BÜCHERBÖRSE

So finden wir Ostrowski, der das Glück sucht

Im Interview mit Disco-Tänzer Peter Bäcker (c) ORF/Saiko Film
Im Interview mit Disco-Tänzer Peter Bäcker

Zuletzt war der beliebte Schauspieler Michael Ostrowski in der österreichischen Komödie „Bad Fucking“ zu sehen. Seit 28. Jänner beschäftigt er sich mit den persönlichen Glücksstrategien verschiedenster Menschen in der TV-Reportage-Reihe „Ostrowski sucht das Glück“, zu sehen jeweils dienstags um 23 Uhr auf ORF 1.

Jede Folge widmet sich einem speziellen Thema. Bisher wurde dem Glück in der Welt des Sex, des Spiels und des Unterhaltungsbusiness nachgegangen. Im Laufe jeder Folge befragt Michael Ostrowski nicht nur verschiedene Menschen zu ihren jeweiligen Tätigkeiten, sondern begibt sich auch mitten in die jeweilige Situation und schlüpft in die dazu passende Rolle. Dabei lernt er etwa die Gepflogenheiten bei einem LAN-Turnier kennen oder eignet sich in knappen Hotpants erotische Tanzbewegungen an einer Pole-Dance-Stange an.

Im Gespräch mit den jeweiligen Glücksrittern neigt Ostrowski manchmal dazu, deren Ansichten mit sarkastischen Bemerkungen von sich wegzustoßen. Es wirkt so, als ob er sich doch nicht vollends auf sie einlassen wolle, um die Idee des Abstands zu wahren. Möglicherweise hat das auch mit seiner persönlichen Einstellung zum Thema Glück zu tun. In einem Interview mit dem ORF-Sendungsverantwortlichen Andreas Vana meinte er nämlich, dass es gar nicht sinnvoll sei, nach dem Glück zu suchen, und dass er sich auch eigentlich nie recht dafür interessiert habe.

Die Sendung sprüht jedoch vor Witz und ist kurzweilig. Die besondere Dynamik entsteht aus dem Zusammenspiel der kreativen, teils absurden Machart der Sendung und des komödiantischen Talents sowie des spitzbübischen Charmes von Michael Ostrowski. So verwundert es auch nicht sonderlich, wenn er einmal auf einem überdimensional großen Spielzeugpferd reitet, während er den Discotänzer Peter Bäcker zu seinen Veitstanz-artigen Eskapaden in der Lugner-City befragt.

Die Auseinandersetzung mit dem Glücksbegriff kommt dennoch zu kurz. Denn die Sendung definiert von vornherein das Glück als etwas, das durch eine bestimmte Tätigkeit gefunden werden kann. Dabei lässt sie jedoch außer Acht, dass es prinzipiell verschiedene Konzepte davon gibt, was Glück eigentlich bedeuten kann und wie eine Art Glückszustand erreicht werden kann. Die Sendung gibt keinerlei Hinweise auf Philosophen wie Platon, Aristoteles, Kant, Nietzsche oder Freud, die sich allesamt mit dem Thema beschäftigt haben. Auch werden Lebenseinstellungen, die zu einem glücklichen Leben führen können, wie die Kontrolle von Emotionen, wie sie im Buch „Was ist Glück“ vom Dalai Lama beschrieben wird, exkludiert.

Weiters findet nur wenig Beschäftigung mit den Aussagen der befragten Personen statt. Beispielsweise wird auf die Frage, ob diese Tätigkeit Glücksgefühle verursache, meist mit Schweigen oder der Gegenfrage „Glück? Was ist denn Glück?“ reagiert. In der Tat könnte Ostrowski ausführlicher Stellung dazu nehmen, warum es so schwer ist, Glück in Worte zu fassen, etwa unter Bezugnahme verschiedener Erkenntnisse oder Literatur. Beispielsweise könnte Mag. Phil Sonia Laszlo, Mitglied im Institut für Europäische Glücksforschung, zitiert werden „Glück ist ein System, das man reizen muss. Wer alles hat, aber darauf vergisst, wird es nicht spüren. Selbst, wenn es da ist“ (Interview mit News, 12/2013).

Natürlich ist es eher schwer möglich, innerhalb einer halben Stunde diese Ansprüche zu erfüllen. Daher wäre eine längere Laufzeit der Sendung sinnvoll.

Das Fazit: Es wurde eine unterhaltsame Sendung mit einem sympathischen Protagonisten geschaffen. Die kreative und witzige Gestaltung der Sendung lässt die Zuschauer und Zuschauerinnen in die jeweiligen Glückswelten der verschiedenen Personen eintauchen, ohne das Bedürfnis zu wecken, sofort das Programm wechseln zu wollen. Allerdings liefert die Sendung eine zu beschränkte Sicht auf das Thema und beschäftigt sich zu wenig mit den Aussagen der befragten Personen.

Isolde Walcher

Isolde Walcher | Redakteurin

isolde.walcher (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

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