BÜCHERBÖRSE

Filmstart: The Last Witch Hunter

Kaulder (Vin Diesel) ist ein unsterblicher Hexenjäger. (c) 2015 Concorde Filmverleih GmbH
Kaulder (Vin Diesel) ist ein unsterblicher Hexenjäger.

In meinem Freundeskreis gibt es viele Menschen, die Filme mit Vin Diesel verachten, einfach weil sie ihn nicht mögen. Das mag an seiner Eindimensionalität liegen, da die meisten seiner Rollen keine wirklich bahnbrechenden Unterschiede mit sich bringen oder an der Art seines Seins. Wahrscheinlich ist es für viele inzwischen ein Muss, ihm negativ gegenüberzustehen, genauso wie Nicolas Cage oder Adam Sandler. („*** ist einfach scheiße“). Was dabei oft vergessen wird ist, dass Vin Diesel ursprünglich als Filmemacher und ernsthafter Schauspieler begonnen hat. Sein Kurzfilm „Multi-Facial“ wurde sogar auf den Filmfestspielen in Cannes gefeiert. Ein weiterer Film, mit dem man in erster Linie nicht Vin Diesel in Verbindung setzt, ist „Der Soldat James Ryan“.

Mit „The Last Witch Hunter“ wiederum steht ein Film von Regisseur Breck Eisner („The Crazies“) in den Startlöchern, der eher Diesels Paraderolle als düsteren Helden in Anspruch nimmt. 800 Jahre alt ist Kaulder (Vin Diesel), und fast genauso lange ist er Hexenjäger. Er verteidigt die Menschheit gegen diese Kreaturen, die schon älter als die Menschheit selbst sind und in dieser eine Krankheit für die Natur sehen, da sie sie zerstören und am Ende nur noch zubetonierte Landschaften übrigbleiben. Mit der Hexenkönigin (Julie Engelbrecht) hat er eine Aufgabe zu bewältigen, die ihn am Ende selbst bedrohlich werden könnte…

Diese Aufgabe allein zu erledigen wäre aber zu viel des Guten, deswegen wurde Kaulder Rose Leslie („Game Of Thrones“) als Chloe zur Seite gestellt. Ebenso behilflich sind ihm seine kirchlichen Beschützer, die sogenannten Dolans, die jeher immer aufeinander folgen und ihm mit Rat und Tat beistehen. Diese werden dargestellt von Michael Caine und Elijah Wood. Durch diese durchaus überzeugend wirkende Armee an großen Schauspielern hätte der Film eigentlich das Potenzial für einen richtig guten Streifen, doch wird dieses Potenzial leider viel zu selten genutzt. Zudem stellt man sich die Frage, ob es wirklich angemessen ist, einen Film auf dem Rücken dieser barbarischen Verfolgung aus dem Mittelalter auszutragen. Dies wird zwar auch im Film thematisiert ("Salem was wrong!"), aber immerhin sind die Hexen hier Schuld an der Pest. 

Vin Diesel bleibt in seiner Rolle recht eingeschränkt, nur in den Szenen, welche in der Vergangenheit spielen, kommt er wirklich gut zum Zug. Mit Bart und dickem Fell beziehungsweise im Bauernhemd wirkt er viel natürlicher und echter als der in schön designten, auf alt getrimmten Klamotten auftretende Kaulder der Neuzeit. Ein stilistisch waschechter Reinfall ist Rose Leslies gute Hexe Chloe. In ihrem gothichaften Aufzug sieht sie leider aus wie ein 14-jähriges Dark-Fashion-Mädchen, dass zuviel bei Bijou Brigitte rumgehangen hat. Schauspielerisch füllt sie ihre Rolle recht gut aus, auch wenn es fraglich ist, ob man bei einer solchen Mission wirklich mit Stöckelschuhen herumlaufen und sich an Kaulders Schulter ausweinen muss. Michael Caine und Elijah Wood sind über alle Zweifel erhaben, auch wenn Wood erstaunlicherweise immer noch so jung aussieht wie Frodo, und das ist immerhin 15 Jahre her. Beim Hexenrat nimmt sich der Film selbst auf die Schippe, da auch hier die Kostüme selten extravagant anmuten. Das ist als Pluspunkt zu bewerten. Auf Seiten des Bösen gibt es die Hexenkönigin, welche die zierliche Julie Engelbrecht hervorragend spielt, obwohl sie komplett entstellt ist, sowie den mehrfachen isländischen Theaterpreisträger Ólafur Darri Ólafsson. Zweiterer lässt den Funken leider überhaupt nicht überspringen. Da hat er als besoffener Hubschrauberpilot in „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ um Welten glaubwürdiger gewirkt.

Die Geschichte an sich ist recht konsequent und genrekonform aufgezogen, das Ende kommt allerdings etwas zu schnell und uninspiriert daher, was dem Film leider eine sehr ärgerliche Note verpasst. Der große Vorteil sind die tollen Schauwerte, da man hier einige tolle Dinge präsentiert bekommt. Die CGI-Effekte werden größtenteils bedacht eingesetzt, erst gegen Ende werden sie etwas zu viel, aber damit war zu rechnen. Die Sets sind insgesamt klug ausgewählt und super gestaltet. Kaulder ist viel unterwegs und sieht so vieles, was der Zuschauer auch miterleben darf. Mit Bart ist Kaulder kaum wiederzuerkennen, daher ist es schade, dass er den in seinem ewigen Leben nicht behalten hat. Dieser hat den Vorteil, dass Diesel viel mehr mit den Augen und oberen Gesichtszügen arbeiten muss, was ihm erfreulicherweise gut gelingt. Trotzdem ist der Film nur für Diesel- oder explizite Fantasy-Fans zu empfehlen, da die angesprochene Diesel-Abneigung mit dem aufwändigen und settechnisch durchaus innovativen „The Last Witch Hunter“ eher nicht zu besiegen ist, auch das Ende des Films lässt ihn wie gesagt nicht besser aussehen. Schade, da hätte mehr draus werden können.

© 2015 Concorde Filmverleih GmbH

Jan Wälder


studiert eigentlich Publizistik- und Kommunikationswissenschaften, belegt aber gerne auch den ein oder anderen Skandinavistik-Kurs.

 

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