BÜCHERBÖRSE

Prekäre Förderung von Filmfestivals

Sind Filmfestivals zu retten oder bleibt der Vorhang bald zu? (c) daskerst/flickr.com
Sind Filmfestivals zu retten oder bleibt der Vorhang bald zu?

Vor knapp einem Jahr ging das Forum Österreichischer Filmfestivals im Rahmen der Viennale mit einem dringenden Appell an die Öffentlichkeit: Fast alle der 18 Filmfestivals kämpften damals um ihre Existenz – und das trotz steigender Besucher- und Besucherinnenzahlen und großer internationaler Anerkennung. Heute ist das Forum auf 21 Festivals angewachsen - doch an der Situation hat sich kaum etwas geändert.

Die österreichischen Filmfestivals haben im vergangenen Jahr an 174 Tagen gemeinsam 1.860 Filme gezeigt und 235.000 Cineasten sowie mehr als 800 internationale Film- und Fachgäste in die heimischen Kinos gelockt. Die Förderungen jedoch – weiterhin erhalten alle Festivals gemeinsam nur 0,2 (!) Prozent des gesamten Kulturbudgets (manche davon mehr, manche noch viel weniger) – stagnieren auf niedrigem Niveau.

Österreich ist ein „erfolgreiches Filmland“ sagte Claudia Schmied im Jahre 2012. Weltweit werden die heimischen Produktionen ausgezeichnet und gefeiert – und das im Wesentlichen auf Filmfestivals. Diesen Stellenwert, den die Filme durch ihre Erfolge bei Festivals erlangen, genießen die Filmfestivals in Österreich bei weitem nicht – und das, obwohl Förderentscheidungen für Filmproduktionen „erst durch die kulturellen und strukturellen Funktionen des Filmfestivals ihre demokratische Legitimation erhalten“ (Thomas Elsaesser, 2010). Die Filmfestivals in Österreich sind kaum ausreichend finanziert, die Arbeitsbedingungen sind prekär, die Abgeltung von Vorführrechten ist kaum möglich. Es ist höchste Zeit, dass sich das ändert.

Forderungen

– ein grundsätzliches Umdenken in der Kulturpolitik. Filmfestivals leisten einen essentiellen Beitrag zur Film- und Kinokultur. In Anbetracht der veränderten Verwertungslandschaft sind sie heute zudem oft der einzige Ort, an dem Film von einer breiten Öffentlichkeit gesehen und diskutiert wird. Dieser Entwicklung muss auch kulturpolitisch Rechnung getragen werden.

– eine Erhöhung der Fördergelder für Filmfestivals. Derzeit rangieren Filmfestivals in Österreich im Kulturbudget des Bundes unter ferner liefen. Mit 770.000 Euro für alle gemeinsam befinden sich die Festivals in der Kommastelle der 438,7 Mio. Euro, die der Bund 2011 für Kultur ausgab. Struktur- und Planungssicherheit? Nicht vorhanden.

– eine eigene Filmfestivalförderung. Die Investition in Filmfestivals geschieht derzeit unter dem Punkt „weitere Verbreitungsmaßnahmen“. Die Förderrichtlinien sind veraltet und die Formulare oft nicht für Festivals geeignet. Filmfestivals gehören jedoch zum sogenannten Kerngeschäft – und ihre Förderung darf nicht zulasten der Produktionsbudgets gehen.

– die Möglichkeit fairer Entlohnung im Filmfestivalbereich. Trotz eines hohen Ausbildungsgrads, spezialisierten Fachwissens und jahrelanger Erfahrung kann ein großer Teil der MitarbeiterInnen nicht annähernd fair bezahlt werden. Wir fordern daher eine Wertschätzung dieser Arbeit und die Möglichkeit, Mindeststandards bei der Entlohnung einzuhalten.

– die Möglichkeit angemessener Bezahlung von Vorführrechten. Nur mit einer adäquaten Förderung ist es Festivals möglich, die Rechte für Filme angemessen abzugelten und damit ihre wichtige Rolle im künstlerischen Kreislauf wahrzunehmen. Der aus den aktuellen Förderbedingungen resultierende Missstand gehört beendet.

Diese fünf Forderungen sind die Basis für eine vielversprechende Zukunft, in die die österreichischen Filmfestivals bereits weisen. Die kulturpolitisch Verantwortlichen müssen jetzt handeln. Sonst heißt es in naher Zukunft nicht mehr Vorhang auf!, sondern die Leinwände der Kinos bleiben finster.

Das Forum Österreichischer Filmfestivals besteht aus: Alpinale, Crossing Europe Filmfestival Linz, Der neue Heimatfilm Freistadt, Diagonale, espressofilm, FrauenFilmTage, Int. Filmfestival Innsbruck, Internationales Kinderfilmfestival, Jüdisches Filmfestival Wien, KINO UNTER STERNEN, Shortynale, slash Filmfestival, this human world, Tricky Women, video&filmtage, Viennale, VIS Vienna Independent Shorts, YOUKI Int. Jugend Medien Festival.

Assoziierte Filmfestivals: Ethnocineca, K3 Filmfestival, Poolinale.

Lukas Fischnaller

Mag. Lukas Fischnaller | Chefredakteur
Twitter: @lukfis1

Kontakt: lukas.fischnaller(ät)unimag.at

Webseite: www.unimag.at
 

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