BÜCHERBÖRSE

Weit weg mit geschlossenen Augen

  • geschrieben von Anne-Marie Darok
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washed out within and without C domino records

Am 12.07 kommt das neue Album des Chillwave-Musikers „Washed Out“ mit dem Titel „Within and Without“ heraus.

Erster Eindruck: Musik die sich anhört wie Wolken aussehen: Raumfüllend, weiß und flauschig.

 

Vor ein paar Jahren löste sein Sound eine Bloglawine par excellence aus. Solokünstler Ernest Greene hatte unter dem Namen „Washed Out“ einige Songs im Internet veröffentlicht, die nicht zuletzt an Toro Y Moi erinnerten. Als man dieser Musikrichtung einen neuen Namen gab, war der Begriff „Chillwave“ geboren und seitdem wurden Künstler systematisch in diese „Gute-Laune-Glückseligkeit„-Schublade gesteckt.

 

Nun erwartet man sein neues Album „Within and Without“, das am 12.Juli erscheinen wird. Doch da das Internet immer einen oder zwei Schritte voraus ist, kann man sich schon das komplette Werk per Stream anhören.
Auf den ersten Eindruck hört man den omnipotenten Gleichklang gefolgt von einer dichten Wall of Sound, die sich wie ein roter Faden durch das Album zu ziehen scheint. Dieser Eindruck verliert sich zwar nicht gänzlich, doch schon beim zweiten Hören erschließen sich einem die detailreichen Untertöne.

 

Im Wesentlichen ist das Album in zwei Hälfte geteilt, die sich beim zentralen Stück „Far Away“ treffen. Die ersten vier Lieder haben einen leichten, beschwingten Klang, der mit satten Beats unterstützt wird und einige glückliche Leute zum Tanzen bringen wird. Der Opener „Eyes be closed“ entwickelt eine zu tiefst glückselige Klangwelt in der sich die Töne der Synthesizer emporrecken, als wollten sie utopische Soundtürme bauen. Von dieser Glückseligkeit zehren auch die nachfolgenden Lieder. „Amor Fati“ ist mitunter der heiterste Track mit einer beschwingten Melodie.

 

Mit „Far Away“ erfährt das Album seinen atmosphärischen Höhepunkt in einem Lied, das nicht nur von der warmen Melodie sondern auch von rhytmischen Beats und Instrumenten aller Art lebt. Außerdem mischt sich eine weiche Melancholie hinzu, die den letzten vier Liedern die nötige Tiefe und Wärme gibt. Selbst erotische Momente finden ihren Platz, wie die gehauchten Voice Samples von Caroline Polachek in „You and I“, die aus der „Bettszene“ des Cover-Fotos herausgegriffen zu sein scheint. Schließlich findet das Album sein Ende in einem Lied, das mit Klavierklängen und der nun klaren, lauten Stimme die Hörer in ein sanftes Gebilde aus Samt und Seifenblasen entlässt.

 

Es ist ein sehr stimmiges Album auf dem Greene zwar nichts Gewagtes, Neues aus dem Hause Chillwave präsentiert, doch man muss ihm zugutehalten, dass er sich als einer der Wenigen noch wirklich an die Soundkulisse hält, die er vor Jahren geschaffen hat. Diese tiefe Glückseligkeit findet man auch auf der EP, trotzdem klingt seine Debut-LP erwachsener.

 

Es ist ein Album, mag es für Chillwave oder für Dreampop gehalten werden, das von der dichten Struktur lebt, die nicht nur von den Instrumenten, sondern auch von der distanzierten Stimme getragen wird.
Durch die Emotionslosigkeit der Vocals entsteht eine Art Unnahbarkeit und diese kann erst beim zweiten und dritten Hören abgebaut werden. Tanzbar und träumerisch mag es zwar klingen, aber hinter dieser Fassade steckt viel mehr Liebe zu Details und diese wollen erkundet werden.

 

http://www.youtube.com/watch?v=Cj2HcdiOmt8

 

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