BÜCHERBÖRSE

Oscars 2013 – Bester Nebendarsteller

  • geschrieben von Michael Leitner und Christina Schügerl
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ROBERT DE NIRO SILVER LININGS PLAYBOOK. BILD: 2012 THE WEINSTEIN COMPANY
ROBERT DE NIRO SILVER LININGS PLAYBOOK.

Wenn Robert de Niro in einer Talk-Show relativ unmotiviert zu weinen beginnt, zeigt das, dass er seinen ersten Academy Award seit über dreißig Jahren in Greifweite sieht. Neben dem so intensiv für seinen dritten Oscar Werbung machenden Altstar sind noch vier weitere großartige Schauspieler als beste Nebendarsteller nominiert. Eine gute Prognose ist dabei fast unmöglich, denn wirklich chancenlos ist hier eigentlich niemand.

Alan Arkin (Argo)

Alan Arkin ist für die Rolle des stereotypen Hollywoodproduzenten in Ben Afflecks „Argo“ nominiert. Für Arkin ist es die vierte Nominerung für den Oscar. 2007 gewann er die Auszeichnung dann auch für seine Nebenrolle in „Little Miss Sunshine“. Arkin war der erste, der von Ben Affleck für „Argo“ als Schauspieler angefordert wurde. Warum das so ist, wird ab dem Zeitpunkt klar, in dem Arkin die Leinwand betritt. Er ist charismatisch und gibt dem Film sein gewisses Etwas. Verdient hätte er den Oscar dafür auf jeden Fall. Aber verdient haben es wohl auch die anderen Nominierten.

Robert De Niro (Silver Linings)

Robert De Niro, der für seine Rolle in „Silver Linings“ nominiert wurde, hat bereits zwei Oscars gewonnen. Und die Chancen stehen nicht schlecht, dass er auch noch einen dritten sein eigen nennen kann. Zum ersten Mal spielt De Niro nämlich nicht den coolen Typen, sondern einen neurotischen Vater, der mit seinem Sohn klarkommen muss. Er zeigt viel Gefühl und hat gerade in den Szenen mit Bradley Cooper berührende Momente auf der Leinwand. Und wenn der Oscar schon nicht an ihn geht, haben immer noch die drei anderen nominierten Kollegen aus „Silver Linings“ eine Chance auf die Statue.

Philip Seymour Hoffman (The Master)

Allein aufgrund der immensen Qualität seiner Darstellung in Paul Thomas Andersons „The Master“ galt Philip Seymour Hoffman lange Zeit als Frontrunner bei den besten Nebendarstellern. Als eine Art L. Ron Hubbard hält er sich den Hauptcharakter des Films, Freddie Quell, wie einen Hund. In einem grandiosen Zusammenspiel mit Joaquin Phoenix wird Hoffman zum zweiten Hauptdarsteller des Films und genießt gigantisch viel Screentime, ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Doch trotz einiger Kritiker-Awards ist Hoffman, ebenso wie „The Master“ selbst, im Laufe der Saison ein bisschen die Luft ausgegangen. Und mit vier Gegnern aus „Bester Film“-Nominierten wird es für Hoffman leider schwer werden. Chancenlos ist er aber nicht.

Tommy Lee Jones (Lincoln)

Rein von der Rolle ausgehend, ist Tommy Lee Jones‘ Performance als Republikaner Thaddeus Stevens in „Lincoln“ jene, die in dieser Kategorie am ehesten nach Oscar schreit. Als entschlossener Anti-Rassist muss er im Laufe des Filmes seine eigene Ideologie verleugnen, um sein großes Ziel, die Abschaffung der Sklaverei, erreichen zu können. Mit dem Gewinn des Screen Actor Guild Awards hat Jones im Vorfeld einen wichtigen Preis einheimsen können, wegen einer Grippe aber gleichzeitig mit Abwesenheit geglänzt. Von der Papierform her wäre Jones Favorit, doch mit dem entschlossenen De Niro und dem irgendwie von Awards-Liebe verfolgtem Waltz hat er zwei starke Konkurrenten.

Christoph Waltz (Django Unchained)

Wie schon bei „Inglourious Basterds“ wurde Waltz für die Rolle in einem  Film von Quentin Tarantino nominiert. „Django Unchained“ heißt der Western-Streifen, der gerade in unseren Kinos läuft.  Spielt er diesmal zwar den Guten, hat Waltz‘ Rolle doch einige Parallelen zu der in „Inglourious Basterds“, für die er auch einen Oscar gewann. Er gibt halt gern den Haudegen, der Waltz. Ob es reicht, sich gegen seine Konkurrenten in dieser Kategorie durchzusetzen, wird sich noch zeigen. Anders als bei seiner ersten Nominierung, steht Waltz dieses Jahr leider nicht als Publikumsliebling da. Zu groß ist für viele Film-Fans die Enttäuschung darüber, dass Leonardo DiCaprio schon wieder von der Academy übergangen wurde. Dennoch hat es für die prestigeträchtigen Gewinne bei den Golden Globes und den BAFTAs gereicht. Im Gegensatz zu seinem ersten Oscar-Triumph wird es heuer bis zum Schluss spannend, doch Waltz befindet sich definitiv in der Aufholjagd.

Christinas Tipp
Gewinner: Robert De Niro (Alternativ: Philip Seymour Hoffman)
Wunsch: Christoph Waltz

Michis Tipp
Gewinner: Robert De Niro (Alternativ: Tommy Lee Jones)
Wunsch: Philip Seymour Hoffman

 

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