BÜCHERBÖRSE

Oscar-Nominierungen kommen am Donnerstag

AUCH JAMES BOND HAT HEUER OSCAR-CHANCEN. BILD: METRO-GOLDWYN-MAYER
AUCH JAMES BOND HAT HEUER OSCAR-CHANCEN.

Am Donnerstag werden die Nominierungen für die am 24. Februar stattfindenden Oscars bekannt gegeben. Da die seit Wochen laufende Awards-Saison damit die Mainstream-Medien erreicht, wollen auch wir auf mögliche Nominierte in den Hauptkategorien schauen und die österreichischen Chancen genauer beleuchten.

Awards, Awards, Awards

Schon seit Wochen treffen dutzende Kritikergilden zusammen, um ihre Lieblingsfilme des Jahres mit Awards zu überschütten. Und wen interessierts? Außer diversen Bloggern eigentlich niemanden. Gut also, dass am Donnerstag wieder einmal die Oscar-Nominierungen anstehen und das jedes Jahr so peinlich berechenbare, aber doch unwiderstehliche „Wer wird denn wohl gewinnen?“-Ratespiel im größeren Rahmen diskutiert werden kann.

Rennen um den besten Film ungewöhnlich spannend

Zudem darf das diesjährige Oscar-Race durchaus als ein außergewöhnliches eingestuft werden. Während wir zum Zeitpunkt der Nominierungen in den vergangenen Jahren eigentlich schon längst wussten, wer am Ende den wichtigsten Goldjungen, nämlich den für den besten Film, mit nach Hause nehmen wird, ist heuer alles offen. Zumindest vier Filmen kann der große Triumph Ende Februar zugetraut werden. Ben Affleck’s spannender Geisel-Thriller „Argo“ duelliert sich mit Kathryn Bigelow’s feministischer Bin Laden-Jagd „Zero Dark Thirty“ schon seit Langem darum, wer denn die meisten Kritiker-Awards sein Eigen nennen darf. Aber auch Steven Spielberg’s selbsterklärendes „Lincoln“ und Tom Hooper’s schleppende Musical-Verfilmung „Les Miserables“ wären als Gewinner keine große Überraschung. Ganz kleine Außenseiterchancen haben auch noch David O. Russell’s Tragikomödie „Silver Linings“ und Ang Lee’s Hi-Tech-Gottessuche-Abenteuer „Life Of Pi“, die momentan beide in den heimischen Kinos zu sehen sind.

Ähnlich spannend geht es im Kampf um die Nominierungen zu. Hinter diesen sechs Fixstartern dürfen sich zumindest acht weitere Kandidaten Hoffnungen auf einen Platz innerhalb der fünf bis zehn (die fünf Filme mit den meisten Stimmen werden automatisch nominiert, bei den Rängen Sechs bis Zehn ist der Stimmenabstand zum Erstplatzierten entscheidend) Werke machen, die für den Hauptpreis nominiert werden. Darunter findet sich neben Sam Mendes‘ großartigem James Bond-Film „Skyfall“ mit Sicherheit auch Michael Hanekes Liebesdrama „Amour“ wieder, das unter anderem den europäischen Filmpreis und den Hauptpreis der Los Angeles Film Critics gewann.

Österreich wieder mitten drin statt nur dabei

Generell dürfte Österreich am Donnerstag Grund zum Jubeln haben. Dass „Amour“ für den besten fremdsprachigen Film nominiert wird, ist für Experten in Stein gemeißelt. Haneke darf sich aber auch Hoffnungen auf Nominierungen in den Kategorien „Bester Film“, „Beste Regie“ und „Bestes Drehbuch“ machen. Garantiert ist freilich keine dieser drei Nennungen. Und auch Christoph Waltz hat kleine Chancen darauf, erneut als Kandidat ins Kodak Theatre eingeladen zu werden. Für „Django Unchained“, dem neuen Film von Quentin Tarantino, wurde Waltz für einen Golden Globe als bester Nebendarsteller nominiert. Bei der Verleihung selbst sollte man allerdings keine allzu großen Erwartungen haben. Der einzige realistische Gewinn ist jener von „Amour“ in der Kategorie des besten fremdsprachigen Films. Doch während uns die Massenmedien einreden werden, dass der Oscar für Haneke nur noch abzuholen ist, ist es durchaus wahrscheinlich, dass der französische Publikums-Hit „Ziemlich beste Freunde“ mehr Fans in der Academy hat.

Schauspieler-Kategorien mit verhältnismäßig klaren Favoriten

Im Vergleich zu dem heuer so spannenden Film-Rennen, scheinen die Schauspieler-Kategorien, was die Sieger betrifft, relativ unspektakulär. Sollte Daniel Day-Lewis für seine Darstellung des berühmten amerikanischen Präsidenten in „Lincoln“ nicht seinen dritten Oscar als bester Hauptdarsteller erhalten, wäre dies als Sensation zu werten. Und auch Anne Hathaway, die in „Les Miserables“ für die mit Abstand emotionalste Szene sorgt, dürfte in der Kategorie der besten Nebendarstellerinnen keine echte Konkurrentin haben. Bei den besten Hauptdarstellerinnen dürfte es hingegen bis zum Schluss spannend bleiben. Zwischen Medien- und sowieso Jedermann/frau-Darling Jennifer Lawrence („Silver Linings“) und einem ebenfalls aufgehenden Stern, Jessica Chastain („Zero Dark Thirty“), kommt es zu einem voraussichtlich ganz knappen Duell.

