BÜCHERBÖRSE

Filmstart: Ghostbusters

Ghostbusters © Sony Pictures Releasing GmbH
Ghostbusters

Selten hat ein Film vor seiner Veröffentlichung derart viel Aufregung erzeugt wie Kevin Feiges Ghostbusters, ein Reboot des gleichnamigen Klassikers, welcher in den Achtzigern vier selbsternannte Geisterjäger gegen die schleimig-schaurige Bedrohung New Yorks ins Feld führte. Der Start der Marketing-Kampagne war, freundlich ausgedrückt, holprig: Der erste Trailer zur 2016 Version hat mehr "thumbs down" auf YouTube gesammelt, als jede andere Filmvorschau auf der Plattform. Die Besetzung der Hauptrollen mit vier Frauen wurde im Vorfeld harsch kritisiert, von billigem Marketing-Gag bis hin zu "feministischer Propaganda" war die Rede. Ein Großteil der Netzgemeinde wähnte das beliebte Franchise dem Untergrund geweiht, sollte das bereits im Vorfeld verhasste Reboot tatsächlich in die Kinos kommen. Am 4. August ist es dann auch in Österreich soweit und es lässt sich festhalten: Wozu die ganze Aufregung?

Who you gonna call?

Der neue Ghostbusters entwickelt zwar nicht den Charme des Originals, überzeugt aber durch gut aufgelegte Darstellerinnen, einige interessante Einfälle sowie zwei starke Akte zu Beginn, die das Effekt überladene Finale durchaus abzufedern wissen. 

Zur Story: Teilchenphysikerin Erin Gilbert (Kristen Wiig) steht kurz vor dem großen Wurf ihrer akademischen Karriere, als plötzlich ein Buch auftaucht, das sie in ihrer Jugend mit Freundin und Kollegin Abby Yates (Melissa McCarthy) verfasst hatte und das sich mit dem Paranormalen beschäftigt. Besorgt um ihre berufliche Zukunft sucht sie Abby und deren neue wissenschaftliche Partnerin Jillian Holtzmann (Kate McKinnon) auf, um das Buch vom Markt nehmen zu lassen. Dabei kommt das zunächst unfreiwillige Team zusammen mit U-Bahn Mitarbeiterin Patty Tolan (Leslie Jones) einem paranormalen Phänomen in New York auf die Spur, welches alles übersteigt was sie sich im Bezug auf Geister vorstellen konnten. Es wir Zeit die Protonen-Rucksacke zu schultern, die Overalls überzustreifen, um der untoten Bedrohung Herr zu werden.

Ghostbusterinnen? Kein Gender-Gimmick.

Auch im Jahr 2016 hat sich die Prämisse der Ghostbusters kaum verändert: Gut, die Geistesjäger sind jetzt Geisterjägerinnen, aber Regisseur Kevin Feige hat sich, dem Shitstorm zum Trotz, nicht darauf beschränkt die Neuauflage zum bloßen Gender-Gimmick verkommen zu lassen. Genau wie der Cast des Originals speisen sich die vier Hauptdarstellerinnen aus dem komödiantischen Kreis der amerikanischen Show "Saturday Night Life". Hier wurde also nicht besetzt wer zur Zeit gerade „heiß und angesagt ist“, sondern tatsächlich vier Frauen, die einfach wirklich witzig sind. Das sind sie auch in Ghostbusters, wobei nicht alle vollends zur Geltung kommen. 

Kristen Wiig und Melissa McCarthy harmonieren famos als wiedervereinigtes Wissenschaftlerteam und schmeißen sich die Gags wie Tennisbälle zu. Ihre Figuren sind auch die einzigen, denen der Film so etwas wie eine Hintergrundgeschichte angedeihen lässt. Obwohl sie auch ihre witzigen Momente haben, kommen die beiden anderen Geisterjägerinnen nie über ihre comichafte Charakterisierung hinaus: McKinnon gibt die durchgeknallte paranormale Fallenstellerin durchaus mit Wonne, während Leslie Jones als "normale" Frau von der Straße viel herumbrüllen darf. Dennoch fühlen sich beide nie an wie echte Menschen. Dass man sich dazu entschieden hat die schwarze Hauptfigur als einzige ohne Doktortitel zu belassen, darf man darüber hinaus als etwas ungeschickt bezeichnen. Unerwartete Lacher erntet hingegen Chris Hemsworth als optisch ansprechender aber strunzdummer Sekretär des neuen Ghostbusters Büro. Anders als in seiner Paraderolle als Thor, darf der älteste Hemsworth Bruder hier seine komödiantische Seite ausspielen und sorgt in seinen Szenen mitunter für das lauteste Gelächter. 

Die Handlung ist ziemlich zu vernachlässigen. Weder Gegenspieler noch Plot-Twists sind wirklich von Belang, vornehmlich hangelt sich der Film von Witz zu Witz, was für lange Zeit auch recht ordentlich funktioniert. Leider geht dem Ghostbusters Reboot nach zwei sehr vergnüglichen Dritteln merklich der Dampf aus und endet in einem überladenen und weitestgehend gagbefreitem Action-Finale voller CGI, welches sich dennoch arg nach Kopie des Originalfilms anfühlt.

Nichtsdestotrotz ist der neue Ghostbusters ein witziger Film, der mitnichten die massive Ablehnung im Vorfeld verdient hat. Natürlich ist er aufgrund der bekannten Marke ein klassischer "Hollywood-Cash-Grab", aber wenigstens ein weitestgehend unterhaltsamer.

Andreas Müllauer

Redakteur seit 2013

studiert  Theater-, Film- und Medienwissenschaften

liebt Filme, Hunde & macht "irgendwas mit Medien"

Mail an Andreas.Muellauer(ät)unimag.at

 

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