BÜCHERBÖRSE

Haight-Ashbury im Interview

Haight-Ashbury (c) Julie Tippex
Haight-Ashbury

Haight-Ashbury kommen nicht, wie ihr Bandname vermuten lassen würde, aus jenem berühmten Stadtteil San Franciscos, der während des "Summer Of Love" Heimat und Kultstätte für Hippies aus aller Welt war, sondern aus dem eher weniger hippiesken Glasgow - nicht unbedingt die Stadt, die man mit Folk-Indie-Pop, wie ihn Kirsty, Scott und Jennifer nun schon seit zwei Alben sehr erfolgreich vertont haben, in Verbindung bringen würde.

Von Kritikern und Fans werden sie und ihr sehr einzigartiger Stil gerne als "The new Psychedelic ABBA" bezeichnet. Am 30. Juni erscheint nun ihr drittes Album "Perhaps", die erste Single "Blow Your Mind" klingt schon sehr viel versprechend.

Für UNIMAG nahmen sich die drei Künstler Zeit für ein Gespräch über psychedelische Musik, Glasgow und die Vorzüge Österreichs. 

Wie würdet ihr das, was ihr als Haight-Ashbury macht, jemandem beschreiben, der euch und eure Musik überhaupt nicht kennt?

Scott: Der Sound von Haight-Ashbury ist am Anfang irgendwie aus ganz typischer 60er- und 70er-Jahre Akustik-Musik entstanden. Irgendwann kamen dann noch 90er-Jahre Grunge-Elemente dazu, härtere Gitarren...

Kirsty: Wir versuchen, Musik aus der Vergangenheit mit modernen Einflüssen und unseren eigenen musikalischen Ideen zu kombinieren und daraus etwas Neues zu schaffen. Ich denke, so lässt sich der Sound von Haight-Ashbury ganz gut beschreiben.

 Scott: Wir werden auch oft interessanterweise als "Psychedelic Band" beschrieben.

Könnt ihr mit dieser Einordnung "Psychedelic" etwas anfangen?

Scott: Wir hatten eigentlich nie geplant, in diese Richtung zu gehen, und wir finden eigentlich auch nicht, dass wir so klingen. Aber vielleicht meinen die Leute mit "Psychedelic", dass wir viel mit Klangstrukturen experimentieren und nicht nur übliche und "normale" Sounds nachspielen, sondern versuchen, etwas ganz Eigenes zu schaffen. Letztlich geht es uns gar nicht um Verschrobenheit oder Ähnliches, sondern wir wollen die Songs einfach so simpel wie nur möglich halten.

Kirsty: So sind wir dann wohl zufällig bei psychedelischer Musik gelandet (lacht). Vielleicht sollten wir das einfach akzeptieren und beim nächsten Mal antworten, wenn wir nach unserer Musik gefragt werden: "Hi, we're Haight-Ashbury and we do some psychedelic music."

 Wann habt ihr begonnen, zusammen Musik zu machen?

Kirsty: Scott und ich sind ja Geschwister und kennen Jennifer schon seit wir vier oder fünf Jahre alt waren. Jen und ich haben früher schon zusammen in ein paar Bands gespielt, Scott war auch in einer anderen Band. Irgendwann haben wir dann auf einer Uni-Party zusammen gespielt und merkten, dass wir da in eine gute Richtung gehen, die uns allen gefällt - also die Musik machen, die wir schon lange gesucht hatten. Und kurze Zeit später haben wir dann beschlossen, dass wir zusammen eine Band gründen müssen. Also haben wir all unsere anderen Projekte abgebrochen und Haight-Ashbury gegründet.

Wenn man, musikalisch betrachtet, an eure Heimatstadt Glasgow denkt, aus der auch Bands wie Franz Ferdinand oder Biffy Clyro kommen, ist Folk-Pop nicht die erste Musikrichtung, die einem da einfällt. Seid ihr mit eurer Musik die große Glasgow-Ausnahme?

Jennifer: Ja, wir sind schon ein bisschen die Outsider mit Folk-Pop. Aber das ist schon ok, da müssen wir nicht mit anderen Bands konkurrieren (lacht).

Kirsty: Aber die Musikszene in Glasgow ist riesig. Jeder in Glasgow ist in einer Band.

Jennifer: Mindestens in einer Band!

Scott: Ja, die Musik- und Bandszene in Glasgow ist unglaublich. Du kannst jeden Abend auf mindestens vier Konzerte gehen und hast immer noch das Gefühl, dass Du alles verpasst hast. Aber zurück zur Frage, ja es stimmt schon - so richtig passen wir nicht rein. Aber wie Jen schon sagte, die Einzigen zu sein, macht uns extra cool. Wir mögen das so (lacht).

Euer neues und drittes Album "Perhaps" erscheint am 30. Juni. Seid ihr eurem Genre treu geblieben oder habt ihr mal ganz andere Sachen ausprobiert?

Scott: Beim ersten Album haben wir ein paar Jahre lang mit allem Möglichen herumexperimentiert, haben unseren eigenen Sound gesucht und schließlich auch gefunden. Nach einiger Zeit haben wir dann die Möglichkeit bekommen, das alles professionell mit Labelunterstützung aufzunehmen. Das Album hat sich über die Zeit sehr geändert und entwickelt, weil wir immer wieder neue Sachen entdeckt haben: Wir haben permanent geändert, gelöscht und neue Songs geschrieben.

