BÜCHERBÖRSE

RESTLESS

Annabel und Enoch knnten unterschiedlicher nicht sein c Sony Pictures Home EntertainmentDie Geschichte zweier Außenseiter, die sich kennen und lieben lernen und dabei von ihrem kaum unbeschwerten, sondern tragischen Leben erzählen, bringt seine Zuseher zum Zittern.

Todessehnsucht trifft auf Krabbeltier-Stalkerin

Enoch (Henry Hopper) sehnt sich nach dem Tod. Nachdem er sich von seinen Eltern, die bei einem schweren Autounfall gestorben sind, nicht verabschieden konnte, weil er selbst aufgrund des Unfalls lange im Koma lag, hat er mit dem Leben abgeschlossen. Einzig die unzähligen Besuche auf den Beerdigungen Fremder und die Gespräche mit dem imaginären Kamikazeflieger Hiroshi aus dem zweiten Weltkrieg ermöglichen es ihm, die Tage irgendwie zu überstehen. Auf einem Begräbnis trifft der gezeichnete Enoch die lebensfrohe Annabel (Mia Wasikowska). Diese leidet an einem unheilbaren Hirntumor. Die Ärzte geben der jungen Naturforscherin nur mehr wenige Monate, die sie damit verbringt, nach interessanten Käfer- und Vogelarten zu suchen. Besonders die Singvögel haben es ihr angetan. Sie tut es ihnen gleich – und freut sich jeden Morgen, noch einen Tag leben zu dürfen.

Enoch ist vom Leben gekennzeichnet c Sony Pictures Home Entertainment

Wir haben für alles zu wenig Zeit

 Obwohl der Tod den beiden Teenagern nie von der Seite weicht, geben sie ihm kaum die Chance, sich zwischen sie zu drängen. Sie schaffen es stets, die schönen Dinge des Lebens zu genießen und freuen sich über jede Sekunde, die sie gemeinsam verbringen können. Gemeinsam erleben sie den ersten Kuss, ein erstes Date im Leichenkeller und die erste große Liebe. Die beiden scheinen wie für einander geschaffen zu sein. Annabel, weil sie dem verstörten Enoch ein bisschen Lebenslust lehrt und Enoch, weil er sich von Annabels Krankheit scheinbar keine Angst machen lässt, sondern sie so normal wie jeden anderen behandelt.

Einzigartige Hauptdarsteller verleihen dem Film seinen Glanz

Auch Annabel hat in ihrem Leben viel zu Kmpfen c Sony Pictures Home Entertainment

Der Regisseur Gus Van Sant („Good Will Hunting“, „Milk“) berührt mit seiner Geschichte um die beiden todgeweihten Teenager enorm. Die Reise der zwei Unbekannten, die jeder für sich mit dem Tod so seine Erfahrungen hatten, sich kennen und lieben lernen und sich schließlich gemeinsam dem unausweichlichen Schicksal beugen müssen, könnte emotionaler nicht inszeniert sein. Dabei kommt der Film ganz ohne Schmalz und Teenie-Herz-Schmerz aus, sondern beeindruckt durch alltägliche Gegebenheiten und die gnadenlose Realität. Wem die Geschichte bekannt vorkommt, der denkt wohl gerade an „Es begann im September“ oder „Sweet November“. Trotzdem aber sticht „Restless“ hervor, weil die Charaktere Enoch und Annabel keineswegs typische Hollywood-Jugendliche verkörpern, sondern sich als schräge, teils unnahbare Teenager begegnen. Die beiden Hauptdarsteller Hopper und Wasikowska beeindrucken dabei besonders durch ihre berührende Art zu Schauspielern. Man hat nie das Gefühl, nur einen Film zu sehen, sondern findet sich von der ersten Sekunde an in einer Tragödie, wie sie nur das Leben schreiben kann.

Ein wichtiger Hinweis zum Schluss: Bei den manchmal unsagbar traurigen Szenen sollte man keinesfalls alleine vor dem Fernseher sitzen, den Film also unbedingt zu zweit ansehen!

Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=KyZo5zgsGDE

Stefanie Jennel

Stefanie Jennel | Redakteurin

stefanie.jennel (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2011

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