BÜCHERBÖRSE

Das ausschweifende Leben von Dorian G.

Dorian Gray in der Romanverfilmung von 1945 (c) Warner Bros. Ent.
Dorian Gray in der Romanverfilmung von 1945

Dorian Gray hatte alles: außergewöhnliche Schönheit, großes Vermögen und Verehrung in aristokratischen Kreisen. Ein guter Freund von ihm, der Maler Basil Hallward, war mit seinem Äußeren bezaubert und hat ein perfektes Bildnis von dem jungen Mann geschaffen. Im Atelier hat Dorian den Hedonisten und Zyniker Lord Henry Wotton kennen gelernt, unter dessen Einfluss er sich gewünscht hat, dass er nicht nur als Abbild ewig schön bleibt. Das ist auch wahr geworden.

Skandal!

"Das Bildnis des Dorian Gray" von Oscar Wilde ist im Juni 1890 in der "Lippincott’s Monthly Magazine" erschienen und hat sofort Anstoß erregt. Unter zweihundertsechzehn Rezensionen war nur ein Kritiker nicht höchstens empört. Sie haben zum Kampf gegen Sittenverfall aufgerufen und wollten den Autor vor Gericht bringen. "Daily Chronicle" hat diesen Roman sogar "ein giftiges Buch, getränkt in stinkender Atmosphäre voll von moralischer und spiritueller Fäulnis" genannt.

Was war so empörend im "Bildnis von Dorian Gray"?

In erster Linie hat der homoerotische Aspekt des Romans Anstoß erregt. Im viktorianischen England wurde Homosexualität streng angeprangert; Oscar Wilde wurde ein paar Jahre später wegen seiner Beziehung mit einem jungen Lord zu 2 Jahren Schwerstarbeit im Gefängnis verurteilt. Im 1891 erschienenen Buch hat der Autor die entsprechenden Passagen entschärft oder ganz ausgestrichen und besonders diese Version ist heute bekannt.

Dorian Gray hat ein ästhetisches Leben geführt. Sein einziges Ziel war eine fanatische Suche nach neuen sinnlichen Empfindungen, er wollte sein Leben zu einem Kunstwerk erheben. Genau das hat die "Daily Chronicle" als Moral des Buchs verstanden und konnte es nicht akzeptieren.

„Man is half angel and half ape, and Mr. Wilde's book has no real use if it be not to inculcate the "moral" that when you feel yourself becoming too angelic you cannot do better than rush out and make a beast of yourself.”

Oscar Wilde hat sich bemüht, sein Werk zu verteidigen. Zunächst hat er in Briefen an die Presse versucht, die Kritiker von der wahren Moral des Romans (alle Exzesse werden letztlich bestraft) zu überzeugen. Zur Buchausgabe hat er dennoch im Vorwort geschrieben, dass ein Buch nicht moralisch oder unmoralisch sein kann; es kann nur gut oder schlecht geschrieben werden.

Vor drei Jahren hat die Harvard University Press die unzensierte Version veröffentlicht.

 

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