BÜCHERBÖRSE

Museum des Monats: Gruselige Abkühlung

Museum des Monats: Gruselige Abkühlung Bild: Foltermuseum

Ein „cooler“ Tipp für alle Daheimgebliebenen und Heimgekehrten: Wer an den letzten heißen Tagen dieses Sommers der Hitze entfliehen will, kann sich im Foltermuseum eine schaurige Abkühlung holen.

Schon von Weitem lässt sich der rote, etwas verschwommene Schriftzug des Foltermuseums, mitten im Esterhazypark des sechsten Wiener Gemeindebezirkes, erspähen. Der Eingang ist allerdings mehr als unscheinbar. Eine kleine Blechhütte dient als Überdachung jener Stufen, die hinunter in den Luftschutzbunker des 2. Weltkrieges führen. Dort finden die über 100 Exponate ihren Platz. Bereits beim Hinabschreiten der Treppe könnten nicht allzu Mutige abgeschreckt werden. Die Wände sind schwarz, die Luft wird immer kühler und Geräusche ertönen aus dem Untergrund. Danach wird die Atmosphäre etwas freundlicher, wenn auch nicht gerade wärmer. Die Kassa befindet sich ebenfalls im Keller, Studierende zahlen einen ermäßigten Preis.

Zwischen Schandflöte und Beinschraube

Der Rundgang führt zuerst in einen Simulationsraum, welcher die Bombenattacken des 2. Weltkrieges den Besuchern und Besucherinnen akustisch verdeutlicht. Dann geht es den Gang entlang zu den verschiedenen Ausstellungsstücken, welche die Geschichte der Folter von der Antike bis in die frühe Neuzeit nachzeichnen. Ob Streckleiter, Pendel, Schandflöte, Schandmaske, Beinschraube, Daumenschraube oder Brandeisen, ein Folterinstrument erscheint grausamer als das andere. Lichtspiele sowie Geräusche vertiefen das durch diesen Anblick entstehende Schaudern. Der ausgestellte Stachelstuhl beispielsweise ist eine Rekonstruktion aus Fragmenten des 17. Jahrhunderts und sieht genauso furchteinflößend aus, wie er sich anhört. Nebenbei erfährt man auch einige interessante Details aus der Geschichte oder wusstet ihr, dass Daniel Defoe 1703 in wohl der vorlufer zum modernen waterboarding c foltermuseum wienLondon für seine Satiren am Pranger, genauer gesagt am Marktpranger, stehen musste?

Folter ist Vergangenheit?

Schließlich führt der Gang entlang eines Scheiterhaufens sowie Darstellungen von Gottesurteilen und des Henkeramtes zur Guillotine. Auch ihr Vorgänger, das Fallbrett, lässt sich in aller Nähe betrachten.  Von deren Grausamkeit überzeugt ihr euch am besten selbst. Zu allerletzt wird eine Sonderausstellung von Amnesty International über die heutigen Foltermetoden und Formen der Todesstrafe gezeigt. War der Rundgang bisher  schon alleine wegen der Figuren, die mit ihren Grimassen nicht immer einen schaudernden Eindruck vermitteln, noch schaurig-amüsant, so wird er spätestens hier bitterer Ernst. Enthauptungen durch Schwerter, Steinigungen, Genitalverstümmelungen bei Frauen, das alles sind Formen der Folter und sie sind bis heute Realität.

Die besucherfreundlichen Öffnungszeiten sind auf jeden Fall ein Grund, die Ausstellung zu besuchen. Allzu lange dauert der Rundgang auch nicht, der Gang durch den Keller ist schnell abgeschritten. Für eine kurze Abkühlung, die zum Nachdenken anregt, ist das Museum daher äußerst empfehlenswert.

Weitere Informationen

Öffnungszeiten: Täglich von 10:00-18:00 Uhr

Fritz-Grünbaum-Platz 1, 1060 Wien

Tel.: 01/5954577

Eintrittspreis für Studierende: 4,50 € (regulär: 6 €)

www.folter.at

Jutta Zegermacher

Jutta Zegermacher | Redakteurin

jutta.zegermacher (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

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