BÜCHERBÖRSE

Rea Garvey über das Leben und die Musik

Rea Garvey im Interview (c) Elisabeth Voglsam
Rea Garvey im Interview

Rea Garvey ist nicht nur ein erfolgreicher Pop-Musiker, sondern spätestens seit seiner Tätigkeit als Jury-Mitglied bei der Casting-Show "The Voice of Germany" auch ein beliebter Fernsehstar. Nach seinem gelungenen Konzertauftritt im April kehrt der sympathische Ire nun im Rahmen des Donauinselfestes für einen Gig auf österreichischen Boden zurück. Am 21. Juni wird er dabei ab 20:15 Uhr auf der Wien Energie/Hitradio Ö3 Festbühne erwartet. Mit uns sprach Mr "Un-fucking-fassbar" im Vorfeld über das Leben und die Musik.

Du bist als Botschafter für das Clear Water Project  tätig und bist immer wieder zu Besuch in Ecuador. Was konntest du bisher an Eindrücken mitnehmen?
Das ist eine komplett andere Welt. Es ist ein bisschen bizarr. Ich sitze mit Häuptlingen beisammen und zusammen beschließen wir, was wir in den nächsten Jahren machen wollen. Anfangs musste ich erst ihr Vertrauen und ihren Respekt gewinnen. Das ist ihr Projekt und ich bin einfach ein Botschafter und Gründer davon. Wir haben tolle Mitarbeiter dort, die dafür sorgen, dass alles funktioniert, und viele großzügige Spender. Es ist eine Menge Arbeit an einem massiven Projekt, aber wenn so etwas passiert im Leben, ist es einem entweder zu viel oder du merkst einfach, wie wichtig es ist. Und ich habe keine Lust, meine Tochter irgendwann anzuschauen und zu sagen "Das war mir zu viel Stress". Man will für sein Kind ein Vorbild sein.

Mittlerweile bist du schon seit einigen Jahren solo unterwegs – vermisst du deine Band Reamonn dennoch und denkst oft an die schönen Momente zurück?
Es war auf jeden Fall eine schöne Zeit, aber ehrlich gesagt: Wenn du an eine Kreuzung kommst und du sagst, es sollte etwas Neues in deinem Leben passieren, musst du den Schritt wagen. Als Student war ich schon einmal in einer Band und wir waren sogar in Deutschland auf Tour und haben eine Platte aufgenommen... Aber irgendwann habe ich bemerkt, dass der Weg zu Ende ist. Bei Reamonn war es genauso – irgendwann war der Weg zu Ende. Es ist klüger, das zu erkennen, als wie viele Bands, die ich auch persönlich kenne, einfach mit dem Erfolg weiterzumachen, obwohl man keinen Spaß mehr hat. Das Leben ist viel zu kurz und du darfst nicht warten. Du musst immer im Moment leben. Ich hatte eine tolle Zeit mit Reamonn und wir waren zu der Zeit auch gute Freunde. Wir haben viel zusammen erlebt, aber jetzt bin ich eben hier und genieße es total.

Du wurdest 2012 mit dem Diva-Award als "Music Artist of the Year" ausgezeichnet. Was bedeuten solche Preise für dich?
Es ist ein Kompliment, aber es ist nie das Ziel. Ich glaube, es wäre auch falsch, es als Ziel zu haben, so einen Preis zu bekommen. Ich mache Musik, die ich liebe, und habe schon früh gelernt, dass es nicht funktioniert, wenn ich nicht hinter meiner Musik stehen kann. Ich arbeite so lange an einer Platte, bis ich zufrieden und glücklich bin. Wenn dann jemand sagt "Hey, willst du einen Preis dafür haben?" - warum nicht? Bei manchen Verleihungen bin ich begeistert, wenn ich auch nur nominiert wurde – vor allem zusammen mit Kollegen, die ich respektiere und schätze... Aber ehrlich gesagt ist es wichtiger zu wissen, dass es eigentlich unwichtig ist.

Haben all deine Awards einen besonderen Platz bei dir zu Hause?
Die stehen auf dem Klavier, glaube ich. Zwei habe ich schon verloren, weil wir zweimal umgezogen sind. Ich sage aber nicht welche. (lacht) Ich glaube, dass es für Musiker schön ist, eine Plattform zu haben, wo man Menschen für das ehren kann, was sie geleistet haben. Da gibt es viele Musiker, die auch mich stark beeinflusst haben und dann plötzlich vor mir standen. Es gibt massive Music-Awards wie Echo oder Brit-Awards, bei denen Zusammenschlüsse zustande kommen, die normalerweise nicht stattfinden würden. Ohne Preisverleihungen gibt es so etwas nicht.

Wie lange und wie intensiv bereitest du dich auf deine Auftritte vor? Gibt es Rituale oder Traditionen, die dir wichtig sind?
Zeit mir der Band zu verbringen, zu chillen und zu schauen, dass wir als Einheit auf die Bühne gehen. Es wäre komisch, wenn ich alleine hinausgehen würde und die anderen wären einfach nur da. Ich mag jeden, mit dem ich arbeite, und da verbringe ich die Zeit mit ihnen ja auch gerne. Ich bin auch ein gläubiger Mensch und sage ein kurzes Gebet auf, bevor ich auf die Bühne gehe, denke noch einmal an meine Familie, freue mich über alles, was ich im Leben habe, und bin dankbar dafür. Am Ende schließen wir uns noch zu einem Kreis zusammen und ich rede normalerweise Blödsinn, bis alle lachen. Dann gehen wir auf die Bühne.

