TRAINEEPROGRAMME

Top Ten Things I Hate About Concert Audiences

Top Ten Things I Hate About Concert Audiences (c) Elisabeth Voglsam - FM5

So sehr ich das Gefühl auch liebe, bei Konzertauftritten begabter Künstler inmitten der Menschenmenge zu stehen und meine Leidenschaft zur Musik mit jedem Einzelnen von ihnen zu teilen, so sehr hasse ich es auch in bestimmten Situationen. Hier sind meine "Top 10" Rage-Typen, die meinen Geduldsfaden während Konzerten regelmäßig auf eine Zerreißprobe stellen. Mein Unmut verteilt sich dabei gleichermaßen auf alle genannten Typen und wird in diesem Text gerne auch etwas überspitzt dargestellt.

10. Das aneinander klebende Pärchen

Zwar gehöre ich nicht zu den verbitterten Menschen, die alle Pärchen im Park vergiften möchten, aber das heißt noch lange nicht, dass ich Teil des Vorspiels werden möchte. Mir ist bewusst, dass vor allem langsame Acoustic-Songs dazu einladen, dem anderen tief in die Augen zu sehen und im nächsten Moment übereinander herzufallen. Doch warum zahlt man dann überhaupt so viel Geld für eine Konzertkarte, wenn man im Endeffekt nichts davon mitkriegt? Und warum zur Hölle muss das ausgerechnet in meinem Sichtfeld (oder noch schlimmer: an mich gelehnt) passieren? Es ist wirklich sehr verstörend, was man da zu sehen bekommt.

9. Die "WOO"-Girls and -Boys

Hiermit dürfen sich all jene Konzertbesucher angesprochen fühlen, die mein Trommelfell mit ihrem "WOO"-Gekreische und -Gebüll regelmäßig überstrapazieren. Ich weiß wirklich nicht, was man mit diesen schrillen Tönen eigentlich bezwecken möchte. Außer die umstehenden Personen wütend zu machen, erreicht man damit gar nichts. Oder sehnt man sich einfach nach Aufmerksamkeit? Eines kann ich aber mit Sicherheit sagen: Mein Gehör wird dadurch wohl schlimmer geschädigt als durch die dröhnenden Boxen vorne an der Bühne.

8. Der Raucher

In den meisten Wiener Konzertlocations herrscht mittlerweile Rauchverbot, was auch gerne durch Verbotsschilder kenntlich gemacht wird. Aber wo kein Kläger, dort kein Richter – und deshalb wird jedes Mal aufs Neue munter drauflos gequalmt. Immerhin sind eineinhalb Stunden Rauchpause für Nikotinsüchtige echt zu viel verlangt. Als Nichtraucher kommt man somit in der ohnehin schon heißen und stickigen Halle nicht nur in den Genuss, permanent Rauch einzuatmen, sondern auch diverse Brandwunden davonzutragen, weil natürlich mit der Zigarette in der Hand herumgefuchtelt wird, was das Zeug hält.

7. Der (untalentierte) Fotograf

Dass das Smartphone-Zeitalter nicht nur seine Vorteile hat, weiß man spätestens, wenn man das erste Mal auf einem Konzert war und trotz anfänglich guter Sicht auf die Bühne plötzlich nichts mehr sieht, da sich ein Handymeer vor einem aufgetan hat. Schließlich muss man diesen schönen Konzertmoment mit einem verwackelten Bild in großartig rauschender Qualität festhalten – oder besser noch mitfilmen. "Echte Erinnerungen", die man nur für sich im Gedächtnis behält, verlieren hier leider immer mehr an Bedeutung. Und wenn man nicht gerade selbst das ganze Spektakel mit einer Kamera festhält, bleiben einem oft nur die Erinnerungen an die leuchtenden Bildschirme vor dem Gesicht.

6. Der Anti-Tanzbär

Dass nicht jeder mit tänzerischem Talent gesegnet wurde, ist mir durchaus bewusst. Auch viele ruhige Songs sorgen nicht gerade dafür, dass das Tanzbein geschwungen wird. Doch wenn überall um einen herum beste Stimmung vorherrscht und ausgelassen getanzt wird – wie kann da bitte noch stillstehen? Und wenn man schon ein stiller und bewegungsloser Genießer ist – warum stellt man sich dann ausgerechnet in die tanzende Menge? Um die Stimmung zu dämpfen? Um der Fels in der Brandung zu sein? Ein bisschen hin und her wippen oder wenigstens mit dem Kopf im Takt nicken tut doch wohl keinem weh.

