BÜCHERBÖRSE

MAGRITTE und sein Schaffen

Ren Magritte Die Liebenden- Les Amants 1928 New York The Museum of Modern Art. Gift of Richard S. Zeisler c Charly HERSCOVICI Brssel - 2011 c VBK Wien 2011Noch bis 26.Februar 2012 sind über 100 Werke René Magrittes in der Wiener Albertina zu bestaunen. Darunter finden sich Werke aus seinen Anfangszeiten sowie den einzelnen Stadien seines Werdeganges. Von Gemälden bis über Zeichnungen, Fotografien und Filmausschnitten erhält man hier einen Einblick in Magrittes Mysterium der Wirklichkeit.

Das Trauma einer Kindheit

René Magritte wurde am 21.November 1898 in Belgien geboren. Dass sich seine Mutter im Jahr 1912 das Leben nahm, ist nicht nur ein äußerst traumatisches Ereignis für Magritte, sondern zeigt sich auch immer wieder in einzelnen Bildern. Die verhüllten Köpfe beispielsweise im Werk „Die Liebenden (Les Amants)“ von 1928 deuten auf den Tod der Mutter hin, die ertränkt aus einem Fluss geborgen wurde und dabei ein Nachthemd über ihren Kopf geschlungen hatte.

Auch in vielen anderen Bildern spielt die Anonymität der Menschen, die Magritte zeigt, eine große Rolle. Oftmals werden sie gesichtslos oder erstarrt dargestellt. Dabei spielt er mit Formen der Verschleierung und Enthüllung. Nicht selten ersetzt ein Gegenstand einen Kopf oder ein Gesicht. Figuren werden zu Objekten. „Fehlende Portraits“ werden diese Werke genannt, die nicht nur Distanziertheit der abgebildeten Figuren, sondern auch ein gewisses Verlorensein symbolisieren.

Magrittes surrealistische Arbeitsweise

„Ein merkwürdiges Zusammentreffen von Dingen kann für einen Menschen zu einer Offenbarung werden: zur Gewissheit, dass es Tatsachen gibt, die wir nicht sehen können.“ (René Magritte)

In seiner Jugend arbeitet Magritte als Plakat- und Werbezeichner. Dabei entwirft er Werbesujets für Produkte des alltäglichen Gebrauchs, was ihm wenige Freiheiten in seinen surrealistischen Darstellungen erlaubt. Erst als er 1931 gemeinsam mit seinem Bruder das Studio Dongo gründet und von nun an Schaufensterdekorationen, Reklameschriften und Werbetexte erarbeitet, kann er seine bekannten Motive wieder einfließen lassen.

Ren Magritte Das Reich der Lichter LEmpire des lumires 1950 New York The Museum of Modern Art. Gift of D. and J. de Menil c Charly HERSCOVICI Brssel - 2011 c VBK Wien 2011

Typische Gestaltungsmuster des Künstlers sind die Darstellung von Gegenständen in unrealistischen Größenverhältnissen, die Verwandlung lebloser Materie in lebende und die Wiedergabe gewöhnlicher Alltagsgegenstände in ungewöhnlichen Kontexten. Oft setzt er inhaltlich zusammenhanglose Objekte miteinander in Verbindung und bringt sie in eine willkürliche Ordnung. Immer wieder auch spielt er mit Wiederholungen und Gegensätzen, beispielsweise mit dem Gegensatz von Tag und Nacht, zu sehen im Werk „Das Reich der Lichter (L`Empire des lumières)“ aus dem Jahr 1950.

Wie sich die Bedeutung eines Gegenstandes unserer Wirklichkeit konstituiert

Magritte ist der Meinung, dass jedes Bild beim Betrachter einen Schock der paradoxen Begegnung von einander ungleichen Figuren oder Objekten auslöst. Er will mit seinen Werken neue Erkenntnisse und darauf basierend neue Zusammenhänge schaffen, die sich aus der Kombination von Dingen erschließt. Dadurch, dass er Teile von Alltagsgegenständen beispielsweise durch andere Objekte oder abstrakte Muster ersetzt, verlieren diese ihre ursprüngliche Bedeutung. Denn: Jedes Abbild ist nur eine Abstraktion der Wirklichkeit.

Bild- im-Bild und die Darstellung der Frau

Ganz berühmt sind seine Bild-im-Bild-Werke. Durch Fensteröffnungen, Bilderrahmen oder Vorhänge macht er einzelne Ebenen sichtbar.

Ren Magritte Der Kuss Le baiser 1951 Houston Museum of Fine Arts c Charly HERSCOVICI Brssel - 2011 c VBK Vienna 2011

 

In diesen Bildern überlagern sich Wirklichkeit und Illusion, die Wirklichkeit wird hinterfragt und der Schleier, hinter dem wir Magritte zufolge unsere Welt wahrnehmen, ein Stück weit gelüftet.

 

Auch die Frauendarstellung ist bei Magritte eine besondere. Er sieht sie als Symbol des Ursprungs der Welt. Anfänglich zeigen die Darstellungen noch hauptsächlich nackte, puppenartige Frauenfiguren als Stellvertreterinnen der menschlichen Individuen. Während des 2.Weltkrieges aber entwickeln sie sich in eine andere Richtung. In dieser Zeit erlebt Magritte eine Stiländerung. Er will die schönen Seiten des Lebens hervorbringen und zeigt impressionistische Bilder in grellen Farben, erotische Frauen und harmonische Landschaften – immer aber noch sind seine Bildthemen im surrealistischen Bereich angesiedelt.

 

Mit all seinen Werken plädiert René Magritte für die Freiheit des Denkens, für die Unabhängigkeit von Gewohnheiten und Erfahrungen und fordert damit ein unvoreingenommenes Sehen und Betrachten.


Info:
Ausstellung: MAGRITTE
9. November 2011 – 26. Februar 2012
Preis: Erwachsene 11 Euro, Studenten 8 Euro
www.albertina.at

Stefanie Jennel

Stefanie Jennel | Redakteurin

stefanie.jennel (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2011

 

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