Mehrere Sieges-Kandidaten gibt es bei den Schauspielern aber nur in der Kategorie „Bester Nebendarsteller“, wo Philipp Seymour Hoffmann, dessen Film „The Master“ in der Awards-Saison einige Rückschläge zu verkraften hatte, nur noch als leichter Favorit ins Rennen geht. Konkret definiert sich seine Favoritenrolle eigentlich nur über den nicht auffindbaren Haupt-Konkurrenten. Alan Arkin, der in „Argo“ eine solide Gag-Schleuder gibt und Tommy Lee Jones, der in „Lincoln“ den grantigen Über-Guten mimen darf, könnten von möglichen Erfolgen ihrer Filme in der Haupt-Kategorie profitieren. Für die sentimentalen Mitglieder der Academy stünde mit Robert De Niro („Silver Linings“) ebenso ein Kandidat bereit wie mit Javier Bardem („Skyfall“) einer für die, die sich massentauglich geben wollen. Und sollte sich Leonardo DiCaprio gegen seine „Django Unchained“-Kollegen Waltz und Jackson durchsetzen können, ist es auch nicht auszuschließen, dass man ihm seinen lange verwehrten Oscar gibt.

Unsere Tipps

Unterm Strich bleiben also viele Fragen und wenige Antworten. Ein paar davon gibt’s schon am Donnerstag und hier ist unsere Prognose darüber, wie die Nominierungen in den Haupt-Kategorien aussehen könnten:

Bester Film (Anzahl der Nominierten variiert zwischen 5 und 10)

„Argo“ (Regie: Ben Affleck)
„Beasts of the Southern Wild“ (Regie: Benh Zeitlin)
„Les Miserables“ (Regie: Tom Hooper)
„Life Of Pi“ (Regie: Ang Lee)
„Lincoln“ (Regie: Steven Spielberg)
„Moonrise Kingdom“ (Regie: Wes Anderson)
„Silver Linings“ (Regie: David O. Russell)
„Skyfall“ (Regie: Sam Mendes)
„Zero Dark Thirty“ (Regie: Kathryn Bigelow)

Alternative 1: „Amour“
Andere Alternativen: „Django Unchained“, „The Impossible“,  „The Master“,  „Ziemlich beste Freunde“

Beste Regie

Ben Affleck, “Argo”
Kathryn Bigelow, “Zero Dark Thirty“
Michael Haneke, “Amour”
Tom Hooper, “Les Miserables”
Steven Spielberg, “Lincoln”

Alternative 1: David O. Russell, “Silver Linings Playbook”
Andere Alternativen: Paul Thomas Anderson (“The Master”), Ang Lee (“Life Of Pi”), Quentin Tarantino (“Django Unchained”)

Beste Hauptdarstellerin

Jessica Chastain, „Zero Dark Thirty“Jennifer Lawrence, “Silver Linings”
Emmanuelle Riva, “Amour”
Quvenzhané Wallis, “Beasts of the Southern Wild”
Naomi Watts, “The Impossible”

Alternative 1: Marion Cotillard, “Der Geschmack von Rost und Knochen”
Andere Alternativen: Helen Mirren („Hitchcock“), Rachel Weisz („The Deep Blue Sea“)

Bester Hauptdarsteller

Bradley Cooper, “Silver Linings”
John Hawkes, “The Sessions”
Hugh Jackman, “Les Miserables”
Daniel Day-Lewis, „Lincoln“
Joaquin Phoenix, “The Master”

Alternative 1: Denzel Washington, “The Flight”
Andere Alternativen: Anthony Hopkins (“Hitchcock”), Jean-Louis Trintignant (“Amour”)

Beste Nebendarstellerin

Amy Adams, “The Master”
Sally Field, „Lincoln“
Anne Hathaway, “Les Miserables”
Helen Hunt, “The Sessions”
Nicole Kidman, “The Paperboy”

Alternative 1: Maggie Smith, “The Best Exotic Marigold Hotel”
Andere Alternativen: Judi Dench (“Skyfall”),  Jacki Weaver (“Silver Linings”)

Bester Nebendarsteller

Alan Arkin, “Argo”
Javier Bardem, “Skyfall”
Robert De Niro, “Silver Linings”
Philip Seymour Hoffman, „The Master“
Tommy Lee Jones, “Lincoln”

Alternative 1: Leonardo DiCaprio, “Django Unchained”
Andere Alternativen: Dwight Henry (“Beasts of the Southern Wild”), Samuel L. Jackson (“Django Unchained), Matthew McConaughey (“Magic Mike”), Christoph Waltz (“Django Unchained”)

 

Michael Leitner

Michael Leitner | Redakteur & Community-Betreuer Gewinnspiele

michael.leitner (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Oktober 2011

 

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