BÜCHERBÖRSE

Eröffnung der Diagonale 2012

DiagonaleerffnungDie Diagonale-Eröffnung lockte Prominenz aus Kunst, Kultur und Politik an und füllte die Helmut List-Halle. Noch vor der Präsentation des Eröffnungsfilmes „Spanien“ bot die Verleihung des großen Diagonale-Schauspielerpreises das erste Highlight des Festivals.

Eröffnungsrede thematisiert wirtschaftliche Lage

Den Startpunkt des Abends setzte Festivalleiterin Barbara Pichler, die in ihrer Eröffnungsrede die immer härter werdenden finanziellen Rahmenbedingungen von Kunst thematisierte. Zu Unrecht, so Pichler, werde die hochqualifizierte Arbeit von Kulturarbeitern weder entsprechend entlohnt werden, würde ihr gebührender Respekt entgegen gebracht werden. Unterschätzt werde außerdem der Nutzen der Kultur für die breite Gesellschaft. Mit dem, wie sie betonte, nicht elitär zu interpretierendem Begriff der Cinephilie wolle sie dem dominanten ökonomischen Diskurs entgegentreten. Bezogen auf die Diagonale bedeute dies, dass ein Filmfestival zwar ein Privileg, niemals aber ein Luxus sein dürfe.

Schauspielpreis für Johannes Silberschneider

Privilegiert ist mit Sicherheit auch jeder österreichische Film, der Johannes Silberschneider zu seinen Schauspielern zählen darf. Dieser Meinung war auch die Diagonale-Jury und so wurde dem facettenreichen Mimen, der aus zahlreichen TV-Produktionen, dem Oscar-nominierten Kurzfilm Copy Shop und den Brenner-Filmen bekannt ist, der große Diagonale Schauspielerpreis verliehen. Einer etwas aufgesetzt wirkenden Laudatio von Konstanze Breitebner folgte die Übergabe des extra für ihn von der Fotokünstlerin Elfie Semotan angefertigten Preises. Die Dankesrede selbst war dann schon weitaus sympathischer und verglich die Auszeichnung mit einem Führerschein, der ihm hoffentlich erlaube, in Zukunft nur noch das spielen zu müssen, das ihn wirklich interessiere.

Solider Eröffnungsfilm

Dann aber öffnete sich der Vorhang für den ersten Film der Diagonale 2012. Anja Salomonowitzs Spielfilmdebüt „Spanien“ startete das Festival und tat dies auch durchaus gut. Der Episodenfilm verfolgt die Schicksale eines durch den Unfall seines Schmugglers in Österreich gelandeten Moldawiers, einer frisch geschiedenen Frau, ihrem besessenen Ex-Mann und einem Spielsüchtigen. Über dem Ganzen thront quasi versehentlich ein Pfarrer, der in guter (?) österreichischer Filmtradition für die nötigen Lacher und die gewisse Portion Wurschtigkeit sorgen muss. Abgesehen von diesem sowie dem einen oder anderen weiteren Österreich-Filmklischee lässt sich der Film allerdings nicht viel zu Schulden kommen und ist ein durchaus interessantes Drama, das von seinen starken Schauspielern lebt. Am Ende steht ein gutes, aber nicht herausragendes Werk, das trotz aller Bemühungen stets ein wenig auf Distanz bleibt.

Sein Diagonale-Programm hat „Spanien“ bereits erledigt. Der Film läuft aber ab Freitag österreichweit in den Kinos.

Michael Leitner

Michael Leitner | Redakteur & Community-Betreuer Gewinnspiele

michael.leitner (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Oktober 2011

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