BÜCHERBÖRSE

Filmstart: Split

Ab 26. Jänner nur im Kino: Split (c) Universal Pictures International
Ab 26. Jänner nur im Kino: Split

"Der Mensch nutzt nur etwa 10 Prozent seiner Gehirnkapazität" – eine Behauptung, die ebenso bekannt wie falsch ist. Dennoch hat Hollywood in der Vergangenheit mehrere Filme auf uns losgelassen, die eben genau in diese Kerbe schlagen. Während Bradley Cooper in Ohne Limit sein Gehirn mittels Pillen auf Touren brachte, transzendierte Scarlett Johansson in Lucy durch unfreiwilligen Drogenüberschuss zum neuralen-Superwesen. In Split, dem neuesten Thriller von M. Night Shyamalan, drängeln sich 23 Persönlichkeiten im ausgefüllten Schädel von James McAvoy. So sieht dann wohl Gehirn-Überbelegung aus.

M. Night Shyamalans Comeback?

Nachdem die Filme Shyamalans in den letzten Jahren eher stets einen Sturzflug bei Kritikern und Kinokassen hinlegten, konnte man vom Regisseur von Perlen wie The Sixth Sense oder Unbreakable auch heuer nicht viel erwarten – obgleich sein letztjähriger Film The Visit zumindest zart in Richtung künstlerisches Comeback deutete. Überraschenderweise hat sich der indisch-amerikanische Filmemacher sprichwörtlich selbst am Schopf aus dem Sumpf gezogen und mit Split einen fesselnden, wendungsreichen und intelligenten Thriller aus seinem Hut gezogen.

Zur Story: Drei Mädchen im Teenageralter werden von einem geheimnisvollen Mann entführt, der sich nach kurzer Zeit als Patient (McAvoy) mit dissoziativer Identitätsstörung entpuppt. Während die Gefangenen versuchen ihrem Kerker zu entfliehen und zu erraten mit welcher netten bzw. gefährlichen Persönlichkeit ihres Entführers sie es gerade zu tun haben, kommt die Psychologin Dr. Karen Fletcher (Betty Buckley) unabhängig davon auf den Gedanken, dass einer ihrer Patienten womöglich nicht der ist, der er zu sein vorgibt. Ein Wettlauf um das Leben der drei entführten Mädchen entbricht, wobei der Kidnapper immer unberechenbarer wird. Den die 24. Persönlichkeit steht kurz vor dem Ausbruch.

Vorweg: Split ist prinzipiell ein netter kleiner Thrillerstreifen mit einigen Elementen, welche die Ausmaße einer Persönlichkeitsstörung freilich etwas dehnen. Ein solider Film für Genrefreunde, einige schöne Bilder und ein paar famose Twists in der Handlung.

Ab ins Kino, dank James McAvoy!

Was Split tatsächlich aus dem bloßen Mittelmaß heraushebt, ist die Leistung von James McAvoy. Würde der Film nicht erst im Jänner anlaufen und damit erst für die übernächsten Academy Awards berechtigt sein, hätte sich der Brite mit seiner überragenden Tour de Force womöglich ins Bewerberfeld der besten Darsteller einreihen können. So wird Split aufgrund des Veröffentlichungstermins und seiner Genre-Obskurität wohl übersehen werden. Nichtsdestotrotz ist die Wandelbarkeit McAvoys beeindruckend. Er stellt überzeugend jede Persönlichkeit dar, die den Körper des Entführers beherrscht, sei es ein strammer, militärischer Sauberkeitsfanatiker, eine würdevolle Dame oder ein neunjähriger Junge. McAvoy legt sich unzählige Manierismen zu, wandelt seine Stimme, seine Haltung und sein Auftreten wie ein Chamäleon. Jede Persönlichkeit ist unmittelbar von einer anderen zu unterscheiden und er haucht jeder einzelnen (wir bekommen nicht alle 23 zu sehen) eigenes Leben ein. Der Rest der Darstellerriege ist solide, wobei lediglich Anya Taylor-Joy als eines der gekidnappten Mädchen wirklich etwas zu tun bekommt. Alle anderen müssen James McAvoys überwältigender Präsenz weichen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Split die Kinogeher wohl nicht annähernd so spalten (hehe) wird, wie es frühere Shyamalan-Filme getan haben. Alleine McAvoys Schauspielleistung lohnt eigentlich das Kinoticket und wer auf das Frühwerk des Regisseurs steht, sollte zumindest durch die allerletzte Szene des Films versöhnt werden.

Kinostart: 26. Jänner

Andreas Müllauer

Redakteur seit 2013

studiert  Theater-, Film- und Medienwissenschaften

liebt Filme, Hunde & macht "irgendwas mit Medien"

Mail an Andreas.Muellauer(ät)unimag.at

 

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