BÜCHERBÖRSE

Märchenhaftes Hollywood

Jack wird bald Riesen schlachten (c) Warner Bros. Entertainment
Jack wird bald Riesen schlachten

Hollywood ist seit mehreren Jahren in der Schreibkrise. Das beste Beispiel sind wohl die Oscars: Von allen nominierten besten Filmen, basierten zwei Drittel auf bereits erschienen Werken.

Wahrscheinlich aus Langeweile oder verzweifelter Filmmaterialsuche, wurde die Idee geboren, den volkstümlichen Märchen eine ordentliche Portion Moderne einzuhauchen. Aus dem reichlich magisch verblümten Stoff wurden hollywoodtaugliche Geschichten gewoben. Sie haben ja schließlich alles, was ein guter Film braucht: Romantik, Action, Tragik, Humor, ein bisschen Zauberei und ein wunderbares Happy End.

Das Revival fing 2005 mit Brothers Grimm an. Hollywood erkannte, dass die lieben Märchen aus der Kindheit eigentlich ziemlich grausam, brutal und so gar nicht kindertauglich waren oder zumindest sein konnten. Prompt zimmerte man einen wenig historiengetreuen Film mit vielen Anlehnungen an die grimmschen Märchen. Eine halbherzige Umsetzung mit erstaunlicher Seichtigkeit und viel Klamauk. Kritik, wie sie jede Märchenverfilmung der letzten Jahre begleitet.

„Das kann man doch besser machen!“, dachten sich die großen Studios. Und so läutete Warner Brothers mit Red Riding Hood 2011 das neue magische Zeitalter ein. Sie scheiterten kläglich. Auch diese grotesk furchtbare Adaption verlor sich zwischen Twilight und CSI. Doch alle sprangen auf den fahrenden Zug ins Märchenland auf. Schneewittchen musste sogar zweimal herhalten, die Geschichte wäre ja wirklich so vielfältig: einerseits eine Schmusekomödie mit Julia Roberts und anderseits ein Action-Blockbuster, indem das Twilight-Girly mit Thor eine Schlacht gegen die außerordentliche Charlize Theron kämpft – in Überlänge.

Letzterer schien wohl zu gefallen, das junge Publikum braucht Action. Deswegen gibt es nun erwachsene Hänsel und Gretel in einem Steampunk-Actionhorrorfilm. In diesem Genre kämpfen die Hexenjägergeschwister mit futuristischen Erfindungen, die mit Dampfmaschinenmechanik funktionieren. Brian Singer war der selben Meinung und bringt uns Jack and the Giants (der in Englisch den weniger romantischen Titel Jack the Giantslayer trägt) auf die Leinwand. CGI-Schlachten vom feinsten und gar nicht so unschuldig und verträumt wie in unserer Erinnerung. Beide Verfilmungen werden sich wohl in der Reihe der Märchenflops einordnen müssen, es wäre mit der absurden Storyline jedenfalls zu erwarten.

Aber natürlich bieten sich die zahlreichen Märchen ebenso an, in einem Paralleluniversum verbunden zu werden. Deshalb gibt es gleich zwei Fernsehserien, die sich damit befassen. Beide Serien spielen in der modernen Welt und kontrastieren dadurch die alte Mentalität mit aktuellen Problemen. Once Upon a Time ist eine romantisch liebenswürdige Geschichte mit (für die heutige Zeit) erstaunlich schlechter 3D-Animation und zielt auf das Zwischenmenschliche ab. Grimm hingegen ist im alten Buffy-Stil actionreich und schaurig. Doch auch hier sollte die goldgierige Pechmarie-Industrie noch etwas härter arbeiten und den Märchen die gebührende Tiefe eingestehen.

Fazit: So richtig erfolgreich war bisher noch keiner der Filme oder Serien. 2014 beehrt uns Dornröschens böse Hexe Malefiz (Angelina Jolie), aber auch sonst haben die Gebrüder Grimm ja genug Geschichten, mit denen man noch punkten kann - oder Hollywood lässt sich endlich mal wieder selbst was einfallen. 

David Klotz

David Klotz | Redakteur und OCM

studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft 

sagt zu Kino niemals Nein und hasst Spoiler 

david.klotz (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2012

 

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