BÜCHERBÖRSE

Museum des Monats: Prothesen, Füllungen und Co.

Zahnarztpraxis aus 1870 Bild: (c) Zahnmuseum Wien
Zahnarztpraxis aus 1870

Ob Elefantenzähne, Elfenbeinprothesen oder der Kieferchirurg von Sigmund Freud – im Zahnmuseum des neunten Wiener Gemeindebezirks lässt sich so allerhand entdecken. UNIMAG hat sich für euch schlau gemacht.

Unweit vom Campus führt ein Hof von der Währingerstraße zum Zahnmuseum an der Medizinischen Universität Wien. Von außen unscheinbar, verstecken sich in den Gemäuern einzigartige Ausstellungsstücke, welche die Geschichte der Zahnheilkunde veranschaulichen. Zum studierendenfreundlichen Preis von zwei Euro kann man hier in die Vergangenheit eintauchen. Bereits im Flur schmücken Bilder von wandelnden Zahnärzten die Wände. Nach Johannes Kirchner, dem Verantwortlichen des Museums, ist es nicht das Anliegen, alte Sachen zu sammeln, sondern das Leben in seiner Funktionalität zu zeigen. Am liebsten würde er aus dem Museum eine Art Kulturzentrum schaffen, wenn er die nötigen Mittel dafür hätte.

Beginnend bei Georg Carabelli, der bereits im Jahre 1821 Vorlesungen über „Zahnarzneykunde“ an der Universität Wien - der heutigen Akademie der Wissenschaften - hielt, erzählt das Museum nicht nur über die Geschichte des Faches, sondern auch über seine wissenschaftliche Etablierung. Carabelli sammelte seinerseits schon alte Stücke, welche den Beginn der Sammlung darstellen. Auch über Zahnfehlstellungen machte er sich bereits damals Gedanken und entwickelte zahnspangenartige Apparaturen. Moriz Heider wird in der Ausstellung ebenfalls Platz eingeräumt. Ihn kennen nur die wenigsten Fachkundigen, obwohl er Mitglied der Gesellschaft der Ärzte war und eifrig in verschiedensten wissenschaftlichen Zeitschriften publizierte. Nach Erzählungen traf er Carabelli auf einen Ball, der ihm eine Stelle als Assistent anbot. Heider brachte sich überall ein, er wollte die Zahnheilkunde in der Medizin etablieren und  hatte für Studenten stets ein offenes Ohr. Gemeinsam mit Carl Wedl veröffentlichte er einen Atlas zur Pathologie der Zähne. Philipp Steinberger führte die Ideen und die Sammlung Heiders weiter.

Ein weiterer Raum beherbergt in seinen für damals typischen bunten Wänden eine Zahnarztpraxis aus dem Jahre 1870. Obwohl der rote Behandlungsstuhl sehr edel wirkt, wurde damals alles andere als „hygienisch“ gearbeitet. Der Zahnarzt wusch sich nach der Behandlung eines Patienten nicht die Hände, sondern trocknete sich lediglich ab und widmete sich schon dem nächsten. Der Spucknapf war ein einfaches Gefäß, das ausgeleert wurde, wenn es voll war.

Darüber hinaus lassen sich Zahnarztstühle aus verschiedenen Epochen betrachten. Die Wände informieren über die Geschichte der Zahnklinik, die 1890 gegründet wurde. Erst  1927 wurde sie hier im ehemaligen Garnisonsspital untergebracht.  Das erste Röntgengerät der Zahnklinik (mit einer Belichtungszeit von acht Minuten!) kann man ebenfalls im Museum bewundern. Die Tätigkeit des Zahnarztes war in der Zeit von Carabelli und Heider im Wesentlichen das Zahnreißen, Füllungen wurden nur selten mit minderwertigen Materialien wie Blei gemacht. Wer wirklich schöne Zähne wollte, ließ sich eine Prothese anfertigen. Die ersten wurden aus Elfenbein gefertigt, ihre Herstellung dauerte einige Wochen und war sehr teuer. Einzelne Exemplare davon sind im Museum ausgestellt. Die Revolution war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Kautschuk, damit wurden Prothesen für alle erschwinglich. 

Die letzten beiden Ausstellungsräume beinhalten eine beachtliche Zahl an Schädel und Moulagen. Hier lassen sich die Zähne eines Haifischs, eines Walrosses oder auch eines Elefanten bestaunen. Wie diese genau aussehen und was es noch alles zu entdecken gibt, davon überzeugt ihr euch am besten selbst. UNIMAG wünscht euch viel Spaß auf eurer Entdeckungsreise!

Alle Informationen auf einen Blick:

Zahnmuseum Wien

Adresse: Zugang über Währingerstraße 25a (im Hof rechts), 1090 Wien

Eintrittspreis: 2 Euro für Studierende (regulär: 4 Euro)

Führungen: für Gruppen 4 Euro/ pro Person, nach telefonischer Vereinbarung

Öffnungszeiten: MI und DO 10:00 – 13:00

www.zahnmuseum.at

 

Jutta Zegermacher

Jutta Zegermacher | Redakteurin

jutta.zegermacher (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

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