BÜCHERBÖRSE

Spoilerfrei: Der Hobbit: Eine unerwartete Reise

Hobbit BILD: WARNER BROS. PICTURES
Hobbit

In Spoilerfrei bekommt ihr eine Unimag-Filmkritik ganz ohne Spoiler. Bei einer Buchverfilmung ist das natürlich etwas schwieriger oder überflüssig. Trotzdem: In der Vorgeschichte zu Herr der Ringe geht es um 13 Zwerge, die ihre Heimat zurück erobern wollen und dabei die Hilfe von dem Hobbit Bilbo Beutlin in Anspruch nehmen.

In der aktuellen Ausgabe von Unimag, findet ihr bereits kurz eine Erläuterung der Verfilmung. Ein Buch – drei Teile. Etwas übertrieben – finden nicht nur Kritiker. Nachdem der Film nach der jahrelangen (!) PR nun endlich in die österreichischen Kinos kam, muss man auch als Fan einiges bemängeln. Nichtsdestotrotz ist der Film ein Augenschmaus und man sollte ihn nicht verpassen.

Peter Jackson wollte, wie James Cameron mit Avatar, das Kino erneut revolutionieren. Einige Kinos bieten deshalb den Film in kryptischem HFR. Das bedeutet High Frame Rate und meint eine Verdoppelung der Bilder pro Sekunde. Dadurch soll der Film noch realistischer wirken. Damit gebar Jackson das Paradoxon: Denn seltsamerweise wirkt der ganze Film dadurch eher UNechter. Die Bewegungen der Charaktere sind übernatürlich schnell und wirken wie mit 1,5facher Beschleunigung abgespielt. Aber auch alles andere leidet leider etwas unter dem „Seifenoperneffekt“. Durch einen neuen übergenauen Blick sieht man ALLE Details. Hie und da bemerkt man ein Kunsthaar in der Perücke, die Computeranimationen wirken erstaunlich schlecht gemacht und sogar bei Cate Blanchet entdeckt man einige Fältchen um die Augen. Es ging sogar soweit, dass man anfangs bemerkte, wie ungenau die deutsche Synchronisation in Wirklichkeit ist. Das ist nicht nur irgendwie störend, sondern reißt einen stellenweise aus dem Filmvergnügen.

Aber genug der Technikkritik. Jackson beweist erneut mit einzigartigen Landschaftsaufnahmen, dass Neuseeland einfach ein anderes Wort für Mittelerde ist. Berge, Flüsse, Wiesen in (manchmal wirklich) allen Farben, sorgen für den mythischen Touch. Man darf sich auf alte Bekannte freuen, die extra in den Film geschrieben wurden. So z.B. Frodo (Elija Wood), Galadriel (Cate Blanchet) oder Saruman (Christopher Lee). Auch die Filmmusik ist ein fantastischer Mix aus Herr der Ringe und neuen Passagen. Man fühlt sich zurückversetzt, spürt aber die frische Intensität des Neuen.

Der Handlung ist Peter Jackson dabei treu geblieben. Bei drei dreistündigen Teilen hatte er auch allen Grund dazu. Da das Buch eigentlich für Kinder geschrieben wurde, musste es von Jackson wohl mit einigen Zusatzhandlungen ausgeschmückt werden, die er aus anderen Tolkien-Artefakten übernommen hat oder frei erfand. Es ist also wenig verwunderlich, dass das Material für drei Filme reicht.

Leider rechtfertigt der erste Teil die Splittung überhaupt nicht. Es passiert wirklich allerhand, aber der Anfang wirkt etwas gestreckt. Aber auch in der Charakterengestaltung hat der Erfolgswahn seine Finger im Spiel: Für die weiblichen Nicht-Fans gibt es einige Schönling-Zwerge, die eher an Aragorn, als Gimli erinnern. Ein wunderbarer Andy Serkis als Gollum, übertrifft sich jedoch selbst und alle Erwartungen.

Für diejenigen, die das Buch nicht gelesen haben, wird es sicherlich ein wunderbares Abenteuer. Für Kenner gibt es einige Ärgernisse. Für alle gilt jedoch: Wer auf Nummer sicher gehen will, der schaut sich das Spektakel mit 24 Bildern pro Sekunde an. Der 3D Effekt bleibt aber ein Muss. Wirklich ganz großes Kino. Doch aus der Sicht eines abhängigen Fans und Franchise-Unterwerfungs-Kritikers gibt es 4von 5 Sternen.

David Klotz

David Klotz | Redakteur und OCM

studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft 

sagt zu Kino niemals Nein und hasst Spoiler 

david.klotz (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2012

 

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