BÜCHERBÖRSE

Broken Silence – DVD-Erscheinung

Broken-Silence-Cover-2D kleinDer Kartäusermönch Fried Adelphi (Martin Huber) ist seit 25 Jahren in ein meditatives Schweigen verfallen. Wie es das Schicksal so will, soll genau er nach Indonesien reisen um den Pachtvertrag des Klosters in der Schweiz zu verlängern. Als wäre er nicht schon genug überfordert mit dieser Aufgabe, reagiert er extrem klaustrophobisch auf die Enge des Flugzeuges, so dass er beim Zwischenstopp in Indien aussteigen muss. Dort trifft er wieder auf seine amerikanische Sitznachbarin (Ameenah Kaplak) aus dem Flugzeug, die seine heruntergefallene Brieftasche gefunden hatte. Ihre Neugierde treibt sie dazu ihn auf seiner abenteuerlichen Reise auf dem Landweg zu begleiten.

Wolfgang Panzer übernahm nicht nur die Regie seines 1995 gedrehten Filmes, sondern auch die Produktion und die Kamera. Vorstellbar ist, dass das Budget recht begrenzt gewesen sein muss, zumal der Film auch ohne Skript gedreht wurde. Trotzdem sahen ihn zirka 160.000 deutsche Kinogeher, obwohl er nur mit 11 Kopien in die Kinos kam. Im Vergleich dazu bringt ein heutiger größerer, deutscher Film 40-50 Kopien auf den Markt.

Abseits der Mainstream-Themen widmet sich „Broken Silence“ der Suche nach dem Sinn des Lebens, und das aus zwei grundverschiedenen Perspektiven. Während die freche Ashaela wegen ihrer vererbten Herzkrankheit unterwegs ist, muss sich der recht weltfremde Mönch einer ihm fremden Lebenserfahrung stellen. Die beiden kommen ins Gespräch, sind fasziniert voneinander, und wachsen langsam zusammen. Zusammengehalten werden die Bilder des ungleichen Gespanns durch das Rahmengespräch von Fried und einem Priester in New York. Während dieser Beiche ordnet Fried die Erlebnisse in seinen persönlichen Glauben ein und zeigt Zweifel, doch nicht an Gott, sondern an sich selbst.

Der Film erzählt dieses Roadmovie still und überlegt, anstatt ein übertriebenes Zusammenprallen der Charaktere im Blockbuster-Stil zu kreieren. Die Charakterstudie basiert auf intensiven Gesprächen und stellt nicht unbedingt den katholischen Glauben in den Mittelpunkt, sondern das Glauben und die Spiritualität an sich.

Positiv, wenn auch anfangs gewöhnungsbedürftig, ist, das Englisch gesprochen wird, und zwar Schweizer-Englisch von Fried, amerikanisches von Ashaela und indisch angehauchtes in Südasien. Dies trennt und verbindet die Personen gleichzeitig. Leider merkt man dem Film sein Alter an, man könnte ihn sogar noch viel älter einschätzen, doch das liegt nicht an der Story, sondern an der Qualität der Aufnahmen. Alles in allem gilt Panzers Werk als Rohdiamant unter den deutschen Independent-Filmen, und dies kann gerne unterstrichen werden.

Pierrot Le Fou ist selbiger Meinung und bringt „Broken Silence“ als DVD ab 30. März wieder in den Handel.

Anne-Marie Darok

Anne-Marie Darok | Redakteurin

Musik, Mode und auch ein bisschen Film - solange Adjektive nicht verboten sind, wird gerne über das (fast) komplette Kulturspektrum berichtet

anne-marie.darok (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

 

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