auch Matt Damon in "Interstellar" aufgetretenen Jessica Chastain mit Michael Peña ("Gangster Squad") und House-of-Cards-Star Kate Mara weitere bekannte Gesichter. Mit dem Norweger Aksel Hennie ("Headhunters") und "Winter-Soldier" Sebastian Stan sind auch zwei junge, unbekanntere Schauspieler an Bord.

Fazit: „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ ist trotz seines nach ruchloser Geldmaschine klingenden Namens ein wirklich überragender Film, der auch für Menschen geeignet ist, die mit Science-Fiction nicht allzu viel anfangen können. Er bleibt bodenständig und hat auch keine überhöhte Ebene, wie sie beispielsweise in "Interstellar" vorkommt. Der Streifen spielt insgesamt weniger im Weltraum als erwartet, doch das tut ihm keinen Abbruch. Also: Vormerken und anschauen – es lohnt sich wirklich.

Der Film startet in Österreich am 9. Oktober 2015.

(c) 2015 Twentieth Century Fox

Jan Wälder


studiert eigentlich Publizistik- und Kommunikationswissenschaften, belegt aber gerne auch den ein oder anderen Skandinavistik-Kurs.

 

Log in or create an account

fb iconLog in with Facebook