BÜCHERBÖRSE

Gedanken zur Woche - Ein Kommentar von Isolde Walcher

Die Woche hat es ja in sich. Wie einige wissen, ist ja Holocaust-Gedenkwoche. Heute ist der internationale Holocaust-Gedenktag. Wie noch mehr bereits durch die großen Medien erfahren haben, findet an diesem Tag der Wiener Korporatisten Ball (WKR-Ball) statt, den wie jedes Jahr viele Burschenschaften und rechte Politiker besuchen werden.

Eine Provokation, ein Affront, eine bodenlose Frechheit sagen viele. Terminlicher Zufall heißt es. Alles andere sei haltlos und dumm. Spannend ist, dass der WKR-Ball zum letzten Mal in der Hofburg statt finden wird. Das haben scheinbar immerhin die jährlichen Proteste gegen den Ball erreicht. Proteste der Ballbesucher wurden bis jetzt nicht erhört, aber das der Ball zum letzten Mal in der Hofburg stattfindet, scheint zu wackeln. Irgendwo logisch, entgeht mit dieser Veranstaltung sicher ein Batzen Geld. Als verächtlich geschimpfter Verschwörungstheoretiker könnte man sagen, dass der terminliche Zufall ein versteckter Protest gegen die Kündigung des Balls in der Hofburg war.

Terminlicher Zufall. Das muss man sich doch auf der Zunge zergehen lassen. Terminlich und Zufall. Trotzdem bleibt die Frage, warum es denn überhaupt sein kann, dass man Zufall als eine gute Begründung anerkennt. Alles nur reine Interpretation: Zufall = Es hat sich so ergeben = Es ist eigentlich nicht so wichtig. Wie kann es sein, dass gerade diese zwei gegensätzlichen Ereignisse auf einen Tag fallen können.  Man könnte fast annehmen, dass der Holocaust-Gedenktag einfach nicht im Bewusstsein der Koordinatoren war oder vielleicht war es auch egal in der Planung. Irgendwie schon tragisch? Oder ist es okay, nachdem der Holocaust ja schon über 60 Jahre her ist. Es ist Vergangenheit, oder?

Andererseits seien wir uns ehrlich, würden wir denn wissen, dass am 27. Jänner der internationale Holocaust-Gedenktag ist, wenn nicht zufällig der WKR-Ball am selben Tag stattfinden würde? Österreichs Gedenktag ist der 05.Mai aufgrund der Befreiung von Mauthausen. Begeht denn am 05. Mai irgendjemand von uns bewusst diesen Holocaust-Gedenktag? Ist es vielleicht sogar „gut“ unter Umständen, dass der WKR-Ball am Holocaust-Gedenktag stattfindet, weil uns so ins Bewusstsein kommt, dass es so etwas wie einen Holocaust-Gedenktag überhaupt gibt?

In Verbindung mit dem WKR-Ball sorgte die Entscheidung der österreichischen UNESCO-Kommission, den WKR-Ball in die Liste des immateriellen Kulturerbes, nämlich als Wiener Ball, aufzunehmen für große Aufregung. UNESCO, eine Unterorganisation der UNO, die in unseren Köpfen dafür einsteht, niemanden aufgrund der Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht etc. zu diskriminieren und ihre Rechte zu schützen. Salopp gesagt, Gleichberechtigung als Grundsatz. Die Leiterin der österreichischen Kommission meinte dazu, dass der Fachrat die Entscheidung neutral treffen würde (siehe Standard). Und das ist tatsächlich eine Sache, worüber man genau und fair nachdenken sollte. Einerseits würde man sagen, der WKR-Ball als solches erfüllt vermutlich die Kriterien eines Wiener Balles und kann somit in die Liste aufgenommen werden. Weiters sind die Gäste des WKR-Balls vermutlich nur teilweise Burschenschaften und rechte Politiker, wohl bleibt zu hoffen, nicht alle. Und weiters – Gleichberechtigung – so schwer es fällt. Gleichberechtigung bedeutet auch, dass jeder Mensch unabhängig seiner parteilichen Einstellung das gleiche Recht bekommt und nicht wegen seiner Überzeugung diskriminiert wird. Andererseits ist es natürlich schwer diese reine Gleichberechtigung auch zu vertreten, wenn es um Leute geht, die gegen das sind, wofür man selbst ist, bzw. teilweise gegen den Grundsatz der UNESCO verstoßen, Menschen unabhängig ihres Status, Landes, Religion auf gleicher Ebene zu begegnen.

Die Aufregung und der Aufschrei gegen die Aufnahme des Balls in die Liste des immateriellen Kulturerbes hat nun ironischerweise dazu geführt, dass die gesamte Liste des „Wiener Balls“, also auch Opernball, Zuckerbäckerball gestrichen wurde. Einer Wiederaufnahme mittels einer abgeklärten Liste des „Wiener Balls“ steht jedoch nichts im Wege. - Eigentor, Eigentor, lächeln da wohl die rechten Politiker. Das hat die linke Bagage davon. - So zumindestens könnte man sich den Gedankengang vorstellen. Irgendwie auch nachfühlbar, da wird protestiert, dass ein Ball vom immateriellen Kulturerbe gestrichen wird, und dann werden gleich alle gestrichen. So hatte man sich das bestimmt nicht vorgestellt. Auch wenn die SPÖ diese Entscheidung begrüßt.

Völlig aus der Luft gegriffen und überaus zusammenhangslos sei noch zu erwähnen, dass Heinz Christian Strache ein goldenes Ehrenzeichen mit einem Stern für besondere Dienste für die Republik Österreich verliehen bekommt. Welche Dienste? Dass er Hetz-Wahlkampagnen gegen Österreicher mit Migrationshintergrund macht? Bravo. Wenn das kein Grund zum Zweifeln ist.

Isolde Walcher

Isolde Walcher | Redakteurin

isolde.walcher (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

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