BÜCHERBÖRSE

Viennale: Filmende!

A Dangerous Method Filmstill c ViennaleDie Viennale 2011 ist Geschichte. 

Nachdem man in den vergangenen zwei Wochen das ganze Spektrum des Filmeschaffens, vom tiefgründigen Genre-Kino Soi Cheangs über zahlreiche Dokumentationen, Mockumentaries, Kurzfilme und der kompletten Ausstrahlung einer Kurzserie bis hin zu einer sechsstündigen Arbeit eines Regisseurs von den Philippinen bestaunen konnte ,kehrt nun wieder Normalität in die Wiener Kinosäle und Wehmut in die Herzen der heimischen Cineasten zurück. Entsprechend feiert auch unsere diesjährige Berichterstattung den Abschied, der euch mit David Cronenbergs Carl Jung-Biopic „A Dangerous Method“, der dänisch-isländischen Charakterstudie „Eldfjall“, und dem Politthriller „The Ides of March“ versüßt wird.

Wo sind Sie, Herr Cronenberg?
David Cronenberg hat sich mit Filmen wie „Crash“ oder „Naked Lunch“ als einer der eigenständigsten Regisseure des modernen Kinos etabliert. Sein neuester Streifen wurde auf der Viennale derart begeistert erwartet, dass aufgrund der großen Nachfrage noch eine Sonderveranstaltung arrangiert wurde. „A Dangerous Method“ heißt das Werk und handelt von den Psychoanalytikern Carl Jung (Michael Fassbender), Sigmund Freud (Viggo Mortensen) und Sabina Spielrein (Keira Knightley). Im Mittelpunkt steht das Verhältnis zwischen der anfänglichen Patientin Spielrein und ihrem behandelten Arzt Jung.

„A Dangerous Method“ überzeugt in erster Linie durch sein Drehbuch. Vor allem die Dialoge zwischen Carl Jung und Sigmund Freud sprühen nur so vor Intellektualität und erhalten den Film am Leben. Enttäuschend ist aber, dass der Film eher wie ein gefilmtes Theaterstück als wie ein klassischer Cronenberg wirkt. Knappe zwanzig, teilweise sehr anspruchsvolle und langsam erzählte Filme lang schaffte ich es, ohne Einschlafen durch die diesjährige Viennale zu kommen. Gegen „A Dangerous Method“ war aber auch ich machtlos. Eigentlich hat man es hier mit keinem schlechten Film zu tun, die theaterähnliche Inszenierung des weitgehend anonymen Regisseurs ermüdet aber doch sehr.

Einfühlsames Drama ohne Originalität
In „Eldfjall“ erkennt der frische Pensionist Hannes, dass er sich mit seinem mürrischen Verhalten über Jahre hinweg den Hass seiner Eldfjall c ViennaleKinder zugezogen und die bedingungslose Liebe seiner Frau Anna kaum verdient hat. Gerade als Hannes beginnt, sich zu bessern, erleidet Anna einen schweren Schlaganfall, der sie wie eine lebende Tote ans Bett fesselt und jegliche Kommunikation mit ihr unmöglich macht.

Obwohl man den Plot schon zu gut kennt, fällt es schwer ihm nicht zu verfallen. Natürlich ist es traurig, einen alten Mann dabei zu beobachten, wie er, ohne Chance gegen die Zeit und den Kreislauf des Lebens, versucht, alte Fehler wieder gut zu machen. Dass die altbewährte Formel auch hier zumindest halbwegs gut funktioniert, liegt aber weniger an der wenig originellen Inszenierung von Rúnar Rúnarsson, als am großen Schauspiel von Hauptdarsteller Theódór Júliússon.

Clooneys Starensemble kämpft gegen naiven Plot
The Ides Of March Filmstill c ViennaleDer offizielle Abschlussfilm der Viennale 2012 war „The Ides of March“ von und mit George Clooney. In dem mit Stars überfülltem Politthriller sollen die Kampagnenleiter Stephen (Ryan Gosling) und Paul (Philip Seymour Hoffman) dafür sorgen, dass Senator Morris (George Clooney) zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten gewählt wird. Der Sieg in der Präsidentenwahl selbst wäre dann ohnehin garantiert, da die Republikaner keinen vernünftigen Kandidaten stellen könnten.

Genau hier fängt das Problem des Filmes auch schon an. Entweder versteht sich „The Ides of March“ als reiner Unterhaltungsfilm oder Clooneys Interpretation der modernen Politik ist tatsächlich so primitiv, dass er Republikaner im Allgemeinen für eine nicht ernst zu nehmende Bande von Idioten und die Demokraten als eine von Intrigen bestimmte Ansammlung Intellektueller versteht. So oder so hinterlässt es einen faden Beigeschmack. Nichtsdestotrotz bietet der Film aber solide Spannung, genügend Humor und einen wahrlich exzellenten Cast.

Michael Leitner

Michael Leitner | Redakteur & Community-Betreuer Gewinnspiele

michael.leitner (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Oktober 2011

 

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