BÜCHERBÖRSE

Den Stier an den Hörnern gepackt

Den Stier an den Hörnern gepackt Dawn Ashley

Ein vermeintlich wohlgemeinter Ratschlag schmückt die Alu-Dosen des Energy-Drinks „Red Bull“: „Eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise werden empfohlen.“ Klingt sarkastisch, wenn in der darüber stehenden Zutatenliste aufgeführt wird, dass in einer kleinen Dose zum Beispiel die 5-fache empfohlene Tagesdosis des Vitamins B12 zugesetzt wurde. Ähnlich bemerkenswert ist das weit verbreitete Gerücht, einer der mystisch klingenden Hauptingredienzien „Taurin“ sei aus Stierhodenextrakt. Fix ist: Energy-Drinks sind ein so interessanter chemischer Cocktail, sodass die UNIMAG-Redaktion einige Zutaten genauer unter die Lupe genommen hat.

Laut eines Herstellers verlassen sich „Schüler mit Prüfungsangst“ auf deren Energy-Getränke, um den Uni-Alltag leichter zu bewältigen. Fast 4,3 Milliarden Dosen aufputschender Drinks werden weltweit pro Jahr konsumiert. So gluckern pro Sekunde 130 Aufputscher die Kehlen vorwiegend müder Konsumenten hinunter.

Der Name „Taurin“ lässt etwas tierisch Cooles erahnen, rührt er doch aus dem Lateinischen „tauros“ (Stier) her. Auch wenn die Substanz entgegen einer hartnäckigen „Urban Legend“ nichts mit Stierhoden zu tun hat, ist ein anderer Körperteil, nämlich die Galle eines Stieres, für die Namensgebung verantwortlich. Aus dieser gelang es zwei deutschen Chemikern erstmals 1827, den im festen Zustand weißen Kristall „Taurin“ zu isolieren.

62530009 a07eaa3fa1 zMythos „Taurin“: Kein Aufputscher
Die Substanz „Taurin“ kommt natürlich im Menschen und allen Säugetieren vor und wird vom Körper selbst synthetisiert und muss eigentlich nicht zugeführt werden. Wichtigste Aufgabe des Taurins ist, Stoffen den Übertritt in die Blutbahn zu erleichtern. In Energy-Drinks führt es, wenn auch noch so fabelhaft klingend, nur zu dem Trick, dass das enthaltener Koffein und Zucker schneller in die Blutbahn gelangen und so besser wirken – die aufputschende Wirkung von Taurin selbst ist Legende. Auch die Gefährlichkeit ist noch nicht ganz vom Tisch: Frankreich, Dänemark und Norwegen verbieten aus diesem Grund den Verkauf taurinhaltiger Getränke.

Koffein kann beim Lernen helfen
Die – kurzfristig – belebende Wirkung aus der Dose steckt eigentlich im enthaltenen Koffein und dem großzügig beigegebenen Zucker. Vergleichbar sind 1/4 l des Muntermachers mit einem starken Espresso mit viel Zucker. Ca. 80 mg, abhängig vom Hersteller, bietet eine solche Einheit an und sorgt bei so einer noch „vernünftigen“ Dosierung als Stimulans für eine Anregung des Zentralnervensystems. Ab einer Dosis von 150 – 200 mg steigt unter anderem die mnestische Funktion (Fähigkeit des Gehirns zum Gedächtnis und Erinnerung) und begünstig somit die Auffassungsfähigkeit beim Lernen.

3888439772 c98af240bb o kann aber auch süchtig machen.
Ob Koffein eine süchtig machende Droge ist oder nicht, beschäftigt seit längerem Experten; die WHO stuft es zum Beispiel nicht als solche ein. Mediziner bezeichnen eine chronische Abhängigkeit von Koffein als Coffeinismus. Dies trifft auf Personen zu, die täglich mehr als 4 Tassen Kaffe o.ä. zu sich nehmen. Symptome sind unter anderem Schlaflosigkeit und Angsterscheinungen, bei Entzug Kopfschmerz und Übelkeit. Auch Gewöhnungseffekte sind gegeben: bereits nach sechs bis 15 Tagen entwickelt sich bei starkem Konsum eine Toleranz und das Gehirn arbeitet ohne Koffein langsamer.

Viele glauben, Red Bull und Konsorten seien Sportgetränke und Muntermacher für jede Gelegenheit, da sie laut Werbung speziell „für Zeiten erhöhter Beanspruchung“ oder „mit sofort verfügbarer Energie“ versorgen sollen. Fakt ist aber, dass die Drinks zum Beispiel für Sportler ganz und gar ungeeignet sind. Der hohe Zuckergehalt blockiert die wichtige Flüssigkeitsaufnahme in den Körper. Auch zuckerfreie Variationen haben einen Nachteil: sie enthalten durch die Süßungsmittel Phenylalaninquellen, welche bei übermäßigem Verzehr abführend wirken.

3232189638 6a1618a947 oEin Test 20 verschiedener Energy-Drinks ergab: nur ein Produkt schaffte das Prädikat „Gut“, die meisten rangierten zwischen „mangelhaft“ und „ausreichend“. Zwei Produkte davon konservieren mit Natriumbenzoat, was die Bildung von krebserregendem Benzol fördert und auch in diesen beiden Produkten erhöht nachgewiesen wurde. Enttäuschend schlecht schnitt der Marktführer Red Bull mit der Note „mangelhaft“ ab. Grund dafür waren unter anderem fehlende Warnhinweise, unnötig und überhöht zugesetzte Vitamine sowie ein sehr hoher Zuckergehalt.

 

Der Energydrink „Red Bull“ ist wohl eines der größten

und berühmtesten Produkte, die jemals in Österreich

erfunden wurden. Seit April 2008 ist der kleine Bruder

des populären Energydrinks auf dem Markt:

Red Bull Cola.

Laut Angaben des Produzenten enthält das Getränk keine

Phosphorsäure, keine Konservierungsstoffe, weder

künstliche Farbstoffe noch Aromen. Dafür wurden bei

einer Analyse von Lebensmittelchemikern minimale

Spuren von Kokain gefunden. „Herstellungsbedingt und

nicht in ausreichender Menge, um zu wirken“, winkte

Red Bull die Kritik ab. Schade?!

 

 

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