BÜCHERBÖRSE

Filmstart: Star Trek Beyond

Star Trek Beyond © Paramount Pictures
Star Trek Beyond

Trekkies jubeln, denn Star Trek trekkt wieder. Nachdem J.J. Abrams dem Franchise rund um das Raumschiff Enterprise und interstellare Erkundungen neues Leben eingehaucht hatte, nimmt nun Justin Lin (Fast & Furious 3-6) für Star Trek Beyond auf dem Regiestuhl Platz. Dabei schafft der den Spagat zwischen modernen Action-Kino und nostalgischer Weltraumreise, ohne Neulinge zu verschrecken oder Hardcore-Fans zu verärgern.

"Captain, wir sinken!"

Zur Story: James T. Kirk (Chris Pine) hadert mit seiner Rolle als Kapitän in der Sternenflotte. Dröge diplomatische Missionen im endlosen Weltraum lassen ihn am Sinn seiner Arbeit und seiner Rolle im Universum zweifeln. Eigentlich möchte er auf einen wichtigeren Admiralsposten ohne Raumschiffkommando wechseln – aber als ein außerirdisches Forschungsteam in einem fremden Nebel als verschollen gilt, unternimmt er mit der Enterprise und seiner Crew einen Rettungsversuch. Dabei sind natürlich Halb-Vulkanier Spock (Zachary Quinto), Schiffsarzt „Pille“ McCoy (Karl Urban) und Ingenieur Scotty (Simon Pegg, ebenfalls für das Drehbuch verantwortlich), sowie Offizierin Uhura (Zoe Saldana), Pilot Sulu (John Cho) und Chekov (die letzte Rolle von Anton Yelchin). Dabei gerät die Enterprise in einen Hinterhalt von Krall (Idris Elba) und havariert auf einem unbekannten Planeten, abgeschnitten von jeder Kommunikation und Zivilisation. Kirk muss seine verstreute Crew zusammensuchen und sich (mit neuen Verbündeten) dem übermächtigen Feind stellen.

"Beam me up, Scotty!"

Während die ersten beiden Filme der Star Trek Reboot-Reihe vornehmlich als Action-Filme angesiedelt im Star Trek Universum (mehr oder weniger) funktionierten, orientiert sich Star Trek Beyond an der ursprünglichen Serie aus den Sechzigern. Dabei steht die „final frontier“ im Vordergrund, das empirische und diplomatische Streben in die Weiten des Weltalls, welches in den Vorgängerfilmen eher vernachlässigt wurde, aber ein Markenzeichen der ursprünglichen TV-Serie war. Indem Justin Lin die Enterprise in der ersten halben Stunde des Films in vollendeter destruktiver Kino-Kunst in ihre Einzelteile zerlegt, lässt er die Protagonisten gemeinsam mit dem Publikum auf dem fremden Planeten stranden und baut gleichzeitig den Gegenspieler Krall als echte Bedrohung auf. So fängt er durch die Fremdheit des Himmelskörpers und dessen Erkundung durch die Enterprise-Crew den Geist und die Seele der Serie und mancher älterer Star Trek Filme ein, ohne Action-Liebhaber zu verprellen. Denn Action gibt es massig. Neben dem originären Enterprise-Absturz kommen allerlei Arten von Lasern, Fußtritten und Kanonen zum Einsatz, sogar ein Dirt-Bike hat einen prägnanten Auftritt. Lin platziert die Kamera virtuos an allen möglichen und unmöglichen Orten (CGI sei Dank!), um die Dynamik der Action einzufangen, während der Soundtrack von Michael Giacchino monströse Fanfaren ausstößt. Apropos Soundtrack: Gerade die Beastie Boys – im ersten Trailer zum Film noch als unpassend verschrien – spielen mit ihrem Song „Sabotage“ eine überraschende und passende Rolle.

"Faszinierend."

Der Cast gibt rundherum eine famose Figur ab, vor allem Chris Pine wechselt mittlerweile wonnig zwischen Shatner’schem Pathos und moderner Durchsetzungsfähigkeit hin und her und überzeugt vollends in der ikonischen Rolle des heroischen Weltraumkapitäns. Auch Spock und McCoy alias Quinto und Urban sorgen auf ihrem kleinen Side-Quest für allerlei Lacher und überzeugen mit guter Chemie. Die Lacher sind mitunter das Werk des Briten Simon Pegg, Darsteller des schottischen Scotty und selbst massiver Trekkie. Zusammen mit Doug Jung zeichnet er sich für das Drehbuch verantwortlich, hat sich viele der besten Gags selbst auf den Leib geschrieben und balanciert gekonnt eine adäquat epische Geschichte („Das Universum ist in Gefahr!“) mit galant geerdetem Humor (Protestierende Crew-Mitglieder werden kurzerhand mitten in der Diskussion aus dem Schiff gebeamt.) Großer Pluspunkt des Ensembles: Jeder Darsteller und jede Darstellerin bekommt einen kleinen Moment, um die eigene Wichtigkeit unter Beweis zu stellen. Die Last der Handlung wird auf den Schultern der Crew verteilt und mit Idris Elba als Krall bekommt man im dritten Anlauf tatsächlich einen ehrfurchtsamen Gegenspieler, den man nicht unbedingt nach Verlassen des Kinosaals vergessen hat. Auch Sofia Boutella überzeugt als Cast-Ergänzung Jaylah, eine ebenfalls gestrandete Alien-Kriegerin.

Insgesamt ist Justin Lin mit Star Trek Beyond ein überzeugender Sommer-Blockbuster gelungen, mit genug Herz & Hirn, um nicht als stupide zu gelten, aber gleichzeitig zugänglich für alle Kinogänger und Trekkies. Dabei schafft der Regisseur den schwierigen Balance-Akt zwischen Epik und Komik. Star Trek Beyond versprüht durchweg den Charme einer guten alten Star Trek Episode, während der Film gleichzeitig mitreißendes Hollywood Action Kino bietet. Das erste wirkliche Lebenszeichen eines Blockbusters, in einem bisher mauen Kinosommer.

In diesem Sinne und mit Spocks Worten: "Faszinierend."

Andreas Müllauer

Redakteur seit 2013

studiert  Theater-, Film- und Medienwissenschaften

liebt Filme, Hunde & macht "irgendwas mit Medien"

Mail an Andreas.Muellauer(ät)unimag.at

 

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