BÜCHERBÖRSE

Simple Plan: "Mit SUM 41 haben wir keine Probleme."

Simple Plan im Interview (c) Elisabeth Voglsam
Simple Plan im Interview

Bevor die kanadischen Pop-Punker von Simple Plan zum Festival-Doppel Rock im Park/Rock am Ring nach Deutschland reisten, machten sie am Freitag noch für ein Konzert in Wien Station. UNIMAG traf Gitarrist Seb und Schlagzeuger Chuck zum Interview.

Heute Nacht spielt ihr die Clubshow in Wien, das restliche Wochenende bei den großen Festivals Rock im Park und Rock am Ring. Ist das eine große Umstellung für euch?

Seb: Wir versuchen, bei jedem Konzert immer alles zu geben - egal, ob es eine kleinere Bühne ist oder ein gigantisches Festival. Auf größeren Bühnen können wir uns freier bewegen und Chuck hat von seinem Drumkit eine breitere Sicht auf das Publikum.

Chuck: Was ich toll finde an unserer Band ist, dass wir die Möglichkeit haben, an verschiedenen Orten zu spielen. Das hält uns auf Trab. Uns ist natürlich auch bewusst, dass wir bei Headlining-Shows unser Set auch eher ändern können und nicht nur Hits spielen müssen.

Seb: Dabei haben wir doch so viele Hits! (Lacht)

Chuck: Ich möchte nicht sagen, dass wir auf Festivals mehr Druck haben, aber wir sind bei solchen Shows umso mehr um ein positives Feedback beim Publikum bemüht. Aber egal, vor wie vielen Menschen wir spielen, wir genießen beide "Show-Typen".

Euer letztes Studioalbum war sehr abwechslungsreich und aufregend. Inwieweit haben eure Gast-Künstler (Sean Paul, K’naan, etc.) zu diesem "bunten" Album beigetragen?

Chuck: Uns war es immer schon sehr wichtig, eine Platte zu machen, auf der sich nicht derselbe monotone Sound hinzieht. Das ist unser Style. Wenn wir etwas Neues ausprobieren, etwas riskieren, wirkt das sehr erfrischend. Dadurch fühlt sich jeder einzelne Song auch viel wichtiger, viel spezieller an.

Wäre das Album auch ohne die Gastsänger so vielfältig geworden?

Seb: Das kommt ganz auf den Song an. K’naan und Sean Paul haben "Summer Paradise" jeweils auf ihre Weise in eine andere Richtung gelenkt. Der eine gibt dem Song einen karibischen Charakter, der andere baut Hip-Hop-Elemente ein. "Can't get my hands off you" haben wir bereits gemeinsam mit Rivers Cuomo (Weezer) geschrieben, was sehr prägend für den Song war. Wir haben insgesamt sehr viel Spaß am Experimentieren und sind jedes Mal neugierig darauf, was herauskommt.

Simple Plan im InterviewIhr durftet schon sehr früh mit einem "Schwergewicht" wie Bob Rock zusammenarbeiten, der bereits Platten für große Bands wie Metallica, Bon Jovi oder The Offspring produziert hat. Was habt ihr an seiner Arbeit am meisten geschätzt?

Chuck: Ich finde, wir haben viel von ihm gelernt. Durch ihn haben wir viele gute Ratschläge dazu erhalten, was es bedeutet, in einer Band zu spielen und wie man es schafft, als Band möglichst lange zusammen zu bleiben. Er hatte viele Geschichten zu erzählen...

Seb: (Lacht)

Chuck: Sein Fokus lag auf Detailarbeit bei den Songs. Durch ihn haben wir verstanden, wie wichtig jeder einzelne Teil eines Liedes ist. Bei ihm kommt es auf jedes kleinste Detail an, wenn wir ein Album aufnehmen. Er hat uns auch an unsere kreativen Grenzen gepushed. Wir hatten zum Beispiel diesen Song, "Untitled", mit dem wir nicht wussten, was wir machen sollten. Bob hat aber an diesen Song geglaubt und von uns gefordert: "Arbeitet weiter dran! Arbeitet weiter an dem Song, bis er fertig ist!" Letztlich haben wir ihn doch unter dem Namen "Untitled" aufs Album genommen, weil diese persönlichen, emotionalen Songs sehr wichtig für das Gesamtbild der Platte sind. Durch Bob Rock haben wir begriffen, dass es sich lohnt, so lange wie notwendig an einem Album zu arbeiten, bis wir richtig stolz darauf sind.

Könnt ihr euch vorstellen, noch einmal ein Album mit ihm zu machen?

Seb: Klar, wir haben bisher mit vier teilweise sehr verschiedenen Produzenten zusammengearbeitet und Bob hatte sehr viel Energie in seiner Herangehensweise.

Ihr habt ursprünglich als Punk-Band angefangen, spielt immer noch sehr Punk-orientierte Musik. Wie würdet ihr für euch selbst den Begriff Punk definieren?

Chuck: Ich finde, dass dieser Begriff mittlerweile sehr viele Gestalten annehmen kann. Musikalisch ist für mich persönlich die hohe Energie, die Punk mit sich bringt, nach wie vor sehr wichtig. Unsere Band hat sich andererseits jedoch weniger durch die rebellischen, politischen Aspekte der Bewegung definiert. Wir haben immer sehr persönliche Texte geschrieben. Und das ist auch eine der vielen Richtungen, die dieses Genre eingeschlagen hat.

Seb: Ein Element, von dem ich glaube, dass es der Punk-Bewegung bis heute mehr oder weniger erhalten geblieben ist, ist das Streben nach Unabhängigkeit. Wir wollen nicht von jemand anderem kontrolliert werden und das tun, wozu wir Lust haben.

Chuck: Wir legen auch sehr großen Wert darauf, einen guten Draht zu unseren Fans zu haben. Mir ist es sehr wichtig, dass wir respektvoll mit ihnen umgehen und es nicht für selbstverständlich nehmen, so eine tolle Fanbase zu haben. Schließlich haben wir uns diese besondere Anerkennung früher als Fans selbst von unseren Lieblingsbands gewünscht und jetzt, wo wir in einer Band sind, wollen wir das auch so anwenden.

Simple Plan im InterviewIhr seid in der Öffentlichkeit auch bekannt dafür, immer einen respektvollen Umgang mit anderen Musikern zu pflegen. Wie habt ihr es genommen, als ihr vor ein paar Jahren von SUM 41-Schlagzeuger Stevo öffentlich kritisiert wurdet?

Chuck: Ich habe es nicht so schlimm gefunden. Das war ihre eigene Sache. Wir haben der ganzen Sache auch nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt. Hat er (Stevo, Anm.) nicht erst vor kurzem die Band verlassen?

Seb: Ja, ich glaube, denen sind ein paar Mitglieder abgesprungen. Jedenfalls haben wir uns in der Zwischenzeit des Öfteren mit ihnen getroffen, sind abgehangen und haben seitdem keine Probleme mehr miteinander. Unser Verhältnis ist voll in Ordnung.

Würdet ihr auch soweit gehen, dass ihr mit ihnen gemeinsam Musik macht?

Seb: Ja, wieso denn nicht? Wir haben schließlich schon ein paar Shows miteinander gespielt. Die ganze Streiterei ist aber schon über zehn Jahre her und wir wünschen SUM 41 nur das Beste. Wir hoffen, dass die Band bald wieder zusammenfindet und ihr Ding machen kann.

Bilder: Elisabeth Voglsam

Philipp Pinterits

Philipp Pinterits

studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft

philipp.pinterits (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

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