BÜCHERBÖRSE

Spoilerfrei: Die fantastische Welt von Oz

Der neue Film von Sam Raimi (Regisseur der Spiderman-Trilogie) ist die Vorgeschichte zu dem Hollywoodklassiker Der Zauberer von Oz aus dem Jahr 1939 und erzählt die Geschichte des mittelklassigen Frauenhelden und Magiers Oz und seiner Reise in das gleichnamige Land. Die fantastische Welt von Oz ist ein netter Film. Kein anderes Adjektiv beschreibt es besser. Anfangs noch witzig (wenn auch manchmal etwas plump) gerät der Film später in eine etwas zu pseudo-tiefgründige Moral, welche lieblos originalgetreu umgesetzt wurde. Das naive Gute gegen das durchtriebene Böse.

Das Abenteuer beginnt im gar nicht so fantastischen Kansas zu Zeiten der Wirtschaftskrise. Die beengende Realität wird mit Sepiatönen und historischem Format unterstrichen. Erst durch das Betreten von Oz kommt (sprichwörtlich) Farbe ins Spiel. Satte Töne wurden ausgefallenen Kameraeinstellungen vorgezogen. Die Welt ist dabei nicht weniger surreal und verwirrend wie in Tim Burtons Alice im Wunderland, doch man nimmt sie vollkommen anders wahr: Sie erhebt nicht den geringsten Anspruch auf Realität und wirkt dadurch weniger auffallend störend computergeneriert. Die Effekte des Films schwanken allerdings zwischen erstaunlich guten Animationen und etwas lieblosen Greenscreening, so dass man manchmal doch nicht vergisst, dass das Ganze in einem Studio gedreht wurde.

Obwohl der Film mit einem ansehnlichen Staraufgebot punktet, wurden ursprünglich unter anderem Johnny Depp, Robert Downey Jr., Olivia Wilde, Keira Knightly oder Hilary Swank für diverse Rollen vorgesehen. Sie alle verneinten. Vielleicht zeigen die Rollen deshalb so geringe Tiefe.

Der sonst wirklich respektable James Franco (127 Hours) wirkt etwas deplatziert. Seine Schauspielkunst überzeugt in keinster Weise und seine Chrakaterentwicklung überrascht ihn vielleicht selbst. Aber auch die schöne Mila Kunis (Freunde mit gewissen Vorzügen) wirkt flach und als Hexe zunächst völlig unpassend. Rachel Weisz (Die Mumie) und Michelle Williams (My week mit Marilyn) überzeugen etwas mehr, aber die wahren Helden entspringen wohl dem Computer: nur der kleine Affe (Zach Braff – Scrubs) und das Porzellanmädchen überzeugen mit einer geschliffeneren Charakterzeichnung.

Disney hatte es bei diesem Film aber nicht leicht: Auf alle signifikanten Merkmale des früheren Oz-Films musste verzichtet werden: Warner Bros. hält die Rechte auf die roten Schuhe, den Grünton der bösen Hexe und anderen bekannten Charakteren. Man hat sich so weit aus dem Fenster gelehnt, wie man eben konnte.

Die fantastische Welt von Oz ist ein modernes Relikt und erinnert stark an das Original von 1939. Trotzdem ist die Geschichte weniger ergreifend oder einfallsreich. Die teils wenig überzeugende schauspielerische Leistung muss mit Bildern ausgeglichen werden. Durch die maue Charakterzeichnung gibt es aber nur 3,5 von 5 Sternen.

 

David Klotz

David Klotz | Redakteur und OCM

studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft 

sagt zu Kino niemals Nein und hasst Spoiler 

david.klotz (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2012

 

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