BÜCHERBÖRSE

MS Dockville - Herzlich Willkommen im Wunderland!

MS DOCKVILLE 2013 (c) Thomas Quack
MS DOCKVILLE 2013

MS Dockville ist definitiv das zauberschöne Wunderland unter den Festivals, dessen Alice man nur allzu gerne sein möchte: Versteckt in den Wilhelmsburger Docks in Hamburg gibt es wohl wenige Festivals, die vor solch eindrucksvoller Kulisse über die Bühne gehen. Zwischen Elbe, Hafengebäuden und ziemlich schöner Natur gelegen ging das MS Dockville dieses Jahr in die siebte Runde. Neben einem Line-Up, das sich durch große musikalische Vielfalt und Abwechslung auszeichnete, gab es jede Menge Kunst, Installationen und Performance-Arbeiten zu bewundern, die sich dieses Jahr um das Thema "Unkraut!" rankten.

Los ging es am Freitag mit Milky Chance, der mit seinem beschwingten Singer-/Songwriterpop bei vollstem Sonnenschein die großteils mit Glitzer bemalte Menge tanzen machte. Ein bisschen später und ein paar Bühnen weiter sorgten dann die wildgewordenen Dänen von Reptile Youth dafür, dass keiner bei ihren Elektrobeats ruhig stehen bleiben konnte.

Geschwisterliebe gab es von den langhaarigen Schwestern von Haim, die eindrucksvoll bewiesen, dass der momentane Hype um sie und ihr anstehendes Album absolut gerechtfertigt ist. Auf der Vorschot-Bühne zwischen den Bäumen wurde es anschließend #geilon: MC Fitti, hauptberuflich dauergrinsender und -bebrillter Rapper, an dem und seiner Musik sich ziemlich die Geister scheiden, legte eine überzeugende Show mit all seinen Hits hin – als Highlight gab es dann noch schick zum Mitnehmen eine MC Fitti-Maske.

Anschließend luden die fünf Jungs von Foals, ihres Zeichens Headliner am Eröffnungsabend, dazu ein, zu ihrem flirrenden Indie-Rock richtig durchzudrehen, und spielten große und kleine Hits ihrer drei Alben. Eine Bühne weiter gaben sich die Orsons, Deutschlands Rap-Boyband der Liebe, die Ehre und boten eine kleine, aber feine Show, die vor allem eines tat: Spaß machen. So muss Rap.

Tag zwei brachte genauso viel Sonnenschein wie der Freitag und dazu konnte man sich die famosen Jungs von Herr von Grau anschauen, die gerade mit ihrem neuen Album dabei sind, den verloren geglaubten Deutschrap von Helden wie Eins Zwo wiederaufleben zu lassen.

Auf der Großschot-Hauptbühne wollte es danach US-Rapper Mac Miller nicht so wirklich gelingen, sein großartiges Album "Watching Movies with the Sound off", live gut rüberzubringen, schade Schokolade. Dafür wurde es eine Bühne weiter beim amerikanischen Duo MS MR umso besser: große Pophymnen, die die beiden zu einem der Highlights des gesamten Festivals machten. 

Dann war es Zeit für den Mann, der wohl die meisten Festivalbesucher angelockt hatte: Woodkid. Der Franzose mit dem ultimativen Händchen für bombastische Popmusik und deren Inszenierung. Für Freunde des gepflegten Tanzens, gab es eine Bühne weiter die perfekte Alternative zu Woodkids eher schwerer Kost: Totally Enormous Extinct Dinosaurs verzauberte das Publikum mit federleichter Elektromusik, wundervoller Glitzerbühnenshow und der doch faszinierenden Akrobatik seiner Tänzerinnen.

Wer sich dann schon mal warmgetanzt hatte, konnte beim kanadischen DJ-Weltmeister A-Trak gleich weitermachen, der ein mehr als unterhaltsames Set inklusive seiner großen Hits Duck Sauces "Barbara Streisand" und dem Remix zu Yeah Yeah Yeahs "Heads will roll" auf die Plattenteller legte.

Nach Regen ohne Ende, schafften es an Tag drei erst Sizarr aus dem beschaulichen Landau, mit ihrem sphärischen Indie-Pop das Publikum zu begeistern und die Sonne herauszulocken. Alpines Bühnenbild und exzellenten Gesang von Katie Stelmanis gab es dann bei Austra, die ihr neues Werk "Olympia" mehr als gekonnt live umsetzten. Gleiches boten die Hypekinder der Stunde: Chvrches aus Glasgow, tanzbare Elektromusik, besungen von einer schönen Stimme.

Zwischendrin machte Hamburg seinem Ruf als unberechenbare Wetterstadt alle Ehre und ließ kurzzeitig eine alles überflutende Sintflut vom Himmel. Wer danach durchgefroren und nass war, konnte sich von einem in Sachen warm- und trockentanzen helfen lassen:  Lokalheld und Legende DJ Koze legte ein unfassbares Set voll krasser Tunes und derber Beats hin, das der perfekte Abschluss-Soundtrack für ein perfektes Festivalwochenende war.

So wurde man dann fast ein wenig wehmütig, als man Sonntagnacht vom Gelände Richtung Stad wanderte. Zum Glück blieb beim Griff in die Jackentasche ein kleines bisschen goldener Glitzer hängen. Der darf da gerne bleiben. Am liebsten bis zum nächsten Jahr.

Louise Lässig

Louise Lässig | Redakteurin

louise.laessig (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2011

 

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