BÜCHERBÖRSE

Filmstart: Doctor Strange

Doctor Strange © Walt Disney Studios Motion Pictures Germany
Doctor Strange

Marvel goes Magic. Mit Doctor Strange kommt mittlerweile der 14. (!) Film innerhalb des Marvel Cinematic Universe in die heimischen Lichtspielhäuser. Während die bisherigen Einwohner dieses filmischen Kosmos' ihre Superheldenkräfte hauptsächlich der Wissenschaft (Iron Man, Captain America, Hulk), außerirdischer Technologie (Thor, Scarlet Witch) oder militärischer Ausbildung (Black Window, Hawk Eye, Falcon) zu verdanken hatten, wandelt Benedict Cumberbatch alias Stephen Strange eher auf Harry Potters mystischen Pfaden - Zauberstab nicht inbegriffen.

Zur Story: Der titelgebende Dr. Strange ist tatsächlich ein Doktor und noch dazu ein exzellenter. Nachdem der gefeierte, aber arrogante Neuro-Chirurg infolge eines Unfalls nicht mehr operieren kann, macht er sich auf die Suche nach einer Heilung für seine malträtierten Hände. Während seiner Reisen trifft er auf die „Ancient One“ (Tilda Swinton), die ihm die Tür zu den mystischen Künsten aufstößt. Unterstützt wird er in seiner Ausbildung zum Super-Magier von seinen Zauberer-Kollegen Karl Mordo (Chiwetel Ejiofor) und Wong (Benedict Wong), während der mysteriöse Kaecilius (Mads Mikkelsen) versucht den Orden der Mystiker zu zerschlagen.

Das Marvel Franchise stellt mittlerweile das erfolgreichste seiner Art dar und dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass sich beim zigsten Ausflug in die bunte Comic-Welt kleine Déjà-vus einschleichen. So erinnert die Herkunftsgeschichte von Dr. Strange frappierend an diejenige des geläuterten Tony Stark aus Iron Man, auch das Gebaren und die Gesichtsbehaarung der beiden ähneln sich auffällig. Wird hier der neue Anführer der Avengers herangezogen?

Dr. Strange ist cineastisches und leckeres Fast-Food

Regisseur und Horror-Veteran Scott Derickson (Sinister 1&2, Devil’s Knot) bemüht zunächst Altbewährtes. Die Reise des gefallenen Helden der Medizin hin zum magischen Super-Protagonisten verläuft relativ vorhersehbar und wer einmal einen Marvel-Film gesehen hat, der wird hier nichts Überraschendes vorfinden. Der gesunde Marvel-Mix aus Action, Humor und Charakter-Entwicklung geht beim vierzehnten Mal halt wie von selbst von der Hand. Innovativ wird Dr. Strange als Film und Figur erst, wenn es an die Mehrdimensionalität geht. Denn so haben die Magier dieser Marvel-Welt die Möglichkeit, die Realität zu biegen, zu verändern und verschiedene Dimensionen zu bereisen. So falten sich Wolkenkratzer Inception-Style ineinander, die Titelfigur stürzt minutenlang durch sich verschiebende Paralleluniversen oder eine Action Szene spielt sich rückwärts ab. Das sieht vor allem in 3D famos aus und gerade hier schöpft der Film das komplette Potential der psychedelischen Hauptfigur aus, die mehr als passabel von Superstar Benedict Cumberbatch verkörpert wird. Der souveräne Mime erreicht aber als magischer Ruinenbeschwörer niemals die enigmatische Anziehungskraft, wie es beispielsweise seine Sherlock Holmes Interpretation getan hat. Den BewunderInnen wird es wurscht sein. 

Letztendlich bleibt Dr. Strange ein erster, halbwegs mutiger Vorstoß des Marvel-Franchise in unbekannte Sphären. Der Faktor Magie ist neu und aufregend in dieser Superheldenwelt, letztendlich klammert sich der Film dann doch ein bisschen zu sehr an altbekannte Erzählmuster, um wirklich großartig zu sein.

Dr. Strange ist cineastisches und leckeres Fast-Food. Ein wirklich guter Film-Burger mit Post-Credit Szene, aber immer nur Burger essen möchte man dann doch nicht - vor allem nicht im Kino. 

Ab 27. Oktober nur im Kino.

Andreas Müllauer

Redakteur seit 2013

studiert  Theater-, Film- und Medienwissenschaften

liebt Filme, Hunde & macht "irgendwas mit Medien"

Mail an Andreas.Muellauer(ät)unimag.at

 

Log in or create an account

fb iconLog in with Facebook