BÜCHERBÖRSE

The Devil Inside: Mitleid mit dem Teufel

DI 52Mit einem minimalen Budget von unter einer Million Dollar spielte der Found-Footage-Horrorstreifen allein in Amerika mehr als das Hundertfache seiner Produktionskosten ein. In diesem Fall ist Geiz aber nicht geil.

Die Idee, mit minimalem Aufwand Blockbuster-Filme zu produzieren, ist besonders dem Horror-Genre nicht fremd: Bereits 1980 setzte der italienische Regisseur Ruggero Deodato in seinem Pseudo-Dokumentarfilm mit dem zweifelhaften Titel Cannibal Holocaust auf die Macht vermeintlicher Amateuraufnahmen zur Erzeugung eines Gefühls von Authentizität. Das Prinzip funktionierte so gut, dass er nach der Veröffentlichung des Films sogar vor Gericht beweisen musste, dass seine Darsteller auch tatsächlich noch am Leben waren. 2000 lockte die Genre-Ikone The Blair Witch Project weltweit Millionen von Menschen ins Kino, in jüngster Vergangenheit wurde das Prinzip in den Horror-Serien Rec und Paranormal Activity weiter erfolgreich ausgeschlachtet.

Der Teufel war’s!

Irgendwie war es da auch nur eine Frage der Zeit, bis eines der großen Filmstudios (in diesem Fall Paramount Pictures) dieses Genre als Cash-Cow für sich entdeckte und gleich eine eigene Abteilung für Produktionen unter einer Million Dollar gründete. William Brent Bells The Devil Inside reicht allerdings bei Weitem nicht an seine großen Vorbilder heran. Der Plot des Billigstreifens ist auch schnell erklärt: Nachdem ihre Mutter bei einem fehlgeschlagenen Exorzismus-Versuch drei Menschen getötet hat, vor Gericht für unzurechnungsfähig erklärt und in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in eine italienische Psychiatrie verschifft wurde, tut sich Isabella Rossi mit einem Kameramann zusammen, um nach Rom zu reisen und Licht in diese tragischen Ereignisse zu bringen.

DI 55Die Ochsentour
Knappe eineinhalb Stunden lang beobachtet der Zuseher das öde Geschehen durch das verwackelte Auge der Kamera und wird dabei Zeuge von billig inszenierten und zudem noch zu rar gesäten Schock-Effekten, die sich ästhetisch an den mehr als 30 Jahre alten Vorbildern The Amityville Horror oder The Exorcist orientieren, ohne dabei den nostalgischen Charme dieser Genre-Klassiker zu erreichen. Die Ochsentour durch Psychiatrie, Exorzisten-College und dunkle Keller, in denen die beiden jungen Priester Ben und David in ihrer Freizeit offenbar gerne den einen oder anderen Dämonen schwarz austreiben, leidet hauptsächlich an ihrer Berechenbarkeit und ihrer unfreiwilligen Komik. Spürbare Entwicklungen in dem ohnehin hauchdünnen Plot ergeben sich erst in den letzten 15 Minuten – und selbst diese führen in ein Sackgassenende á la „ und dann bin ich plötzlich aufgewacht und es war alles nur ein Traum“.

Fazit
The Devil Inside ist kein guter Film. Selbst (oder gerade) Horror-Fans oder Freunde des Found-Footage-Prinzips werden von ihm enttäuscht sein. Eine so halbherzige, unterambitionierte und langweilige Zeitverschwendung hat keiner verdient. Auch nicht der Teufel.

Dominik Brand

Dominik Brand | Redakteur

dominik.brand (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

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