5. Der Riese

Wie oft kam mir während Konzerten schon der Gedanke, dass man die Besucher am besten nach ihrer Körpergröße ordnen sollte? Unzählige Male, als wieder einmal einer dieser Riesen vor mir stand und mir die Sicht versperrte! Mir ist klar, dass die Stimmung vorne besser ist, aber schadet ein bisschen Rücksicht auf die kleinen Wesen hinter einem wirklich so sehr? Ich wäre überglücklich, wenn sie sich etwas mehr an den Rand stellen könnten oder sich alle großen Menschen im Idealfall einen gemeinsamen Platz suchen würden. Aber das wird wohl ein unerfüllter Traum bleiben.

4. Der Hände-in-die-Luft-Werfer

Die Euphorie mancher Menschen kennt während Konzerten kurzzeitig gar keine Grenzen mehr. Sie springen und tanzen und schlagen einem dabei immer wieder den Ellenbogen, Getränkebecher oder doch ihre brennenden Zigaretten ins Gesicht. Und immer wieder frage ich mich, ob nur ich Kontrolle über und ein Gespür für meinen Körper und vor allem meine Arme habe und die Distanz zu den umstehenden Menschen abschätzen kann. Oder wie kann es sein, dass sich so viele sogar nach diesen Schlägen nicht einmal bei einem entschuldigen?

3. Der Alkoholisierte außer Kontrolle

Ich habe noch nie verstanden und werde wahrscheinlich auch nie verstehen, warum so viele (auf Konzerten) den Drang verspüren, sich exzessiv zu betrinken – im Fall von Konzerten auch unter der Woche. Sie holen nicht nur vor dem Konzert, wenn alle sehnlichst auf den Beginn des Gigs warten, sondern auch währenddessen ständig Getränke von der Bar, verschütten bei ihrer Rückkehr die Hälfte des Becherinhalts auf andere Personen und beginnen dann als Krönung auch noch laut zu gröhlen, um in der Runde supergut dazustehen.

2. Der Becherwerfer

Der Becherwerfer ist sehr eng mit dem Alkoholisierten außer Kontrolle verwandt und findet es in seinem Rauschzustand besonders lustig, anderen Leuten den Getränkebecher auf den Kopf zu werfen. Optional kann der Behälter natürlich auch noch mit Bier gefüllt sein, was den Spaß für den Werfenden noch um ein Vielfaches erhöht, da all jene, die sich in der Flugbahn befinden, eine Ladung des kühlen Blonden abbekommen. Dass dabei ernsthaft jemand verletzt werden könnte, bedenken diese Personen scheinbar nicht – oder es ist ihnen schlicht und ergreifend egal.

1. Der Unterhalter

Die quatschenden Konzertbesucher sind meine absoluten Favoriten und sind somit verdient auf Platz 1 gelandet. Sie können einfach NIEMALS und unter gar keinen Umständen ihre Klappe halten und die Musik genießen, für die sie ja im Normalfall auch sehr viel Geld bezahlt haben. Und da die Gesänge und Instrumente im Hintergrund so laut sind, müssen sie ihren Klatsch und Tratsch natürlich auch durch die gesamte Halle brüllen, um möglichst viele an ihren spannenden Geschichten teilhaben zu lassen. Ich lüfte hiermit ein Geheimnis: Die umstehenden Personen interessiert es oftmals herzlich wenig, was für ein schönes Täschchen ihr beim Shoppen entdeckt habt oder was es heute bei Mutti zum Mittagessen gab. Passenger beschreibt gerade dieses Phänomen auch in einem seiner Songs, wo es heißt: "I hate ignorant folks, who pay money to see gigs and talk through every fucking song" – und mehr gibt es dazu auch nicht mehr zu sagen.

Petra Püngüntzky

Chefin vom Dienst | Content Managerin
Ressortleiterin Musik & Events
Redakteurin | Fotografin

petra.puenguentzky (ät) unimag.at

 

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