BÜCHERBÖRSE

Amy Winehouse - Ein Familienporträt

Porträt Amy Winehouse (c) Photofest
Porträt Amy Winehouse
"Being Jewish to me is about being together as a real family… It’s not about lighting candles and saying a brocha." Amy Winehouse 2005.
Das Jüdische Museum London und Amys Bruder Alex und seine Frau Riva haben gemeinsam die Ausstellung "Amy Winehouse – Ein Familienporträt" konzipiert, welche vergangenen Jahres in London zu sehen war. Nun ist diese nach Wien weitergezogen und kann noch bis 20. August 2014 besucht werden.

Jugendlicher Flair

Die Schau ist in drei Räumen untergebracht, welche alle den Eindruck eines Jugendzimmers vermitteln. Es ist hell und freundlich eingerichtet. Ihre Besitztümer wie beispielsweise Schallplatten, Lieblings-Gitarre oder Schuluniform sind ordentlich, liebevoll und harmonisch in Szene gesetzt. Zitate von Amy Winehouse stehen in geschwungener Schrift auf den Wänden und verraten ihre Sicht der Dinge. Die Ausstellung wirft einen Blick auf ihren Charakter, ihre Familie und insbesondere auf ihren tiefen Respekt und Zuneigung für ihre Großmutter Cynthia, mit der sie "rauchen und quatschen konnte, wie mit einem Kumpel". Es wird Einblick in das Leben der süßen, aber rebellischen Amy Winehouse in ihren Jugendtagen gegeben. Dezent geschminkt, ohne Tattoos, mit einem Hang zu cooler Mode und Musik aus den 60er Jahren - so wird sie porträtiert. 

Ganz intim 

Es wird eine Seite von Amy Winehouse vorgestellt, die nur ihre Familienmitglieder kennen. Diese wird unterstrichen durch die vielen Anekdoten ihres Bruder, der mehr über ihr Wesen verrät. Die gezeigten Gegenstände wie beispielsweise ihre Kleidung, Fotografien ihres Bruder bei der bar mizwa (Übergang ins Erwachsenenalter) und eine Karte mit ihren Lieblingsorten geben das Gefühl, sie wäre ein normales Mädchen, ein Mensch wie du und ich. Was auffällt ist, dass kein Wort über ihre Drogensucht verloren wird. 
 

Sensationell

Vor dem Eingang des ersten Raumes ist zu lesen: "Dies ist keine Gedenkstätte, dies ist kein Schrein." Und doch ist diese Ausstellung eine wahrer Schatz für Fans der britischen Sängerin, aufgrund der noch nie veröffentlichten Fotografien und ihrer persönlichen Gegenstände. Weniger interessant ist es allerdings für all Jene, die sich eine intensive Auseinandersetzung mit ihren jüdischen Wurzeln gewünscht hätten. Die Schau soll die Familie und ihr Zusammenhalt als zentrales Element im Judentum verdeutlichen. Jedoch wäre es nicht zu vermuten, dass dieser am stärksten bei der Bewältigung von Problemen zum Vorschein kommen würde? Daher ist es schade, dass die Drogenproblematik und die etwaigen Konsequenzen für die Familie gänzlich weggelassen wurden. 
 
Informationen
Am Judenplatz 8,1010 Wien
Studententicket: 5 Euro (bis 27 Jahre)

Isolde Walcher

Isolde Walcher | Redakteurin

isolde.walcher (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

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