Kirsty: Das war ein sehr langer, aber auch sehr kreativer Prozess, bei dem wir viel über uns und die Musik, die wir machen wollen, gelernt haben. Wegweisend.

Scott: Mit den Songs des ersten Albums sind wir dann auf Tour gegangen, was super spannend für uns war - das alles mal live zu performen. Dabei haben wir natürlich auch einen ganz eigenen Live-Sound entwickelt, der bei der Produktion von Album Nummer zwei sehr wichtig für uns war. Denn genau den wollten wir dann im Studio versuchen einzufangen. Wir sind also beim Aufnehmen ganz anders und fokussierter vorgegangen. Wir wussten schon, was wir wollten. Beim aktuellen Album haben wir uns irgendwie von all dem gelöst. Wir sind einfach ins Studio und haben mit den Aufnahmen begonnen, ohne uns groß den Kopf zu zerbrechen. Es stand einfach der Spaß im Vordergrund. Wir haben dieses Mal mehr Gitarren und auch ganz neue Instrumente verwendet. Alles ist irgendwie anders geworden, ohne dass wir das geplant haben.

Kirsty: Zum Beispiel singt Scott auf "Perhaps" das erste Mal! Das ist vielleicht das größte Novum.

Wie lange habt ihr denn an "Perhaps" gearbeitet?

Kirsty: Das waren vier oder fünf Monate. Relativ schnell. 

Scott: Ja, wir haben das Album zwischen zwei Touren aufgenommen. Wir sind gleich nach der Sommertour ins Studio, dann im November wieder auf Tour gegangen, sind dann nochmal ins Studio und konnten uns dann selbst das neue, fertige Album unter den Weihnachtsbaum legen. Perfektes Geschenk!

Normalerweise ist ja das zweite Album einer Band das schwierige, da sie beweisen müssen, dass sie keine Eintagsfliege waren. Nachdem euer zweites Album überall gefeiert wurde, hattet ihr nun beim dritten Album diesen Druck von außen?

Kirsty: Nein, irgendwie gar nicht. Die Aufnahmesessions und der ganze Prozess waren dieses Mal so entspannt wie nie zuvor. Wir haben das irgendwie ziemlich schnell und konzentriert durchgezogen. Wir hatten gar keine Zeit, uns über so etwas Gedanken zu machen (lacht). Wir sind sehr viel auf Tour und das hilft einem, eine gewisse Routine und auch Vertrauen in sich als Band und die Songs zu entwickeln. Man merkt sehr schnell, was beim Publikum ankommt und was nicht - und klar, das beeinflusst einen ungemein. Ich finde, dass wir den meisten Druck beim ersten Album hatten, weil wir noch sehr unerfahren waren und unseren Sound erst finden mussten.

Scott: Beim zweiten Album haben wir zum Beispiel sehr viele alte Songs, die es nicht auf das erste Album geschafft haben und die während dem Touren wiederentdeckt wurden, weiterentwickelt und verwendet. Wir kannten also manche Songs schon ziemlich lange.

Kirsty: Bei diesem Album war es ganz anders. Das macht das Ganze natürlich schon spannender, man hat eine größere Herausforderung.

Habt ihr eigentlich schon einmal am Ort eurer Namensgebung, in Haight-Ashbury in San Francisco, gespielt?

Kirsty: Nein, leider noch nie. Scott ist sogar der Einzige von uns, der überhaupt schon mal da war.

Scott: (lacht) Wir haben nicht nur noch nicht in Haight-Ashbury gespielt, wir sind auch noch nie in den USA aufgetreten. Kurz bevor wir die Band gegründet haben, war ich einmal dort auf Reisen, daher kommt auch unesr Bandname. Wir haben gehört, dass wir dort wohl im Radio gespielt werden. Aber mit dem neuen Album müssen wir das unbedingt machen...

Kirsty: ...endlich Haight-Ashbury in Haight Ashbury.

Ihr spielt dafür häufiger mal in Österreich – gefällt es euch hier?

Scott: Also bis jetzt haben wir noch nichts entdeckt, das uns nicht gefallen hätte.

Kirsty: Aber ich finde, dass es hier immer und überall so ruhig ist - sogar auf den Festivals. Wie schafft ihr das?

Jennifer: Und es geht hier auch nie etwas schief.

Scott: Das stimmt, sonst passieren immer schräge Sachen, hier nie. Ein gutes Land! Aber als wir gestern von München nach Wien gefahren sind, mussten wir erstmal auf der Autobahn einen Drogentest machen. Eine Band und mit englischem Kennzeichen – klar nehmen die Drogen. Uns passieren irgendwie immer solche Sachen auf dem Weg nach Österreich oder beim Verlassen des Landes. Als wir das letzte Mal von Österreich in die Schweiz gefahren sind, sind wir zu schnell über die Grenze gefahren, das gab auch etwas Ärger.

Kirsty: Also in Österreich ist immer alles gut.

Jennifer: Wir sollten einfach hier bleiben! Das wäre das sicherste (lacht).

Haight-Ashbury - LIVE in Österreich

Do., 16.05. - Akustik Session im Recordbag (ab 16.00 Uhr)
Do., 16.05. - Chelsea, Wien
Fr., 17.05. - Posthof, Linz

Louise Lässig

Louise Lässig | Redakteurin

louise.laessig (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2011

 

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