BÜCHERBÖRSE

Überlebenskünstler in Extremen

Gecko c Experimentarium-Center for science and technology communicationExtreme Hitze, extreme Kälte, Sauerstoff- beziehungsweise Wassermangel oder vollkommene Dunkelheit – Extremfaktoren, die es uns Menschen in bestimmten Regionen unmöglich machen, überleben zu können. Einige Tiere hingegen schaffen das – sie leben in Extremen. 

Genau mit diesen Überlebenskünstlern beschäftigt sich die neue Sonderausstellung „Xtremes“ im Naturhistorischen Museum in Wien. In den einzelnen Schauräumen begegnet man den verschiedensten Arten, die in Extremlagen zurechtkommen müssen. Wie beispielsweise die mongolische Rennmaus, die durch die in der Wüste herrschende große Hitze dazu gezwungen ist, ihren Flüssigkeitserhalt streng zu kontrollieren. Sie gibt deshalb pro Tag nur wenige Tropfen Urin ab. Neben dem Beobachten der Rennmäuse selbst kann deren tägliche, abgegebene Urinmenge mit der von Menschen und anderen Lebewesen in einzelnen Behältern verglichen werden.

Auch das Kamel muss in großer Hitze überleben. Dazu kann es auf einmal 200 Liter Wasser aufnehmen, damit das Geweben mit Feuchtigkeit versorgen und bis zu zwei Wochen ohne Flüssigkeit auskommen. Wie lange das Kamel dazu braucht, sich eine erheblich große Wassermenge anzutrinken, kann man im Museum direkt selbst ausprobieren. 

Von extremer Hitze gelangt man weiter zur extremen Kälte. Eine Infrarot-Kamera sowie eine kleine Windanlage laden zum Testen ein. Wie der eigene Temperaturhaushalt aussieht und welche Temperatur man bei unterschiedlichen Windgeschwindigkeiten spürt, kann erprobt werden. Zugleich wird man informiert über jene Tiere, die in der Kälte überleben. Der Eisbär beispielsweise erreicht einen minimalen Wärmeverlust durch seine Größe und sein Gewicht – die Größe hilft ihm, viel Wärme zu produzieren, und die Dicke dient der Isolation. Und auch der Seehund profitiert von seiner 5cm dicken Fettschicht, die den Körper im Inneren warm hält.

Schildkrte c Experimentarium-Center for science and technology communication
Schließlich geht es zu Tieren, die in vollkommener Dunkelheit oder in Regionen mit geringem Luftdruck leben und überleben. Der Tiefseeangler zählt zu jenen, die sich aufgrund Reaktionen der körpereigenen chemischen Substanzen mit Sauerstoff selbst mit Licht versorgen. In der Tiefsee hilft ihm das nicht nur beim Beutefang, sondern auch beim Anlocken potentieller Partner.
 
Yaks gehören ebenfalls zu Überlebenskünstlern der besonderen Art. Größere Lungen als gewöhnliche Rinder und eine elastischere Luftröhre ermöglichen es ihnen, so viel Luft wie möglich pro Atemzug aufzunehmen und damit in den hohen Regionen, in denen sie sich aufhalten, leben zu können. Im Vergleich zu Streifengans und Yak kann man hier die eigene Lungenkapazität testen und erfahren, wie viel Sauerstoff pro Atemzug ausgestoßen wird.
 
Ob also Fettschichten, eigens produzierte Frostschutzmittel und warme Pelze, die unter dem Video-Mikroskop untersucht werden können, oder aber große Lungenkapazitäten, Wasserspeicher und körpereigene Lichtversorgung in tiefsten Gewässern – die Ausstellung bietet einen Querschnitt durch alle möglichen Tierarten, die in extremen Regionen überlebensfähig sind.

Besonders überzeugt die Sonderstellung durch ihre Interaktivität und begleitende Geräuschkulisse. Überall kann etwas ausprobiert und ertastet werden, überallhin wird man von Tierlauten und Hintergrundgeräuschen begleitet. Den eigenen Wärmehaushalt untersuchen, Windgeschwindigkeiten und unterschiedliche Temperaturen an den Händen spüren, literweise Wasser in ein Kamel pumpen und vieles Mehr erwartet einen also beim Rundgang durch „Xtremes“.


„Xtremes – Leben in Extremen“
Sonderausstellung im Naturhistorischen Museum
28. Oktober 2011 bis 26. April 2012

Ticketpreis: 5 Euro (Studenten bis 27 Jahre), 10 Euro (Normalpreis)

Stefanie Jennel

Stefanie Jennel | Redakteurin

stefanie.jennel (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2011

 

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