BÜCHERBÖRSE

"Fidelio" in der Wiener Volksoper

Stefan Cerny (Rocco), Sebastian Holecek (Don Pizarro),  Marcy Stonikas und Chor (Leonore) aus "Fidelio" (c) Barbara Pálffy/Volksoper
Stefan Cerny (Rocco), Sebastian Holecek (Don Pizarro), Marcy Stonikas und Chor (Leonore) aus "Fidelio"

Die ungeheure Popularität, die Beethovens einzige Oper zu allen Zeiten erfahren hat, macht "Fidelio" zu einer 'Volks-Oper' im besten Sinne des Wortes. Fast auf den Tag genau 200 Jahre nach der Uraufführung der dritten "Fidelio"-Fassung am 23. Mai 1814 präsentiert die Volksoper die erste Neuproduktion nach mehr als 70 Jahren Absenz vom Spielplan. Für die Regie zeichnet Markus Bothe verantwortlich, die musikalische Leitung liegt in Händen der britischen Dirigentin Julia Jones. Premiere ist am Sonntag, 25. Mai 2014 um 19 Uhr

"Ein Engel, Leonoren, der Gattin, so gleich, der führt mich zur Freiheit ins himmlische Reich" (Florestan)

Leonore macht sich in Männerkleidern auf die Suche nach ihrem Mann Florestan, der als politischer Gefangener im Kerker eines Staatsgefängnisses schmachtet. Unter dem Namen Fidelio verschafft sie sich als Kerkergehilfe Zutritt zu Florestans Verließ. Dessen Befreiung gelingt gerade noch rechtzeitig, da Pizarro, der Kommandeur des Gefängnisses, die Tötung seines verhassten Gegners angeordnet hat. Und auch für Leonore/Fidelio selbst spitzen sich die Ereignisse zu, hat sich doch Marzelline, die Tochter des Kerkermeisters Rocco, in sie verliebt. Marzellines und Roccos Vertrauen braucht Leonore zum Erreichen ihres Ziels aber dieses Vertrauen muss sie notwendig enttäuschen. Und welche Pein steht Marzelline bevor, wenn sie erfährt, dass der Bräutigam ihrer Wahl eine Frau ist? Nach Florestans glücklicher Befreiung stimmt auch Marzelline in das heroisierende Lob der Gattenliebe ein, mit dem Leonores unerschütterliche Treue gefeiert wird.

Inspiriert von einer wahren Begebenheit

Die Oper "Fidelio" geht auf eine wahre Begebenheit zurück, die in den Wirren der französischen Revolution während der Terrorherrschaft unter Danton und Robespierre tatsächlich geschah. Die Opernhandlung wurde jedoch nach Spanien in ein Staatsgefängnis "einige Meilen von Sevilla" verlegt, die realen Hintergründe verschleiert. Diese Abstraktion mag dazu beigetragen haben, dass "Fidelio" gewissermaßen von allen Seiten instrumentalisiert wurde. Das Libretto bezieht nicht politisch Stellung, auch wenn es Florestan eindeutig ins Recht setzt: Er wird willkürlich festgehalten, weil er dem Interesse eines Machthabers entgegensteht. Beethoven behandelt in "Fidelio" eine ungeheure Fülle an Themen: Unterdrückung und Gefangenschaft bilden den politischen Hintergrund für die Frage nach dem persönlichen Glück der Figuren. Wählte Beethoven das Ideal der ehelichen Treue als Rettungsanker, nachdem die politischen Utopien eine grausame Realität hervorbracht hatten?

Besetzung

Don Fernando: Günter Haumer
Don Pizarro: Sebastian Holecek
Florestan: Roy Cornelius Smith
Leonore: Marcy Stonikas
Rocco: Stefan Cerny
Marzelline: Rebecca Nelsen
Jaquino: Thomas Paul
u. a.

Weitere Vorstellungen am 28., 30. Mai, 1., 6., 11. Juni 2014

 

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