Was nimmst du wahr, wenn du dann auf die Bühne gekommen bist? Siehst du dir bei großen Shows tatsächlich noch die Gesichter der einzelnen Menschen an oder sind sie für dich bloß eine "verschwommene Masse"?
Früher war das tatsächlich eine "verschwommene Masse", weil ich schlecht gesehen habe, aber das habe ich korrigieren lassen. Jetzt sehe ich alles! (lacht) Ich glaube, gerade bei der vergangenen Tour habe ich mir mehr Zeit dafür genommen, wirklich Leuten in die Augen zu sehen und durch die Musik "Hallo" zu sagen. Ich freue mich immer, wenn jemand nicht glaubt, dass ich ihm direkt in die Augen schaue, bis er oder sie es realisiert und lächelt. Es ist so eine gewisse Begegnung. Und das Ding ist, dass ich in die Platte und meine Musik positive Energie hineinbringe. Ich liebe es, wenn die Stimmung schon vorher da ist und die Leute Bock auf das Konzert haben. Mit Robbie Williams in Portugal habe ich es anders erlebt, weil mich damals keine Sau kannte. Da dachte ich 10 Sekunden vor dem Auftritt noch "Fuck! So viele Menschen und keiner kennt dich.", aber wenn es schlecht ist, ist es eben schlecht. Wenn die Vorband schlecht ist, sind die Besucher sowieso wegen dem Hauptkünstler da - und wenn die Vorgruppe gut ist, freut man sich total.

Du warst ja schon mehrmals für Konzerte in Österreich – wie zum Beispiel auch 2012 am Forestglade. Welchen Eindruck haben die Österreicher und das Land bei dir hinterlassen?
Die Österreicher sind sehr lässig. Sie haben ihre eigene Art zu genießen und ich genieße es auch gerne mit ihnen. Wenn man in Österreich ist, herrscht ein ziemlich hoher Lebensstandard. Du hast die Verbindung zwischen Natur und du kannst in den geilsten Cafés sitzen – und damit meine ich wirklich den ganzen Tag dort sitzen und als Voyeur beobachten. Ich habe viel Zeit in Wien verbracht und weiß auch, warum ich die Stadt liebe. Es gibt bestimmt noch viel mehr zu entdecken und ich habe noch nicht mal an der Oberfläche gekratzt.

Du hast in der Vergangenheit schon mit vielen erfolgreichen Musikern zusammengearbeitet. Gibt es da dennoch Träume für künftige Kooperationen?
Die Begegnungen mit Nelly oder Mary J. Blige waren zufällig. Die sind einfach zustande gekommen. Mary J. war an einem Tag in L.A. und das war auch schon die komplette Begegnung. Sie hatte keine Zeit, nach Deutschland zu kommen. Ich versuche da nicht, zu viel herauszuholen oder zu erzwingen. Mit Nelly bin ich auf eine gesamte Europatour gefahren. Wir sind immer noch gut befreundet. Das ist dann wieder ein anderes Erlebnis. Ich mag den Gedanken, dass die Wege sich kreuzen. Manchmal macht es Sinn, Anfragen anzunehmen oder es ist so gewollt. Aber Musik, die gewollt ist, ist nicht unbedingt immer gut.

Was hörst du im Moment privat für Musik?
Ich habe mir die Platte von Imagine Dragons gekauft und obwohl ich sie nicht ganz durchgehört habe, finde ich sie tierisch. Ich switche oft durch YouTube in letzter Zeit mit Songs von Jake Bugg, Stripes - weil ich gerade auf dem Songwriting-Trip bin. Da hört man viele Musiker, um zu schauen, ob es einen inspiriert.

Hast du einen Lieblingssong auf deinem Album?
"Wild Love" wäre jetzt zu easy zu sagen. Aber ich finde es total spannend, dass wir den Song nach der Platte geschrieben und dann einen Re-Release gemacht haben. Das war beeindruckend. Ich weiß, wie Musik funktioniert. Lieblingslied... ich kann dir sagen, dass "Wild Love" tatsächlich für mich ein Durchbruch und eine Art von Musik war, die ich immer mochte – Up-tempo und energetisch. Das rockt! Ich liebe es, das Lied live zu spielen und freue mich über den Erfolg.

Gibt es auch irgendein Lied, dass du so oft gehört und gespielt hast, dass du es gar nicht mehr live spielen magst?
Langsam gibt es ein paar, ja – aber nicht von der Solo-Platte. Man zieht auch nicht die gleichen Schuhe jeden Tag an. Gut ist, Lieder nicht mehr zu spielen und später dann wieder in die Setlist aufzunehmen. Das ist wie eine Neuentdeckung, obwohl du es in der Vergangenheit so oft gespielt hast. Schön wäre eine andere Form - wie Acoustic oder so etwas. Ich habe witzigerweise eine Platte zu Hause gefunden, die ich vor zehn Jahren gemacht habe, und da war Musik drauf, die ich komplett vergessen habe.

Vielen Dank für deine Zeit und das spannende Interview!

Weitere Informationen zum Clear Water Project  findet ihr hier!

Petra Püngüntzky

Chefin vom Dienst | Content Managerin
Ressortleiterin Musik & Events
Redakteurin | Fotografin

petra.puenguentzky (ät) unimag.at

 

Log in or create an account

fb iconLog in with Facebook