BÜCHERBÖRSE

"Im Lichte Monets" im Unteren Belvedere

Im Lichte Monets Eva Würdinger, (c) Belvedere, Wien
Im Lichte Monets

Claude Monet ist einer jener Künstlernamen, bei denen es bei den meisten klingelt. Der französische Maler war eine Schlüsselfigur für den Impressionismus des späten 19. bzw. frühen 20. Jahrhunderts. Die Orangerie des Unteren Belvedere in Wien widmete ihm und einigen zeitgenössischen österreichischen Künstlern eine Ausstellung mit dem Titel "Im Lichte Monets. Österreichische Künstler und das Werk des großen Impressionisten". 

Betritt man die abgetrennte Ausstellungsfläche, taucht man beinahe in eine andere Welt ein. Die mit dunklen Blau- und Grautönen bemalten Wände sorgen in Kombination mit der sanften Beleuchtung für eine wohlige Atmosphäre, die den Besucher auf die präsentierten Gemälde einstimmt. Es wird eine Vielzahl an Werken gezeigt, auf welchen unter anderem lebendige Gartenlandschaften, schimmernde Wasseroberflächen und harmonische Ansichten sowohl städtischen als auch ländlichen Lebens zu sehen sind. Farbenprächtige Gemälde Monets nehmen ihren Platz neben Bildern von österreichischen Künstlern wie beispielsweise Gustav Klimt, Theodor von Hörmann, Marie Egner und Olga Wisinger-Florian. Es werden außerdem auch Fotografien gezeigt, die zu einem breiteren Verständnis der Kunst dieser Zeit verhelfen.

Impressionismus = lat. für Eindruck

Der (zunächst abschätzig gemeinte und von einem Kunstkritiker geprägte) Begriff 'Impressionismus' entfaltet erst bei der Betrachtung dieser und ähnlicher Gemälde seine volle Bedeutung: hier geht es im wahrsten Sinne des Wortes um einen Eindruck, der im Bewusstsein eines jeden Besuchers haften bleibt. Führende Maler des späteren Expressionismus und der abstrakten Kunst schätzten bereits Monets Fähigkeit, in seinen Werken etwas zu schaffen, das über eine gegenständliche Darstellung weit hinausgeht und von einer tiefen Sensibilität für Natur, Lichteinfall und Farben zeugt. Diese Behauptung wird besonders anschaulich in einer Serie von Ansichten der Waterloo Bridge in London, die Monet zu Beginn des 20. Jahrhunderts malte. Man glaubt kaum, dass es sich bei den Bildern dieser Serie um ein und dieselbe Brücke handelt: mit größter Virtuosität fängt der Maler Bild für Bild die flüchtige Einzigartigkeit des Anblicks ein. 

Im letzten Raum hängen vier große Leinwände von Max Weiler, die einen auf ersten Blick ganz anderen, jedoch in seinem Grundkonzept dem des französischen Malers Monet verwandten Zugang zur Natur bezeugen. Hier wird dem Betrachter nahegelegt, sich gänzlich auf die vor Lebendigkeit strotzende Landschaft einzulassen und sich in sie zu versenken – etwas, das Monet seiner Zeit in seinen großformatigen Seerosenbildern anstrebte. Während dies Monet mit der ihm üblichen Feinfühligkeit für das Zusammenspiel von Licht und Farbe verwirklichte, interpretierte es Weiler auf seine ganz eigene Art um und setzte somit den künstlerischen Dialog fort. Die Besucher werden somit zur Reflexion über die unterschiedlichen Facetten impressionistischer Malerei angeregt.

Die Ausstellung ist zwar recht überschaubar in ihrer Größe, büßt jedoch nichts an Aussagekraft ein, zumal dem Betrachter ein umfassender Blick für impressionistische Gemälde dieser Zeit dargeboten wird. Leider läuft sie nur mehr bis zum 8. Februar, aber ein Besuch lohnt sich allemal!

 

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