BÜCHERBÖRSE

Party-Wirrwarr an der Grenze zur Selbstsatire: Spring Breakers

Die vier Party-Girls mit ihrem Gangster Bild: (c) A24 Films, Annapurna Pictures
Die vier Party-Girls mit ihrem Gangster

Drei von Drogen, Alkohol und Sex besessene Mädchen rauben ein Cafe aus, um gemeinsam mit der Vierten im Bunde das berüchtigte Spring Break zu feiern. Gangster Alien, der die vier Jugendlichen aufnimmt und sie immer mehr in sein zwielichtiges Leben einbindet, komplettiert die Prämisse von "Spring Breakers", das am Donnerstag (21.3.) in den heimischen Kinos startet.

Streng tabuisiertes Brechen von Tabus

Brit (Ashley Benson) und Candy (Vanessa Hudgens) sitzen, gelangweilt Schwänze zeichnend, in der Vorlesung und träumen vom Spring Break, jenem landesweiten studentischen Party-Agreement, das jeden Frühling halb Amerika verwüstet. Leider fehlt das Geld um dorthin zu kommen, aber Cotty (Rachel Korine) hat die tolle Idee, ein Cafe auszurauben und schwupps, zehn Film-Minuten später ist man quasi reich und wird interessanter Weise von der Polizei keineswegs verdächtigt. Also schnappt man sich noch die brave Faith (Selena Gomez beim verzweifelten Versuch, ihr Good Girl-Image zu vernichten), die zwar nicht so recht in die Gruppe passen mag und den Überfall nicht ganz so sexy findet, sich das Party-Gelage aber dann doch nicht entgehen lassen will, und ab geht’s nach St. Petersburg in Florida.

Regisseur Harmony Korine, der an stark sexualisierten Teenie-Milieufilmen wie „Kids“ beteiligt war und sich spätestens seit „Trash Humpers“ das Wort Skandal auf die Visitenkarte schreiben darf, scheint „Spring Breakers“ zunächst, im Stile seiner früheren Werke, als pseudo-provokantes Party-Movie zu inszenieren. Kaum eine Minute vergeht ohne dem Rauchen eines Joints, die vier Mädchen dürften außer Bikinis nicht allzu viel im Gewandschrank haben und wenn Korine nichts Schockierendes mehr einfällt, schießt sich Brit den Wodka mit einer Spritzpistole in den Mund – Selbstmordsymbolik, weil die Jugend ist ja so fucked up. Gerade die Party-Szenen am Strand sind zwar durchaus poppig in Szene gesetzt, gestützt von einem fetzigen Schnitt und der passenden Musik von Cliff Martinez und Skrillex. Trotzdem fühlt sich das Ganze nur wenig authentisch, ein bisschen lächerlich und ultimativ zahnlos an. Trotz vieler blöder Sprüche und Herumspielereien bleiben Tabus letztendlich nämlich doch Tabus und von Sexszenen ist man dann doch recht weit entfernt.

James Franco's Alien als Highlight

Doch gerade, als man sich nach etwa der Hälfte an den Ton des Filmes gewöhnt und sich mit der langsam breit machenden Langeweile abgefunden hat, geht „Spring Breakers“ in eine völlig andere Richtung, die vor allem von einer Figur geprägt wird. „Once he came on set, it became a whole different movie“ sagte Ashley Benson in einem Set-Interview über ihren Kollegen James Franco und sie hätte den Nagel nicht genauer am Kopf treffen können. Mit langen Rastas, unzähligen Tattoos und einer ganzen Reihe von Goldzähnen ausgestattet, wirkt Francos Drogendealer mit dem prickelnden Namen Alien schnell wie eine Parodie des bis hierhin Gesehenen. In herrlichen Monologen erklärt uns Alien wie er als Gangster den amerikanischen Traum lebt und schüttelt die weiteren Wendungen des Plots ohne großes Herumgetue aus dem Ärmel.

James Francos großartige Performance bringt die bis dorthin fehlende Dynamik in „Spring Breakers“, die auch von dem lecht irritierenden Gefühl lebt, die Schauspieler würden den Film grundlegend anders interpretieren. Gerade bei seinen Szenen mit Selena Gomez trifft die nicht allzu ernstzunehmende Gangster-Attitüde auf Faith’s äußerst respektables und rationales Handeln. Ob dieser Effekt am chronisch fehlenden Talent von Selena Gomez liegt oder aber von Harmony Korine bewusst herbeigeführt wurde, ist am Ende egal. Fakt ist, dass es funktioniert und dem Film eine interessante Facette verleiht, die ihn wiederum trotz der ausbalancierten Miss und Hit-Quote der Szenen durchaus noch als empfehlenswert durchgehen lässt. „Spring Breakers“ weigert sich vehement gegen eine Kategorisierung in „völlig ernst gemeint“ oder „glasklare Satire“, hat aber gerade in dieser Ungewissheit seine größte Stärke. Darüber hinaus gibt der Film, was auch immer er sein soll, den Rahmen für einiges an Eye Candy und vor allem einen tollen James Franco, der alleine bereits für das Prädikat „sehenswert“ ausreichen würde.  

Michael Leitner

Michael Leitner | Redakteur & Community-Betreuer Gewinnspiele

michael.leitner (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Oktober 2011

 

Log in or create an account

fb iconLog in with Facebook