BÜCHERBÖRSE

Filmstart: Independence Day: Wiederkehr

Independence Day: Wiederkehr © 2016 Twentieth Century Fox
Independence Day: Wiederkehr

Mit Independence Day: Wiederkehr entsendet der schwäbische Hollywood Export Roland Emmerich eine zweite Welle extraterrestrischer Invasoren, um uns Menschen nach dem ersten Angriff vor zwanzig Jahren endgültig den Gar aus zu machen. Emmerich versucht mit der Fortsetzung an den Erfolg des Kino-Krachers anzuknüpfen, der Mitte der Neunziger Jahre Kinogänger als astreiner „Popcorn-Film“ in die Lichtspielhäuser lockte und nebenbei Hauptdarsteller Will Smith endgültig in den Olymp der großen Darsteller katapultierte. Leider hat der neue Aufguss recht wenig mit dem harmlosen Popcorn-Film-Fun des Erstlings gemeinsam. Vielmehr leidet der Streifen unter klassischen Emmerich Schwächen und einem besorgniserregenden Hollywood Trend.

Die Welt geht unter - schon wieder

Er hat es also schon wieder getan. Nachdem er die Erde mit Eis überzogen (The Day After Tomorrow), den Planeten mit einer umfassenden Apokalypse umgekrempelt (2012) und eine Riesen-Eidechse auf die Menschheit losgelassen hat (Godzilla), schickt sich Regisseur Roland Emmering erneut an, unsere Rasse an den Rand der Vernichtung zu bringen – natürlich nur im Film, versteht sich. Dabei gilt: „Größer ist besser!“ – und so hat auch das Mutterschiff der Alien-Invasoren direkt die Größe des Merkurs, der Cast des Originalfilms wird durch zahlreiche weitere Charaktere aufgestockt und es werden noch mehr ikonische Denkmäler der menschlichen Rasse von außerirdischen Angriffen pulverisiert.

Zu den Rückkehrern aus dem ersten Film (Jeff Goldblum, Bill Pullman, Vivica A. Fox) gesellen sich neue Darsteller in neuen Rollen (Liam Hemsworth, Jessie Usher) oder in alten Rollen (Maika Monroe ersetzt Mae Whitman als Präsidententochter). Will Smith taucht übrigens nur in Gemäldeform auf, sein Charakter verstarb in der Zeit zwischen den Filmen. Zu teuer sei er gewesen, sagen die Produzenten. Vielleicht hat er auch einfach das Drehbuch gelesen und sich darüber erhaben gefühlt. Egal was stimmt, gut für ihn. Sein Filmsohn (Usher) kann die charismatische Präsenz Smiths jedenfalls nicht reproduzieren, sondern wirkt stets nur wie eine müde Kopie des Hollywood Stars. Die meisten Darsteller laufen ohnehin auf Auto-Pilot, lediglich Jeff Goldblum scheint sich über seine Anwesenheit in einem Blockbuster zu freuen und agiert wohlig im sinnfreien Raum.

Wer sich einen Roland Emmerich Film anschaut, sollte sich im Vorfeld bewusst sein, dass die Gesetze der Logik und der Physik in seinen Machwerken selten greifen. Spektakel schlägt Sinn, das war schon immer die Devise des Deutschen. Leider gesellen sich zu den klischee-triefenden Charaktermomenten und den überladenen CGI-Schlachten auch noch eklatante Scriptmängel, die auch fünf (!) Drehbuchautoren nicht ausmerzen konnten. Natürlich ist es visuell beeindruckend, wenn London von außerirdischen Kräften in Schutt und Asche gelegt wird, aber wenn die Filmfiguren dabei nur Blödsinn erzählen und nichts mehr mit echten Menschen gemeinsam haben – who cares? Emmerich hat versucht seinen Ruf als Verfechter von hirnlosen aber spaßigen Materialschlachten anzunehmen, verheddert sich dabei aber in einer Mischung aus pathetischen „We can do it!“-Dialogen und deplatziertem Humor. Dabei ist er sich auch nicht zu schade tief in die Mottenkiste der Filmklischees zu greifen: „Bestürzung im Kinosaal wegen der Millionen von Toten, nach der ersten Alien-Angriffswelle? Aber seht her, wir haben dieses Baby gerettet, also könnt ihr Zuschauer euch wieder wohl fühlen, oder?“ – Nein.

Schlappe für Emmerich - Botschaft an Hollywood?

Letztendlich bleibt Independence Day: Wiederkehr ein Emmerich-Film im Quadrat. Beeindruckende Special Effects und teilweise ansprechende Action, gepaart mit ärgerlich schlechtem Drehbuch und ebenso dünnen (und oftmals nervigen) Charakteren sowie einer Story, die so gerne episch wäre, aber stattdessen sattsam bekannt und vorhersehbar ist. Dabei bedient sich der Film auch noch dreist bei besseren Genre-Kollegen wie Aliens, Star Wars oder seinem eigenen Vorgängerfilm.

Da das moderne Kino kaum noch Neues kennt und sich Fortsetzungen und Franchisefilme im Sommergeschäft regelmäßig die Klinke in die Hand geben, ist ein Aufguss eines 20 Jahre alten Blockbusters keine Überraschung mehr. Jurrassic World hatte zuletzt eindrucksvoll bewiesen, dass man mit beliebtem Quellmaterial auch heute noch das weltweite Box-Office durchrütteln kann.

Der neue Independence Day versagt aber auf multiplen Ebenen und ist ein Symptom für ein schleichendes Problem in der Traumfabrik, was sich auch an den enttäuschenden ersten Einspielergebnissen in den Vereinigten Staaten zeigt: Die Menschen schauen in Zeiten der medialen Reizüberflutung nicht wahllos alles, was teuer und nach Blockbuster aussieht. Die Menschen wollen gute Filme sehen und solange Hollywood halbgare Wiederaufnahmen ihrer alten „Greatest Hits“ wieder und wieder in die Kinos bringt, werden diese Filme versagen. Vor allem, weil in der nächsten Kinowoche der nächste filmische Konkurrent wartet.

In diesem Sinne, spart euch das Ticket und wartet auf einen guten Sommerfilm. Oder denkt über die wichtigste Frage nach: Woher nehmen die Aliens das großartige Timing immer am 4. Juli zu attackieren?

Andreas Müllauer

Redakteur seit 2013

studiert  Theater-, Film- und Medienwissenschaften

liebt Filme, Hunde & macht "irgendwas mit Medien"

Mail an Andreas.Muellauer(ät)unimag.at

 

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