BÜCHERBÖRSE

Die Spinne spannt erneut ihre Netze

  • geschrieben von Dominik Brand und Tanja Kling
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Spiderman
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Hollywood erkämpft sich ja momentan den zweifelhaften Ruhm, Filme aus anderen Ländern in amerikanisierter Version neu auf den Markt zu werfen, daneben sorgen Superhelden-Verfilmungen wie The Avengers für volle Kinokassen. Jetzt haben sich die Produzenten der Traumfabrik jedoch selbst übertroffen: Sie fertigen Remakes ihrer eigenen Filme an. Jüngst geschehen mit dem Hollywood-Blockbuster The Amazing Spider-Man, welcher der „älteren“ Trilogie von Sam Raimi folgt.

Neuverfilmung des Kultcomics

Nur zehn Jahre nach dem ersten Teil des verfilmten Marvel-Comics Spider-Man bekommen wir von Marc Webb nun eine neue Interpretation des Spinnenmanns vorgelegt. Warum das Ganze? Ursprünglich hätte es eigentlich einen vierten Spider-Man-Teil mit Tobey Maguire, Kirsten Dunst und John Malkovich als etwas bizarren Widersacher „Der Geier“ in den Hauptrollen geben sollen. Doch dann folgten Probleme mit dem Script, dem Regisseur und den Darstellern. Letzten Endes wurden die Pläne verworfen und übrig blieben ein neues Drehbuch, ein neuer Regisseur und eine neue Besetzung. 

szenenbild 01700x387Herausgekommen ist dabei also The Amazing Spider-Man. Diesmal wird Peter Parker von Andrew Garfield verkörpert, der aus dem ursprünglich eher peinlichen Nerd einen ziemlich coolen Typen macht. Seine Freundin, die seinem eher unbeholfenen und hilfsbedürftigen Charme schnell erliegt, ist niemand anderes als Emma Stone, bekannt aus Filmen wie The Help und Crazy, Stupid, Love. Ihre Rolle ist keine freie Erfindung von Marc Webb, sondern hat ihre Wurzeln in der Comic-Vorlage, in der Peter Parker während seiner Collegezeit eine Liebesbeziehung mit der verführerischen Blondine eingeht. Ein Punkt, der an die Autoren geht: Gwen Stacy ist einfach viel hipper als Mary Jane.

Nicht ganz ins Netz gegangen
Die Besetzung also überzeugt auf ganzer Linie, auch der Humor findet immer wieder seinen Weg in den Film. Warum kann der Streifen dann trotzdem nicht völlig überzeugen?

An den 3D-Effekten kann es jedenfalls nicht liegen, denn diese erscheinen ausnahmsweise mal nicht völlig fehl am Platz. Wenn wir Spider-Man aus der Ego-Perspektive dabei folgen, wie er sich durch die Häuserschluchten von New York schwingt, kommt nicht nur bei Comic-Fans Gänsehaut-Feeling auf. Dank hervorragender Showeffekte zahlt es sich da schon aus, sich zwei Stunden lang mit unbequemen, riesigen Brillen auf der Nase herumzuschlagen. Nicht einmal die typischen, überdramatisierten Hollywoodaussetzer und der für das Genre typische Superhelden-Pathos fallen wirklich negativ auf, sondern sind viel eher amüsant: Wie immer wird erst in allerletzter Sekunde gestorben, nachdem der Todgeweihte noch schnell seine schicksalshaften letzten Worte an den Helden richten konnte.

szenenbild 14700x466Spider-Man’s Kryptonit
Tatsächlich ist der Hauptkritikpunkt an diesem Reboot nicht ganz frei von Ironie: Denn während in der Comic-Vorlage stets Peter Parker selbst sein größter Feind und Kritiker ist, muss sich The Amazing Spider-Man konsequenterweise an seinem nur zehn Jahre älteren Vorgänger messen. Das Gefühl des Déjà-vus wird bereits unmittelbar nach der Eröffnungsszene ein ständig präsenter und unangenehmer Sitznachbar, der einem ständig ins Ohr zu brüllen scheint, mit welchen Schicksalsschlägen sich der junge Peter Parker als nächstes herumschlagen wird. Marc Webb’s zweifelhafte Entscheidung, die komplette Entstehungsgeschichte des Helden im rot-blauen Outfit brav nachzuplappern, ohne sie um entscheidende Facetten des Spider-Man-Mythos zu bereichern, mutet bisweilen handzahm und unreflektiert an. So vergeht eine geschlagene Stunde, bis das Pflichtprogramm absolviert ist und der Spinnenman endlich sein ikonisches Kostüm überstreift. Im Gegensatz zum Genre-Kollegen Batman Begins, in dem Christopher Nolan sich ähnlich viel Zeit ließ, um seinen Titelhelden einzuführen, wird diese Stunde jedoch nicht genutzt, um neue Regionen der Superhelden-Psyche zu erkunden. Stattdessen verlässt sich Marc Webb auf Altbewährtes und die Tragkraft einer Geschichte, die im Endeffekt jeder kennt.

hauptplakat495x700Fazit
Dennoch ist The Amazing Spider-Man einen Kinogang allemal wert, wenn auch eher aufgrund der gelungenen Action-Szenen als wegen des Plots. Comic-Fans werden sich zudem über den sehr gelungenen Gastauftritt von Spider-Man-Schöpfer Stan Lee freuen, auch wenn sie vergebens auf Peter Parker’s mantraartiges Motto – „Aus großer Kraft folgt große Verantwortung“ warten werden. Wer mit Superhelden-Verfilmungen nicht ganz so viel anfangen kann, bekommt diesmal immerhin einen um Welten heißeren Spider-Man auf der Leinwand zu sehen, von seiner Freundin ganz zu schweigen.

 

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