BÜCHERBÖRSE

Filmstart: James Bond – Spectre

Der 24. Bond - ab sofort im Kino
Der 24. Bond - ab sofort im Kino

Nach dem großen Erfolg von Skyfall vor drei Jahren, erwarteten die Fans der Bondreihe sehnlichst die Fortsetzung. Das große Einspielergebnis von 1,1 Milliarden Dollar verschaffte Spectre ein Budget von 300 Millionen Dollar. Diese Unsumme sieht man dem Film zweifellos an und ab 5. November kommt der 24. Bond hierzulande in die Kinos. Mit 147 Minuten ist er außerdem der längste Film der Reihe.

Zu Beginn verschlägt es Bond (Daniel Craig) auf eine nicht-autorisierte Mission nach Mexiko, wo gerade der Dia de los Muertos (Tag der Toten) gefeiert wird. Die Zielpersonen wollen ein Stadion in die Luft sprengen, was unser MI6 Agent natürlich zu verhindern weiß. Leider geht die Eliminierung nicht ohne Probleme über die Bühne und anstatt nur die Terroristen vom gegenüberliegenden Gebäude zu töten, explodiert die Bombe und das komplette Gebäude stürzt ein. Vor Ort befand sich außerdem Sciarra (Alessandro Cremona), ein weltweit gesuchter Verbrecher, den Bond nach einer wirklich großartigen Verfolgungsjagd tötet. Aufgrund des medialen Aufsehens sieht sich M (Ralph Fiennes) gezwungen, Bond bis auf weiteres zu suspendieren. Doch dies ist nur das geringste Problem, denn ein neues totalitäres Überwachungssystem soll die 00 Agenten in den Ruhestand schicken. Unbekümmert setzt Bond seine eigene Mission fort und sucht die Tochter von Sciarra in Rom bei dessen Beerdigung auf. Sie soll ihn näher an die geheime Organisation Spectre bringen, doch deren Boss, Franz Oberhauser/Blofeld (Christoph Waltz), erwartet ihn bereits. Fest entschlossen, sich durch das neue Überwachungssystem der Kontrolle der gesamten Welt zu bemächtigen, beginnt das Katz und Maus Spiel zwischen Blofeld und Bond.

Kritik

Die ersten Minuten des Films, vor allem während des Festes zu Ehren der Toten, sind großartig in Szene gesetzt, wobei die Helikopterszene, für meinen Geschmack, ein paar Loopings zu viel hatte. Bei der Action wurde ordentlich geklotzt, teure Autos, Flugzeuge, eine gelungene Zug Sequenz, sowie stimmungsvolle Schauplätze waren Teil des Programms, letzten Endes mangelte es jedoch an einer überzeugenden Inszenierung.

Bereits nach der ersten halben Stunde verliert der Film an Schwung. Die für einen Bond-Film obligatorische Autoverfolgungsjagd konnte keine richtige Spannung aufbauen. Wie denn auch, wenn der Verfolger unbewaffnet ist und Bond im geklauten Aston Martin vergessen hat, die Bordkanone zu laden. Für mich stellte sich die Frage, warum unser Held so panisch davonfuhr. Hatte er Angst um den Autolack?

Spätere Action-Szenen waren ebenfalls nicht gerade temporeich. Teilweise hätte man ein paar Sekunden wegschneiden können, dann hätte es zumindest einen kleinen Schreckmoment vor einer Kollision gegeben.

Von der Stimmung her ist Spectre ziemlich düster angehaucht, teilweise nahezu farblos und driftet, was natürlich unter anderem der österreichischen Schneelandschaft geschuldet ist, an manchen Stellen knapp am Schwarzweiß vorbei. Das kann bei schwermütigen Filmen die Dramatik unterstützen, für einen Bond hätte etwas mehr Farbe aber nicht geschadet.

Die Beziehung zu Moneypenny (Naomie Harris) wirkte überzeugend und der Humor von Q (Ben Whishaw) passt gut zur Rolle. Bond selbst versprüht jedoch keinen klassischen Charme, sondern machte auf mich einen etwas arroganten Eindruck, da er auf die Höflichkeitsformen eines britischen Gentlemans verzichtet und eher versucht cool auszusehen. Dave Batista als Blofelds Handlanger, besser bekannt unter dem Namen Mister Hinx, ist der perfekte Killer und spielt seine Rolle vorzüglich. Er ist Bond körperlich weit überlegen und im Zweikampf würde er definitiv triumphieren. Zum Glück bekommt Batista genug Zeit auf der Leinwand, denn er war für mich eines der Highlights.

Umgekehrt verhält es sich mit Blofeld. Christoph Waltz liefert sein bekanntes Rollenbild ab, welches man seit Inglorious Basterds kennt, bekommt jedoch viel zu wenig Präsenz, um als Bösewicht seine Wirkung richtig zu entfalten. Ein unüberlegter Plan und fadenscheinige Beweggründe machen ihn mehr zum Clown, als zum Superschurken.

Léa Seydoux spielt ein grandioses Bond-Girl, an manchen Stellen muss man bei den Reaktionen ihrer Figur jedoch etwas die Stirn runzeln. Die allgemeine schauspielerische Leistung ist jedoch sehr gut und lässt nichts zu wünschen übrig. Gerade die Anfangssequenz in Mexiko, bei der eine Menge Statisten herumlaufen und mit langen Kamerafahrten gedreht wurde, zeigt die Stärken von Regisseur Sam Mendes.

Mit einer totalitären Überwachung wollte man eine zeitgemäße Bedrohung erzeugen, schafft es jedoch nicht, dem Zuschauer diese Gefahr visuell begreiflich zu machen. Das nimmt dem Film einiges an Spannung, da kein Gefühl für die brenzlige Situation aufkommt. Kino ist nun mal ein visuelles Medium, den totalitären Überwachungsstaat dabei zu vermitteln ging hier gehörig schief.

Alles in allem kann Spectre durchaus unterhalten, den großen Blockbuster wie Skyfall darf man leider nicht erwarten. Für Fans von 007 ist der Film sowieso ein Muss, allen anderen kann ich nur raten, sich vom Trailer nicht in die Irre führen zu lassen, wobei die Action an manchen Stellen durchaus gelungen ist. Als Film für zwischendurch funktioniert er aufgrund der langen Spielzeit ebenfalls nicht so gut, wollt ihr ihn trotzdem sehn, wartet lieber auf die Blu-ray.

 

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