BÜCHERBÖRSE

Filmstart: The Gift

Mit Joel Edgertons "The Gift" startet am 26. November ein Film in den Kinos, der bisher vorallem dadurch aufgefallen ist, über alle Maßen hochgelobt zu werden. Um es vorab zu sagen: Vollkommen zu Recht. Edgerton, als Schauspieler bekannt aus Star Wars: Episode I – III, Black Mass oder als Ramses aus Exodus: Gods and Kings, hat mit seinem Regiedebüt einen Volltreffer gelandet und einen langsam, aber stetig in den Wahnsinn abgleitenden Psychothriller der besonderen Art geschaffen.

Es fängt alles damit an, dass Simon (Jason Bateman; Juno) und Robyn Cullom (Rebecca Hall; The Prestige) in die Nähe von Simons Heimatort in Kalifornien ziehen. Während sie nun in der Stadt unterwegs sind, um die bei einem Umzug anfälligen Besorgungen zu machen, treffen sie einen alten Weggefährten Simons, einen gewissen "Gordo" (Joel Edgerton). Sie verabreden sich und man ahnt noch nicht, wohin die Reise führt. Nach und nach gräbt der Film in der Vergangenheit der drei Hauptprotagonisten und lässt so bei allen dreien Geheimnisse zu Tage treten, die man nicht erwartet hätte. Was die Sympathiewerte für die verschiedenen Figuren angeht, lässt sich der Film auf viele kleine Spielchen ein, die es für den Zuschauer erst richtig spannend und unangenehm machen. Man kann sich nicht so recht darauf verlassen, den gewohnten Filmabläufen zu vertrauen, da durch verschiedene, nicht zu abstrakte und sehr glaubwürdige Wendungen immer dann eine neu zu bewertende Situation eintritt, wenn man sich gerade mit der jetzigen angefreundet hat.

Schauspielerische Leistung

Vom schauspielerischen Standpunkt aus sind alle drei Darsteller hervorragend. Bateman läuft erst mit der Zeit so richtig warm, ist dafür am Ende umso hervorragender anzuschauen, da er es schafft, den Wandel seiner Figur so glaubhaft darzustellen, dass man sich regelrecht vor ihm fürchtet. Einen Tick besser ist Rebecca Hall, die wiederum die undankbare Aufgabe hat, eine aus verschiedenen Gründen von zuhause aus arbeitende Ehefrau zu spielen. Trotz der eingeschränkten Möglichkeiten und der ein wenig naiv anmutenden Charakterzeichnung ist auch ihre Figur nicht unrealistisch. Auch Robyn hat nämlich ihre Gründe, eben genau in jener Phase ihres Lebens zu sein, in der sie sich befindet. Abgesehen von diesen beiden ist es allen voran der Regisseur höchstselbst, der dem etwas in der Zeit stehengebliebenen Gordo Leben einhaucht. Nicht wiederzuerkennen mimt er den Gegenpart zu den Culloms überaus erfrischend und inspirierend, ohne dabei aufgesetzt oder gekünstelt zu wirken. Auch er schafft es zu verstehen, warum die Dinge im Film so laufen, wie sie es eben tun. Aber auch er läuft erst in der letzten halben Stunde des Films richtig heiß, um den Zuschauer und seine Sympathien wie eine Nussschale in den Wellen umherzuschleudern.

Fazit

"The Gift" ist ein im Kinojahr 2015 herausragender Film, der es tatsächlich wert ist, mehr als einmal geschaut zu werden. Durch die starken Darsteller und die vorzügliche Regiearbeit Edgertons ist der Film uneingeschränkt zu empfehlen – sofern man nicht gerade Lust auf eine Komödie hat.

Jan Wälder


studiert eigentlich Publizistik- und Kommunikationswissenschaften, belegt aber gerne auch den ein oder anderen Skandinavistik-Kurs.

 

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