BÜCHERBÖRSE

Tragische Reise in die Nacht

Die Tyrones leben eher einen Alptraum als ein harmonisches Familienleben c Moritz SchellDie lebenslange Morphiumsucht der Mutter, die Alkoholsucht des Vaters und die unerfüllte Sehnsucht nach Liebe der beiden Söhne macht „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ zu einem der wohl emotionalsten und tragischsten Theaterstücke, die in Wien zu bestaunen sind.

„Wie könnte einer von uns je vergessen“

Vom Beginn eines Tages bis nach Mitternacht erleben die Zuschauer das Familienleben der Tyrones. Der Vater alkoholabhängig und krankhaft geizig, die Mutter dem Morphium zugeneigt und die Söhne stets im Zwiespalt zwischen der Sorge um die Mutter und dem Hass auf den Vater. Zunehmend erfährt man mehr von ihren Problemen. Ein verlorenes Kind, dessen Tod dem ersten Sohn James zugeschrieben wird, ein Arzt, dessen billige Methoden einer kompetenten Behandlung vorgezogen wurden, um Geld zu sparen und das leidige Thema des Versagens. Jeder misstraut jedem und jeder beschuldigt den jeweils anderen, an der misslichen Lage der Familie schuld zu sein. Bis das Ende der Nacht schließlich ein paar wahre Gefühle hervorbringt, von denen man kaum geahnt hat.

„Du verdienst immer noch mehr, als du wert bist“

Das autobiographische Stück von Eugene O`Neill handelt von seinem eigenen Leben, seiner Familie und den Problemen, mit denen er jahrelang konfrontiert war. Bereits 1941 ist es entstanden, durfte aber erst Jahre nach dem Tod des Autors publiziert werden.
Im Josefstadttheater sorgt Regisseur Torsten Fischer dafür, dass Neills Familiendrama zu sehen ist. Mit einer düsteren Bühnenausstattung und den vier einzigartigen Schauspielern Helmuth Lohner, Ulli Maier, Markus Gertken und Michael Drangl.

O`Neills Theaterstück, bei dem nicht nur ordentlich die Fetzen, sondern auch die Teller fliegen, ist noch bis 26.Mai im Theater in der Josefstadt zu sehen.

Infos unter:
www.josefstadt.org

Stefanie Jennel

Stefanie Jennel | Redakteurin

stefanie.jennel (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2011

 

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