BÜCHERBÖRSE

Die Raunzer-Kolumne II

Festgelegte Gruppenkonstellationen sind echt zum kotzen. Ich hass das, neu zu sein. Und dann zu einem Festl zu gehen, bei dem jeder jeden schon mal beim kotzen zugeschaut hat, weil sie so eng miteinander sind und sich schon seit Jahren kennen.

Wobei, ich ja ned scharf drauf bin, so intim mit denen zu sein. Aber wirklich. Ich nehm die Rolle der Ausstehenden an, und frag die 0815-Fragen. Wie heißt du? Woher kommst du? Wohin willst du gehen? Studierst oder arbeitest du? Aha, wie interessant, und was machst du da genau? Was machst du in deiner Freizeit? Und da, wie ich gemein sage, trennt sich das Wasser vom Bier. Es ist immer erstaunlich die Reaktionen zu betrachten, wenn man anfängt sich in die soziale Rolle einzufühlen. So ist es zum Beispiel interessant festzustellen, dass bei der Frage „Was studierst du“ verschiedene Reaktionen zu beobachten sind, die ich gerne in folgende Typen einteile: 

Der/Die Dankbare
Auf die Frage hin „Was studierst du“, kommt Leben in diesen Typen. Seine/Ihre Augen strahlen und man merkt förmlich, wie alles nur aus ihm heraussprudeln wird binnen weniger Minuten. Einfach, weil der/diejenige schon längere Zeit in der Gruppe ignoriert wurde, und sich nicht von sich aus einfügen konnte, aber wollte. Der/Die Dankbare wird nun viel erzählen. Einige von ihnen schaffen es sich in die Gruppe zu integrieren und viele Folge-Gespräche zu generieren. Bei manchen ist es aber jedoch ein One-Hit-Wonder. Eine Frage gestellt, eine Antwort gegeben. Und dann ward nicht mehr viel von dieser Person gehört.

Der/Die Abwinkende
Gerade bei dieser bestimmten Frage „Was studierst du“, kommt öfters ein fast unhörbares Seufzen oder ein innerliches Abwinken. Dieser Typ möchte nicht gerne auf die Frage antworten, weil er/sie sich nicht mit der Situation auseinander setzen möchte. Entweder er/sie ist unzufrieden mit der Wahl des Studiums bzw. Arbeit oder er möchte in seiner Freizeit nichts von diesem Thema wissen. Deswegen kommen nur knappe Antworten. Wenn der Fragesteller fragend schaut, kommen eventuell noch ein paar flapsige Erklärungen, um die knappen Antworten zu rechtfertigen, um dann in quasi bedrückendes Schweigen zu verfallen.

Der/Die Anspruchsvolle
Menschen aus dieser Kategorie wollen nicht aus reiner Höflichkeit nach der Studien- oder Berufswahl gefragt werden. Ihre Ansprüche setzen ein wenig bis volles Interesse für die Antwort voraus. Deswegen sind diese Menschen auch etwas aggressiv bzw. miesmutig gestimmt, sollten sie die Absicht der Frage bemerken. Die Reaktion darauf ist ebenfalls höfliches, knappes Antworten.

Und es gibt vermutlich noch viele andere Typen, bzw. abweichende Varianten, die ich jedoch aufgrund von Einfalllosigkeit nicht näher erläutern kann.

Fazit: Es ist einfach mühsam sich bestehenden Gruppen anschließen zu wollen. Es ist zach, wenn man immer die Erzählungen der vergangenen Erlebnisse hört, aber niemand mehr offen ist für neue Erlebnisse mit neuen Leuten. Es nervt. ECHT!

Isolde Walcher

Isolde Walcher | Redakteurin

isolde.walcher (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

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