BÜCHERBÖRSE

The Descendants und die Oscar-Formel

the-descendantsDass George Clooney ein guter Schauspieler und auch äußerst beliebt bei vielen Kritikern ist, ist kein Geheimnis. Trotzdem ist es auf den ersten Blick schwer zu verstehen, warum „The Descendants“, das für immerhin sechs Preise nominiert wurde, ernsthaft ins Oscar-Rennen gelangen konnte. Wer zur Handlung des Films nachlesen möchte, kann eine Ausgabe des Buches zum Film gewinnen.

Clooney mimt einen vielarbeitenden Familienvater von zwei Töchtern auf Hawaii. Obwohl seine Familie von einer hawaiianischen Prinzessin abstammt, die ein ganz schönes Erbe hinterlassen hat, ist er ein ziemlicher Geizkragen. Trotz hohem Kontostand muss er der Tatsache ins Auge blicken, dass seine im Koma liegende Ehefrau nicht nur sterben wird, sondern ihn vor ihrem Unfall auch noch betrogen hat. So macht er sich samt kleiner Sippe auf die Suche nach dem Verführer, um schließlich ein besserer Vater zu werden. 

Descendants 03

Alexander Payne kann es eigentlich besser, denn sein Roadmovie „Sideways“ mit Paul Giamatti unterhielt gekonnt mit seinem anspruchsvollen Witz und den schrägen Hauptcharakteren. Alles was bei „The Descendants“ schräg ist, ist, dass der Film einfach nicht in Fahrt kommen will, auch wenn fluchende Teenie-Girls, ein gutmütiger Holzkopf als Boyfriend und ein schmieriger Nebenbuhler eigentlich die entsprechenden Zutaten dafür wären.

Kritik des Paradies-Bildes widersprüchlich

Der Versuch, das Hawaii-Paradies-Klischee zu entkräften, gelingt leider auch nicht. Die anfangs gezeigten Aufnahmen vom hawaiischen Alltag und der ernüchternde Off-Text, sollen die Realität vermitteln. Da George Clooney aber einen reichen Erben spielt und er die meiste Zeit an exklusiven Stränden liegt, kauft man dem Film diesen scheinbar kritischen Blick nicht ab. Nicht zu vergessen ist die vor süßer Kokosmilch berstende Ukulele-Musik.

Doch wenn es nicht die Qualität ist, die bei den Oscars den Unterschied zwischen Nominierten und Nicht-Nominierten ausmacht, was ist es dann? Beobachtet man die in der Hauptkategorie genannten Filme genauer, lassen sich einige Gemeinsamkeiten erkennen. Zuerst wäre da die Tatsache, dass je näher der Erscheinungstermin von Filmen an der Oscar-Verleihung liegt, desto größer ist deren Chance nominiert zu werden. Natürlich reicht das richtige Erscheinungsdatum trotzdem noch nicht, um einen Film in die engere Auswahl zu bringen.

Die Oscar-Formel

Er muss schon lieb sein, und, wenn es geht, einen naiven Hauptcharakter haben, der sich im Laufe des Filmes mausert. Ähnlich wie Clooneys betrogener Ehemann in „The Descendants“, ist auch Emma Stones Hauptfigur im ebenfalls mehrfach nominiertem „The Help“ ein leichtgläubiger Gutmensch. Sie ist eine störrische Intellektuelle, die partout daran glaubt, mit ihrem Buch etwas an der Lage der schwarzen Hausdienerinnen ändern zu können. Am Ende wird sie, und auch das passt zur Oscar-Logik, natürlich zur Bestseller-Autorin. Ebenso kann auch schon ein talentiertes Tier die Herzen höher schlagen lassen. Uggy, der Hundestar aus „The Artist“, der quängelnde Jack Russell Terrier aus „Beginners“, oder auch das treue Pferd aus Steven Spielbergs „War Horse“, sind Wärmflaschen für die Academy-Herzen.

Descendants 02

Besondere Aufmerksamkeit kriegt natürlich eine patriotische Grundeinstellung, wenn sie sich auch hinter vielen Fassaden zu verstecken scheint. Amerikanisch durch und durch ist „Moneyball“, mit Brad Pitt und schleppenden Dialogen über Baseball-Strategien. Auch „War Horse“ atmet Patriotismus. Da „The Help“ ein Antirassismus-Drama sein möchte, aber es trotzdem eine weiße Amerikanerin braucht, um die hilflosen „Schwarzen“ aus ihrer Misere zu leiten, fällt es unter die Kategorie „nostalgische Heimatliebe“. Zuletzt wäre da noch der weiße Hawaiianer Clooney, dessen anrührende Ahnengeschichte Bände spricht.

2 Oscars werden sich ausgehen

Trotz des gut bewährten Oscar-Rezeptes darf man sich doch jedes Jahr über Überraschungen freuen. Das wären heuer auch Niederlagen von George Clooney bei den Hauptdarstellern und seinem Film „The Descendants“ bei den adaptierten Drehbüchern. Bei mir würde das jedenfalls keine Tränen der Enttäuschung auslösen. Wer sich aber eine eigene Meinung bilden möchte, hat ab sofort die Möglichkeit dazu. „The Descendants“ läuft seit Freitag in den heimischen Kinos.

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Anne-Marie Darok

Anne-Marie Darok | Redakteurin

Musik, Mode und auch ein bisschen Film - solange Adjektive nicht verboten sind, wird gerne über das (fast) komplette Kulturspektrum berichtet

anne-marie.darok (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

 

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